Die Lehrerin

https://www.youtube.com/watch?v=np0solnL1XY

 

Punkt Nummer eins: Eine Lehrerin hat  früh recht und nachmittags frei.

Dieser Punkt stimmt beileibe nicht. Ich bin Ganztagsklassenlehrerin und darf meine lieben Pubertiere zwei Nachmittage bespaßen. Und ich will immer ganz nah an meinen Schülern sein. Was bedeutet Liebe für euch?,so frage ich in die Runde. Beschiss, Betrug und Kummer, kommt es spontan von Blondie aus der ersten Reihe. Sogleich bricht sie in Tränen aus, ihre Nachbarin heult aus Solidarität  mit. Eine dritte tröstet sofort und alle drei versinken in einem Meer von Umarmungen. Gruppenkuscheln ist angesagt. Lasst es zu!, höre ich mich mit der Stimme von Herrn B. sagen. Aber jetzt ist genug psychologisiert. Blondie darf sich auf YouTube noch ihr Lieblingslied anhören. Und weil ich als Lehrerin immer gerecht bin, dürfen die anderen Schüler sich auch ein Video aussuchen. Und schwupps ist der Nachmittagsunterricht wie im Flug vorbei!

Punkt Nummer zwei: Eine Lehrerin muss delegieren können.

A. wisch mal die Tafel! F. kehr das Klassenzimmer! M. tu mal das Altpapier runterbringen! S. räum den Müll unter deiner Bank auf!, so kommandiere ich mit befehlsgewohnter Stimme. Klare Ansagen helfen im pädagogischen Miteinander ungemein, stecken den Ordnungsrahmen ab und lassen Undiszipliniertheiten im Keim ersticken. Leider identifiziert sich die Lehrerin gerne mit ihrer Rolle, so dass sie in Feldwebelmanier zu Hause weiter Befehle gibt: Inscheniöööör, wisch mal den Tisch ab, saug die Brösel weg, tu mal den Müll runterbringen!

Punkt Nummer drei: Eine Lehrerin ist mit allen pädagogischen Wassern gewaschen.

Mama! Wir müssen ein Referat über einen Künstler halten., informiert mich die Hasi neulich.  Na, wenn das für die Lehrerin keine Herausforderung ist. Plakat, war gestern, Lapbook heißt die neue didaktische Herausforderung. Sofort bestelle ich ein Buch über diese Unterrichtsmethode, kaufe Tonpapier, Bastelkleber und diverses. Vincent van Gogh, heißt ihr Thema. Ich bediene die Kindersuchmaschine (googeln ist nicht erlaubt) und los geht es. Derweil die Hasi neben mir in Seelenruhe mit ihren Schleichpferden spielt, arbeite ich wie eine Bessessene: entwerfe Drehscheiben für Vincents Lebenslauf, ein Gespenst aus Tempotaschentuch symbolisiert Vincents Wahnsinn. Seine Bilder drucke ich farbig auf Hochglanz aus, zum Schluss verziere ich das Cover mit Schmucksteinen. Wenn das kein Einser wird?, so bestaune ich zufrieden mein Werk und bedauere, dass es an der Montessorischule keine Noten gibt.

Punkt Nummer vier: Eine Lehrerin muss spontan und situativ handeln können.

Hase!, der Inscheniör sitzt gebannt vor dem Bildschirm. Darauf ploppt eine Reihe von Poloshirts auf. In unserem Hotel ist abends ein Dresscode verlangt, deshalb. Die virtuellen Polos geben nichts her, deshalb machen wir uns zum Marco Polo Laden auf. Dieser liegt nur einen Steinwurf weit weg. Ich darf als Beratung mit. Wir kaufen nur Poloshirts ein, schärft mir mein Gatte ein. Na klar, geht klar! Eine geschlagene Stunde später habe ich bereits drei Kleider, zwei Shirts und ein paar Schlappen neben den zwei ausgewählten Polos des Inscheniörs an der Kasse liegen. Ein stolzes Sümmchen leuchtet auf. Der Inscheniör zahlt zähneknirschend und ordert zur Beruhigung eine Flasche Bier beim Ladenbesitzer. Eins der drei Kleider lasse ich gleich an. Es ist blau, hinten aus  Plissee und fällt wie ein duftiger Vorhang um meine Hüfte.

Punkt Nummer fünf: Eine Lehrerin hat viele Facetten.

Free bird, dudelt es aus dem Lautsprecher am Grillplatz, wo wir abends zu einer Geburtstagsfeier eingeladen sind. Ich sitze mit meinen Montechauffeussen am Holztisch und wir lassen uns den Wein schmecken. Unsere Männer sind irgendwie außer Sichtweite. Die Feelgood-Rock-Klassik-Playlist tut ihr übriges dazu und versetzt mich in meine Jugendzeit, wo man noch Kassettentapes aufgenommen hat und jedes Lied einer Gefühlslage zuordnen konnte. Break on through the otherside, foxey lady auch wenn es die road to nowhere ist. Ob ich es noch kann, frage ich mich im Geheimen? Es ist wohl wie schwimmen oder Radfahren, man verlernt es nicht. Ich stecke mir die erste seit 10 Jahren an. Vorne selbstgedreht und hinten Plissee! Leider schmeckt diese nicht mehr wie im alten Jahrtausend…

 

Ein Gedanke zu “Die Lehrerin

  1. Avatar von Daggi M. Daggi M.

    Genial, nix Schlimmeres als Lehrerinnen….✌
    Der Albtraum jedes Mannes und Kindes.
    O-Ton eines Ex-Chefs: „Es gibt nichts Schlimmeres, als mit einer Lehrerin verheiratet zu sein…“😂
    Wo er Recht hat, hat er Recht…😯
    LG Daggi M.

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