
Wenn wir die Brennerautobahn Richtung Gardasee fahren, kommt man an der Ausfahrt Rovereto vorbei. Um es vorweg zu nehmen, ich bin noch niemals dort gewesen. Ich weiß nicht mehr über die Stadt, als dass sie bezaubernde Vorstädtchen haben soll. Jedes Mal, wenn ich an dem grünen Schild der Autobahnausfahrt vorbei komme, frage ich mich, wie es wäre, einen Tag in Rovereto zu verbringen…
Ich stelle mir vor, dass wir wir durch kleine verwinkelte Gassen schlendern. In einem kleinen Café in der Nähe der Kirche gönnen wir uns einen Cappuccino und ein kleines Stück Kuchen zu zweit. Bitte, einmal entkoffeiniert! (un Cappuccino decafinato, per favore! ) Falls es nach 12 Uhr ist, auch gerne ein Glas Wein. Um einen besseren Blick auf das Geschehen rund um die Altstadt zu haben, setzen wir uns neben einander – zwei vertraute Menschen, die sich lange kennen. Es ist schön, wenn dein Bein meines wie zufällig berührt.
Leider konnten wir in diesen Herbstferien nicht an den Gardasee fahren. Ich liebe den See in dieser Jahreszeit, wenn die letzten Sonnenstrahlen, ihn in ein milchiges Licht tauchen. Ich vermisse den morbiden Charme, wenn ich am Seeufer entlang laufe. Besorgt lese ich die Nachrichten aus Italien. Lese von überlasteten Kliniken in Neapel, einer Triage Prüfstelle in Monza, immer mehr roten Zonen und noch viel mehr Infektionen.
Wann werde ich wieder an den Gardasee fahren können? Werde ich jemals durch die bezaubernden Vorstädte Roveretos schlendern? In dieser Zeit braucht man Menschen, die einen gut kennen. Die wissen, wie man denkt und fühlt. Das geht auch im Abstand, der- oder diejenige muss nicht unbedingt vor Ort sein. Manchmal ist es ein Gruß, wenn man beispielsweise einen Lada schrottet. Auch hilft es gedanklich Fäden weiterzuspinnen und sich in den endlosen Weiten der Phantasie zu verlaufen. Ist man ein kreativer Mensch, gelangt man von der Gedankenwelt ins Schaffen. Der eine schreibt, der andere näht, baut oder malt, wieder ein anderer macht Musik und der eine hört sich diese an.
Letztendlich ist es schön und eine schwere Zeit leichter zu ertragen, wenn man eine Muse hat und sie dich küsst. Das geht auch auf Abstand.





