Rovereto

Wenn wir die Brennerautobahn Richtung Gardasee fahren, kommt man an der Ausfahrt Rovereto vorbei. Um es vorweg zu nehmen, ich bin noch niemals dort gewesen. Ich weiß nicht mehr über die Stadt, als dass sie bezaubernde Vorstädtchen haben soll. Jedes Mal, wenn ich an dem grünen Schild der Autobahnausfahrt vorbei komme, frage ich mich, wie es wäre, einen Tag in Rovereto zu verbringen…

Ich stelle mir vor, dass wir wir durch kleine verwinkelte Gassen schlendern. In einem kleinen Café in der Nähe der Kirche gönnen wir uns einen Cappuccino und ein kleines Stück Kuchen zu zweit. Bitte, einmal entkoffeiniert! (un Cappuccino decafinato, per favore! ) Falls es nach 12 Uhr ist, auch gerne ein Glas Wein. Um einen besseren Blick auf das Geschehen rund um die Altstadt zu haben, setzen wir uns neben einander – zwei vertraute Menschen, die sich lange kennen. Es ist schön, wenn dein Bein meines wie zufällig berührt.

Leider konnten wir in diesen Herbstferien nicht an den Gardasee fahren. Ich liebe den See in dieser Jahreszeit, wenn die letzten Sonnenstrahlen, ihn in ein milchiges Licht tauchen. Ich vermisse den morbiden Charme, wenn ich am Seeufer entlang laufe. Besorgt lese ich die Nachrichten aus Italien. Lese von überlasteten Kliniken in Neapel, einer Triage Prüfstelle in Monza, immer mehr roten Zonen und noch viel mehr Infektionen.

Wann werde ich wieder an den Gardasee fahren können? Werde ich jemals durch die bezaubernden Vorstädte Roveretos schlendern? In dieser Zeit braucht man Menschen, die einen gut kennen. Die wissen, wie man denkt und fühlt. Das geht auch im Abstand, der- oder diejenige muss nicht unbedingt vor Ort sein. Manchmal ist es ein Gruß, wenn man beispielsweise einen Lada schrottet. Auch hilft es gedanklich Fäden weiterzuspinnen und sich in den endlosen Weiten der Phantasie zu verlaufen. Ist man ein kreativer Mensch, gelangt man von der Gedankenwelt ins Schaffen. Der eine schreibt, der andere näht, baut oder malt, wieder ein anderer macht Musik und der eine hört sich diese an.

Letztendlich ist es schön und eine schwere Zeit leichter zu ertragen, wenn man eine Muse hat und sie dich küsst. Das geht auch auf Abstand.

Analoge Vögel

Du kannscht mir überall was mache, nur nit im Gesicht, so flüstert mir das leutselige ältere Schwäble zu meiner Rechten ins Ohr und rückt auf Tuchfühlung. Der Spruch isch in meiner Heimat gansch bekannt. Es ist Samstag Abend und ich sitze bei bestem Wetter mit meinen Chauffeussen im JUZ. Das hat heute 40jährigen Geburtstag und dementsprechend alt ist auch das Klientel: Männer mit magerem Zopf und Bauchansatz, an den Füßen sitzen bevorzugt Gesundheitsschuhe mit praktischen Klettverschlüssen. Na bravo! Da kommt Stimmung auf!

Ich geb es jetzt offen und ehrlich zu, ich habe meinen Zumba Auftritt abgesagt. Natürlich schweren Herzens! Gerne hätte ich in erster Reihe mich zu den heißen Sambarhythmen bewegt neben den Let’s dance Profis in Superman Shirts. Aber leider hat sich meine pflichtbewusste Beamtenseele für das Schreiben der Jahreszeugnisse entschieden. Und wie mein Inscheniör so gerne sagt: Das ist doch‘ ne Mainstream Veranstaltung von Selbsthilfegruppen, die überwiegend aus therapiebedürftigen Frauen bestehen!

Deshalb sitze ich am Biertisch bei der 40 Jahre Feier. Der Inscheniör hat sich sofort vom Acker gemacht und quatscht mit den ehemals langhaarigen Giftlern. Am liebsten möchte ich ihm zurufen: Wenn du noch länger mit denen plauderst, färbt das Grün auf dich ab und verwandelt dich in Jürgen Trittin! Aber schon ist er wieder in der Menge verschwunden und erlebt hautnah die Auferstehung der 80er Jahre, analog und doch in Farbe! Verrucht war es früher das Eckentaler JUZ, lieber nach Nürnberg hat man seine Kinder gehen lassen … Also genau das richtige für den Inscheniör und seine Sandkastenfreunde, mit damals wehendem Haar und abgespreizten Armen auf ihren Mofas, diesen Ort aufzusuchen. Noch heute hat Oma Luisegunde Angst, wenn sie an frühers denkt als ihr Bua dorten verkehrte.

Mir ist dieses Ambiente ebenso vertraut aus meiner Jugend mit JUZ und Selbstgedrehten in meiner Heimatstadt. Und die auftretenden Bands heute Abend, wie beispielsweise die Shiny Gnomes, hab ich selbstredend damals persönlich gekannt und bekocht. Kann mich nur nicht mehr erinnern, was es zu essen gab? War es auch Fleisch mit Reis oder Reisfleisch? Wahrscheinlich haben zuviel Selbstgedrehte die Sicht vernebelt! Auf jeden Fall ist es ein gelungener Abend mit Wein, guten Gesprächen und Tanzeinlagen jenseits des Mainstreams und einer Hommage an frühers als die Welt noch analog war.

Und jetzt am Sonntag sitze ich brav über meinen Zeugnissen und grüble, wie man das, was man nicht ungeschönt sagen darf, und doch liebend gerne täte:

… den versäumten Schlaf holte sie gerne vormittags im Unterricht nach.

er bevorzugte den Lernort „Toilette“ regelmäßig über Stunden.

… mit Geschick und Raffinesse schraubte er die Patronen aus dem Füller seines Mitschülers.

… er verstand es lautgetreu die Geräusche von Tieren nachzuahmen.

… wie man isst, so arbeitet man, lautete seine Devise.

gerne erfreute sie durch Tanzeinlagen im regulären Deutschunterricht.

Die analogue Birds erfreuten gestern zur späteren Stunde das Publikum jenseits der 40 und lullten dieses mit nimmer enden wollenden sphärischen Klängen ein. Eine wogende Masse aus Köpfen (mit oder ohne oder wenig Mähne) ließen den Abend zu einer großartigen Veranstaltung werden und der Inscheniör jammert heute nur ein klitzekleines bisschen über Muskelkater wegen der gestrigen Tanzeinlagen. Da ist er aber jetzt selbst Schuld, weil er nicht seine Gesundheitsschuhe getragen hat.

Begegnungen

„Begegnungen können vielseitig sein,“ so überlege ich, als ich in der Notaufnahme mit meiner Hasi sitze. Diese heult gefühlt seit 24 Stunde durchgängig, seitdem beim Schulsport ihr Näschen keine erfreuliche Begegnung mit der Stirn einer Mitschülerin hatte. Seit geschlagenen drei Stunden hocken wir im fahlen Neonlicht zwischen Scheintoten, Alkis und Drogis!

„Weißt du“, so fängt meine Tochter zwischen zwei Schnäuzern an zu reden, „ich hatte immer voll Angst bei dem Lied: wer jetzt nicht schläft, ist tot! Bei Oma Karin saß ich auf der Couch und dachte, was passiert bloß, wenn ich nicht einschlafe!“

In meinem Gesicht tun sich Fragezeichen auf.

„Immer wenn wir nach Coburg gefahren sind, die Musik, die du in Dauerschleife gehört hast, deine Lieblingsband.“

Bei mir dämmert es: Element of Crime und Sven

Die Hasi wird nachdenklich: „Ich kann mich noch an viele Textstellen erinnern: im Garten, wo es blüht…“ Ich ergänze: „die Illusion!“ Sie fährt fort: „und im Himmel war auch kein Platz mehr für uns zwei!“

Oh, mein Gott! Sitzt meine Hasi etwa deshalb so bedröppelt in der Notaufnahme, weil sie die Deprimusik ihrer Mutter mit der Muttermilch aufsaugen musste?

Ich versuche meiner Tochter zu erklären: „Weißt du, Sven war für mich ein Seelenverwandter, in meinem Heimweh, meinen Gefühlen und den nicht gelebten Mädchenträumen. Auch wenn die Begegnung oder Beziehung nicht real war, intensiv war sie dennoch!“

Bevor die Hasi antworten kann, wird ihr Name aufgerufen! Wir schieben uns in das Unfallzimmer 2. Dort wird sie gründlich untersucht und die Nase geröntgt. Der Arzt will ihr ein zweiwöchiges Sportverbot geben und das, wo es doch diese Nacht ins Trainingslager geht! Nach Rimini! Die Augen meiner Tochter setzen zu Sturzbächen an. Was es genau ausgemacht hat, dass der Arzt letztendlich grünes Licht gegeben hat , kann ich im Nachhinein nicht sagen:

  • dass man einem 15 jährigen weinendem Mädchen nichts abschlagen kann?
  • dass der Arzt selbst Italiener ist (Nähe Verona)?
  • oder dass die Mutti dem italienischen Arzt aus dem Unfallzimmer 2, sämtliche Fotos aus den letzten Gardasee Urlauben zeigen wollte?

Der Nachmittag ist schon weit fortgeschritten als wir die Notaufnahme endlich verlassen können. Kaum zuhause angekommen trudelt schon eine reale Begegnung ein: Moritz! Hasis Laune steigt um 100% und die angebrochene Nase ist vergessen.

Auch beim Inscheniör ist die Laune gut, weil es Wochenende ist und er seine Kindergartengruppe zum „Stadtwurst- Tasting“ geladen hat. Die Stimmung ist bombig als ich im Garten einen Besuch abstatte. 1000 Jahre sitzen um den Gartentisch, in der Mitte ein Berg von schweinischen Gelüsten, der die Cholesterinwerte in schwindelerregende Höhe treibt.

Mir wird es warm ums Herz als ich die Stimmung einsauge: Auch wenn der Pelz schon abgenutzt ist oder gänzlich fehlt und die Funktionsjacken sich um die Bäuche spannen, das Miteinander der Männer könnte nicht vertrauter sein. Das sind Begegnungen, die dauern über ein halbes Jahrhundert an.

Und so ist das wohl, wenn man mit jemanden einmal vertraut war, dann kennt man sich ein Leben lang.

Tür zu!

Diese zwei sehr prägnanten Wörter beschreiben treffend die Kommunikation zwischen meiner Tochter und mir:

Mutti klopft an die Zimmertür und bittet um Einlass mit wahlweise folgenden Fragestellungen:

  1. Was willst du heute Abend essen?
  2. Wann soll ich dich zu … fahren?
  3. Kannst du deine Wäsche zum Waschen zusammensuchen?

Wenn der Mutti die Audienz gewährt wird, liegt die Hasi im Bett, das I Pad (eigentlich Muttis I Pad) auf den Knien und parallel dazu quatscht eine von ihren zahlreichen Besties aus dem Handy. Das nennt man Hausaufgaben machen. Die Mutti wird dann ganz schnell mit einer Handbewegung, als wäre man ein lästiges Insekt, aus dem Zimmer gewunken: Tür zu!!

Ihre Privatsphäre ist ihr seit ca. zwei Jahren heilig. Das durfte ich merken als Oma Karin einmal anmerkte: „Die Hasi ist aber gestern abends noch lange online gewesen bis 23.21 Uhr.“ Schlaues Pubertier, nur ihre Eltis bei WhatsApp Einstellungen unter der Rubrik: „zuletzt online nur Kontakte, außer“ … auszugrenzen! „Total ausgerastet seid ihr damals, völlig unnötig“, so merkt die Hasi noch heute an.

Der Moritz scheint da pflegeleichter zu sein. Dem darf ich auf Insta folgen. Das Konto meiner Tochter ist trotz mehrerer Anfragen von meiner Seite immer noch privat! So bekomme ich zumindest am Rande mit, wie sich die Kennenlernphase weiter entwickelt. Überhaupt wird mir der junge Mann immer sympathischer:

„Ich muss mein Handy abends immer abgeben“, so tönt Moritz nach dem Essen neulich Abend. „ Und daheim chillen im Bett, dafür hab‘ ich keine Zeit. Bei uns auf dem Hof gibt es immer was zu tun“, fährt er fort. „Urlaub? Ja, die Mutti will schon diesen Sommer verreisen, aber der Vati und ich wollen lieber daheim bleiben und am Haus was arbeiten.“

Dem Inscheniör bleibt der Nudelauflauf im Hals stecken. „Wie oft war sie schon in Afrika?“, raunt er mir zu. „8 x, wenn man die Aufenthalte auf den Seychellen und Mauritius mit dazu zählt“, raune ich zurück.

„Wenn wir den jungen Mann dazu bewegen könnten unsere Tochter zu heiraten, hätten wir alle Sorgen im Alter los. Er könnte den Garten umgraben, meine Wälder holzen und den Umbau im Erdgeschoss stemmen .“, so schwärmt der Inscheniör. „Der Solis und ein Besteckkasten Set werden da nicht ausreichen, da musst du schon mehrere Hektar deiner Ländereien locker machen, notfalls noch ein paar Siemensaktien drauflegen“, prophezeie ich beim Abwasch.

Im Kopf des Inscheniörs entsteht eine neue physikalische Formel: Leistung ist Arbeit in einer bestimmten Zeit mal Mindestlohn von 12, 81 €.

„Wenn Moritz das nächste Mal zum Essen kommt, strengst du dich mal an und kochst das raffinierteste Essen.“, so beschließt er. „Und dann lassen wir ihn nicht mehr gehen bis er alt genug ist , um unsere Tochter zu heiraten.“

Tür zu!!!

Zum Sterben nach Afrika

Die Hasi ist inzwischen zu einem Pubertier herangereift und ihre sie liebenden, seit 15 Jahren umsorgenden Eltern, spielen nur noch eine untergeordnete Rolle in ihrem Leben.

Diese machen sich derweil im Herbst ihres Lebens Gedanken, wie sich die letzten 20 Lebensjahre komfortabel verbringen lassen.

„Wir ziehen auf jeden Fall ins Erdgeschoss“, so überlegt der Inscheniör, „wenn die Hasi mit ihrem Inscheniörsstudium fertig ist und dann das heimische Anwesen übernimmt.“ Die Hasi ist perplex: „Wie?“, so fragt sie ehrlich erstaunt, „ich dachte, ihr geht zum Sterben nach Afrika.“

Gut, wollen wir jetzt nicht gleich den worst case beschreien, bis auf ein paar kleinere Wehwehchen in Rücken und Knie, sind wir beide noch alltagstauglich.

Und so schieben wir uns beide in der Elterntanzstunde in der Aula in Hasis Schule über das Parkett. Der Inscheniör übernimmt die Führung , schließlich hat er schon vor über 40 Jahren auf dem selbigen getanzt. „ Mir hat geholfen, wenn ich damals mit der großbrüstigen Josefine durchgezählt habe! Eins – zwei- drei und zack!!“ Es könnte mich schlimmer treffen. Die Mutti, die neben mir tanzt, hat mir schon im Vorfeld verraten, dass ihr Mann den Spitznamen „Stahlkappen – Udo“ trägt. Und der Inscheniör wird zunehmend wagemutiger und nach der 10. Drehung flüstert er mir ins Ohr: „ Nenn mich Lambi!“

Letzten Freitag ist der große Tag gekommen. Der Premierenball! Natürlich ist meine Hasi die schönste Debütantin in ihrem nachtblauen Satinkleid, welches sich wie angegossen über ihre schmale Silhouette schmiegt. Ich stehe am Muttizaun und schieße mit Tränen in den Augen Pics für mich, Freunde und Verwandtschaft. Die Mutti neben mir am Zaun ergänzt: „ Sie sieht wunderschön aus, aber die Figur hat sie nicht von dir!“

Um Mitternacht ist das Treiben zu Ende und wir fallen erschöpft ins Bett, schließlich sind Rücken und Knie nicht mehr die Allerjüngsten! Morgen ist auch noch ein Tag und schließlich muss Mutti ja herausfinden, was es mit Hasis Tanzpartner auf sich hat!

„Hasi“, so passe ich meine verschlafene Tochter am nächsten Morgen ab. Die frühe – Vogel- fängt – den Wurm- Uhrzeit ist nicht zwangsläufig günstig um einen Teenager die nötigen Informationen heraus zu pressen. „Wie sieht es aus mit Moritz und dir? Seid ihr ihr immer noch in der Kennenlernphase?“ Diese erstreckt sich bereits seit über vier Wochen. Meine psychologisch geschulten Antennen sind bis zum Anschlag ausgefahren. „Mutti“, so entgegnet sie, „das ist voll unangenehm mit dir darüber zu reden!“

Ich muss nicht lange auf eine Gelegenheit warten. „ Heute kommt mich der Moritz besuchen“, verkündet die Hasi. Bevor ich mir einen Schlachtplan zurecht legen kann, gibt mir meine Tochter unmissverständlich folgende Instruktionen:

  1. Ich muss bis Schlag 18.30 Uhr Abendessen gekocht haben!
  2. Danach fahre ich Moritz nach Hause, schließlich hat die Moritz Mutti die Hasi auch heimgefahren.
  3. Ich stelle keine blöden Fragen und komme nicht unangemeldet in ihr Zimmer!

„Wo ist der Inscheniör überhaupt?“, so fragt sie und späht gen Arbeitszimmer. „Beim Sport“, entgegne ich. Panik macht sich auf ihrem Gesicht breit: „Hoffentlich wackelt er danach nicht wieder nackig im Bad rum!“

Überpünktlich trifft der junge Mann ein und meine Tochter bugsiert ihn schnell in ihr Zimmer. Wumms! Tür zu! Gefühlt nach Stunden schleiche ich mich hoch ins daneben liegende Bad und presse meine Ohren an die Wand. Ich höre eine lebendige Unterhaltung und mein nervöses Augenzucken lässt schlagartig nach.

Punkt halb sieben steht das Abendessen auf dem Tisch. Die Unterhaltung mit dem selbstbewussten jungen Mann gestaltet sich leicht. Was dem Inscheniör sehr gefällt, ist die gemeinsame Liebe zu Wald, Holz und Traktoren. „Mein Solis macht 27, 0 km/h!“, so preist der Inscheniör sein indisches Modell an. „Unser John Deere macht 47,3 km/h“, erwidert Moritz ohne mit der Wimper zu zucken. John Deere sticht indischen Solis um Längen!!!

Brav erledigt die Mutti nach dem Abendessen ihren Chauffeur- Dienst. Das junge Paar in der Kennenlernphase thront auf der Rücksitzbank. Ich liefere brav den jungen Mann zuhause ab und setze zum Wenden an. Was sehe ich da im Rückspiegel? Den John Deere in seiner vollen Größe und ich schätze grob, dass zwei Reifen den Vollpreis des Solis ausmachen.



			
					

Wintereinbruch

Der Herbsteinbruch mit leichtem Schwindel, schlapp und Unwohlsein, der Blutdruckmessungen um 3 Uhr nachts nach sich zieht, ist schlimm.

Aber schlimmer ist der Wintereinbruch mit richtigem Schwindel, bleiernder Müdigkeit, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen, der tägliche Virusmessungen nach sich zieht.

Der richtige Schwindel mit bleiernder Müdigkeit, Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen verzieht sich plötzlich sehr schnell als die richtigen Sonderangebote locken. Und was kann das sein bei einem ordentlichen Wintereinbruch?

Natürlich Streusalz!!

Zufrieden füttert der Inscheniör den bullernden Ofen in unserem Gewächshaus mit Reisig. Wir sitzen da gerne bei Bier und Wein.

7,80 € der Sack, wenn ich ihn bei Amazon bestelle. Bei Toom sind es 6,80. Und dann bin ich zur BayWa gefahren …

Die Augen des Inscheniörs beginnen zu lodern wie die Glut des bullernden Ofens in der glasklaren Winternacht.

Und hab rausgehandelt 5,80 der Sack, wenn ich eine Tonne nehme…

Eine ganze Tonne Streusalz! Ich reiße die Augen auf. Der Inscheniör glaubt nicht an den Klimawandel durch Menschenhand.

Die ganze Tonne teile ich unter den männlichen Verwandten auf. Deine Mutter hab ich auch gefragt. Hat aber abgelehnt, wäre ja verboten Streusalz zu streuen.

Das war klar, erwidere ich, schließlich wählt sie immer noch die SPD!

Dann schweigen wir wieder, denn ein bullernder Ofen gepaart mit Wein und Bier macht auch eine bleiernde Müdigkeit.

Wie heißt es so schön: Der Zahn der Zeit nagt ? Heute morgen wird mein nicht mehr zum Nagen taugender Backenzahn extrahiert. Ich beäuge die Instrumente argwöhnisch.

Der Zahnarzt spricht mir Mut zu. Ihr Backenzahn ist bereits mausetot. Wird kein großes Ding sein, den zu entfernen.

Dann fängt er an zu hämmern, meißeln, schleifen. Es riecht nach verbranntem Menschenfleisch und ich schmecke Blut. Der Zahnarzt schaut mich zufrieden mit seiner Lupenbrille an. Soll ich die einzelnen Schritte für Sie kommentieren? Ich winke ab! Nicht nötig!

Mit einem Tupfer in der Backe und einem Kostenvoranschlag für ein Implantant tuckere ich hinter einem Kipplaster nach Hause.

Wird schon werden, man darf den Glauben nicht verlieren. Der Frühling wird wie jedes Jahr kommen… und falls er auf sich warten lässt, dann sitz ich halt im Gewächshaus mit dem Inscheniör und einem tippi- toppi gesalzenen Gehweg und mit dem Kater auf meinem Schoß, bei dem ebenso der Zahn der Zeit nagt.

Digga, wir wecken jetzt die Mädchen auf …

… es ist genau 5 Uhr! Dann folgen „gegen die Tür Schlag Geräusche“ musikalisch untermalt von einer Tröte, billig erstanden in den Vororten Neapels.

Wo ich gelandet bin? Auf Abschlussfahrt in Italien, genauer gesagt in Sorrent. Und ich bin mega geflasht, dass ich als Begleitperson gebucht worden bin von 🐻, einem Klassenlehrer aus der Milleniumgeneration. Den realistischen Blick habe ich diesbezüglich nicht verloren. In unserer Zwergenlandschule ist das Angebot überschaubar wie zu den Planwirtschaftszeiten in der DDR.

Mit an Board an sind außer 21 Schüler, Bärchen (sein heimliche Spitzname) und mir, zwei Busfahrer. Davon raucht einer Zigarillos im Sekundentakt non stop, sobald wir eine Buspause einlegen. 18 Stunden wird es dauern bis wir am Ziel unserer Reise sind. Deshalb haben wir vorgesorgt mit zwei Flaschen Wein, die der Kollege und ich bereits auf der Autobahnauffahrt der A3 in unsere Kehlen kippen. Das Bärchen gibt sich gleich einfühlsam: “ Glaub ja nicht, dass ich mich mit dir 16 Stunden auf der Busfahrt unterhalte!“ Das ist natürlich kein Problem. Ich bin nicht verwöhnt, reichen mir doch die Gangsta- Rap- Hurensohn- Klänge aus den JBL- Superboxen von hinten des Buses gemischt mit Andrea Berg von vorne. Zwischendrin noch die stakkatoartigen asthmatischen Hustenanfälle des Busfahrers, die lungentechnisch leider nix Gutes verheißen. Irgendwann dussele ich trotzdem ein.

Punktgenau zur Mittagszeit des nächsten Tages sind wir am Ziel. Im Bus riecht es inzwischen wie in einem Raubtiergehege, aber der Kollege hat auch dafür eine Lösung: „Ich hab so eine Deo- Creme aus Zink und Aluminium, sau teuer, aber einzigartig! Wir schmieren die denen einfach unter die Achseln.“

Die Unterkunft, ist zweckmäßig italienisch. Ich teile einen Doppelbungalow mit dem dauerhustenden Busfahrer. 🐻 ist mitten im Epizentrum des Geschehens umringt von dem eigenen, bundesweiten und dem EU- Klientel. Schlaf wird sich nur mit Genuss diversen Alkoholika einstellen.

Am nächsten Tag steht der erste Höhepunkt an: Pompeji! Es wissen zumindest drei von 21 Schülern, das es keine Stadt ist, wo man shoppen kann. In zwei Stunden sind wir durch. Dabei mussten wir zwei Leerkörper aus dem eigentlich überschaubaren Areal und trotz teilen des Live- Standortes fast einen Helikopter rufen. Hat sich doch glatt die Klassenschönheit mit ihren Lakeien 250 m von uns fort gewagt und war sowas von lost. Nach gefühlten 100 WhatsApp Nachrichten tauchen sie wie eine Fata Morgana auf und fallen ihrem Papa 🐻 um den Hals.

Ich beneide das Bärchen, denn er ist nicht bedürftig. Ihm ist vieles, aber nicht alles, scheißegal und es schert ihn einen Dreck, was andere von ihm denken. Diese Aura umgibt ihn wie ein moderner Guru. Die Schüler lieben ihn, auch wenn er sie gerne mal ihr 🐒🐒🐒 nennt.

Inzwischen stellt sich eine gewisse Lässigkeit ein. Schlaf und gesundes Leben werden überbewertet und so genießen wir die Tage mit Pizza, Wein und Salzzigaretten nach einem Bad im Mittelmeer.

Und im Morgengrauen, wenn endlich alle schlafen, lausche ich dem Schnarchen und Husten des Busfahrers und ich stimme ihm zu 100 % zu, wenn er bellt: „Leckt mich doch die Welt am Arsch!!“

Um ein Land in seiner ganzen Komplexität zu entdecken, sollte man sich immer die nächst größere Stadt anschauen. In unserem Fall ist das Neapel. 🐻 plant drei Stunden dafür ein, schließlich wollen wir ja nach dem Baden ein paar Salzzigaretten durchziehen. Und es ist ja auch irgendwie scheißegal, dass die Fahrt dorthin fast genauso lange dauert. Schön ist, dass man eine Stadt am besten durch ihre Vorstädte erlebt. Allein der Verkehr und die lebensmüden Vespafahrer, sind ein Highlight. Ich stelle mich im Verkehrsgetümmel mutig auf den Zebrastreifen, um unsere Zöglinge sicher auf die andere Straßenseite zu bringen und fühle mich fast wie Jesus, der das Rote Meer teilt. Und unsere Schüler sind sehr happy, dass es auch hier einen Megges so wie zu Hause gibt.

Und so lange wir auf die Abschlussfahrt gefiebert haben, so schnell ist sie vorbei. Donnerstag Abend steigen wir wieder in den Bus und es geht zurück in das Zwergenland. Bis um 22 Uhr geben unsere Schüler alles, um danach in einem komatösen Schlaf zu fallen, der bis zur Ankunft anhält. Und dann ist alles vorbei. Der Inscheniör lädt mein Gepäck in die Roverne und ich fühle fast mit den Schülern: Digga, find‘ s voll komisch grad zu Hause zu sein!

Tue Gutes und rede darüber

#familylove

Sei hilfsbereit und zeige es! Der Herzensmensch auf zwei Beinen ist bereits kurz nach acht am Samstag durch beim TOOM. Die Wäschespinne im Sonderangebot klemmt links unter seiner starken Schulter, mit der rechten Hand balanciert er zarte Salatpflänzchen. Alles für die Oma! Ja, das sind wir: eine Mehrgenerationenfamilie!

#multigenerationalhouse

Sogleich schleppt der Herzensmensch den Ständer in den Garten und positioniert ihn fachmännisch in den frischgemähten Rasen. Nonchalant plaudert er mit Nachbar Conny über den Gartenzaun hinweg: Gehst du rein zum TOOM, sagst nur grüne Gartenstauden, gehst die Reihe hinter, duckst dich schnell zwischen den Stauden, biegst links ab und schon hast du den ganzen Markt für dich! Mein Blick fällt auf sein neues kleines Tomatenhäuschen, altersgerecht für unsere Oldies jenseits der Eighties errichtet, welches in der milden Mai Morgensonne strahlt.

#strawberrycheesecakelove

Backe, koche und zeig es! Auch in bin bereits seit kurz nach acht am Samstag durch bei der EDEKA. In dem letzten halben Jahr ging nicht viel mit den interessanten Storys auf diversen Internetplattformen: kein Strandurlaub in der Karibik, Burzeltagsparties nur mit dem eigenen Haushalt plus einer Person (Kinder unter 14 nicht mitgezählt). Da ging nicht mehr als meine Rezepte für Geschmacksexplosionen zu posten. Oma und Opa mussten sich durch alles futtern: den Spring- Break Burger mit Erdbeeren, Ziegenkäse, grünem Spargel, die Spargeltarte, die Dorade an Ofengemüse ….na, wollt ihr noch mehr lesen oder sehen?

Aber jetzt hat uns das Leben wieder. Vorbei ist die Zeit der Volksaufläufe in den heimischen Wäldern, wo du Hinz und Kunz getroffen hast, wie früher auf dem Schlossplatzfest in meiner alten Heimat. Vorbei die Themen, ob du schon einmal oder – ach echt schon zweimal – geimpft worden bist, welchen Impfstoff du ergattert hast, den heißen Scheiß oder das Oettinger, das auch knallt, welche Nebenwirkungen du hattest und und und

Und auch ich bin wieder da, Franka Kranz, eigentlich benannt nach einer Buttercremetorte. Heute habe ich allerdings einen Erdbeerkäsekuchen gebacken für eine kleine Burgerparty für Freundin A., ihrem Gatten und ihrer Tochter, die UBS (unbiologische Schwester) von meiner Hasi. Und endlich darf ich offiziell nicht nur Kuchen und Burger posten, sondern auch die Menschen dazu! Kann mir ja schon mal im Vorfeld ein paar Posen überlegen, vorzugsweise, wo man nicht allzu sehr die lockdown Pfunde sieht, dann Filter drüber und der ganzen Welt zeigen, dass du für immer 39 sein wirst!

#mybestbunny

Zeig der ganzen Welt deine Schleichpferde! So eine tolle Tochter hast du, sagt die Oma, die mit der Hasi schon kurz nach acht Einkaufen war. Opa und ich waren kaum im Laden, da hatte sie den halben Einkaufswagen schon voll. Und stark ist sie, hat alle Taschen ins Haus getragen! Na, da muss ich meine Tochter doch gleich mal sowas von loben. Ich klopfe höflich um ihr Zimmer betreten zu dürfen. Sie guckt nicht mal von ihrem I Pad auf: 6 x musste ich hin und her laufen, erst mit Oma und Opa, dann den Einkaufswagen wegbringen und dann der Oma ihren Stock holen, den sie stehen gelassen hat. Und jetzt tschüss und mach die Tür zu!! Meine Tochter muss schließlich tolle Schleichvideos für ihren YouTube Kanal Candy&Flash mit ihrer UBS planen.

#reallylife

Hinten auf den Sandsteinen liegt ein kleines Schleichfohlen mit zwei abgetrennten Beinen, schreit die Oma im Treppenhaus zu uns rauf. Der Hasi fangen sogleich die Augen das Schwitzen an. Der Inscheniör gibt sich ungerührt: Da bist du selber Schuld, wenn du deine Sachen immer im Rasen liegen lässt. Meine Tochter setzt zu Sturzbächen an. Seufzend macht sich der Inscheniör auf, bei Amazon einen Fohlenersatz zu suchen. Ich schlage mich auf die Seite meiner Tochter: Leiere ihm gleich drei Schleichpferde aus dem Geldbeutel, für das, dass er es mit dem Rasenmäher geschreddert hat. Die Welt ist schnell wieder in Ordnung. Was hätte ich denn machen sollen?, fragt mich der Inscheniör. Einfach wegschmeißen, hätte sie eh nicht gemerkt bei ihren 198 Schleichpferden!!!

Tue Schlechtes und kehr es unter den Teppich!

Fließschnupfen

LRA und RKI – AHA – FFP 2 und FFP3 – AHA- Aerosole und Inzidenz – AHA – CoV-2 und R- Wert- AHA … wollt ihr noch mehr hören? Habt ihr schon die sieben Symptome auswendig gelernt, an der man eine Corona Infektion erkennt? Träumt ihr schon auf Abstand? Oder habt ihr vielleicht ein Plexiglas in der Besucherritze installiert?

Ich träume gar nicht mehr, einmal einen Realitätscheck bekommen und gut is es. Ich besinne mich auf’s Kochen! „Rat mal, wer gerade angerufen hat???“ Es trudelt eine WhatsApp von meiner Mutter ein. Sogleich vergesse ich wie ich liebevoll die Portobello Pilze mit Misopaste bestreichen muss. Stattdessen klopfe ich in mein Handy : „Ruf mich an, sofort!!!“ Es dauert keine 30 Sekunden als das Telefon klingelt und meine Mutter flötet: „Der Hörer ist noch heiß!“

Es geschehen noch Zeichen und Wunder: der Flieger ist wieder auferstanden! Ohne Vorwarnung legt sie los: „Wenn es ein schöner Novembertag ist, komm ich mal wieder mit dem Flieger. Aber auf eurem Flugplatz darf ein gewisses Gewicht nicht überschritten werden.“ Ohne Luft zu holen fährt meine Mutter fort: „Da hab ich ihm gleich gesagt, Gottseidank hab ich 5 kg abgenommen. Handwerklich ist er nicht ungeschickt. Morgen fährt er mit mir in die Waschanlage …“

Dem Misopilz vor mir geht so eben die Luft aus und in meinen Gedanken formieren sich Bilder von riesigen Spritzdrüsen, rotierenden Bürsten, langen gummiartigen Saugrüsseln und ganz viel Schaumparty! Ich schnaufe durch und setze zum Gegenangriff an: „Was meinst, sollen wir ihn mal zum Essen einladen? Ich hab da ein verdammt leckeres Rezept: gefüllte scharfe Paprika!“ Meine Mutter willigt ein und will mich auch schnell aus der Leitung haben. Ich argwöhne, dass sie den Flieger jetzt sofort anrufen will. Insgeheim beglückwünsche ich mich zu meiner Idee mit der Essenseinladung und dem damit verbundenen Kontrollbesuch.

Leider verspürt der Flieger einen Anflug eines Fließschnupfens und ich sage gleich in meiner befehlsgewohnten Lehrerinnenstimme: „Wenn er erkältet ist, bleibt er daheim wie die Schulkinder!!!“ Immerhin steht ein Schnupfen auf Platz vier der gängigen Corona Symptome. Auf Aerosole und Superspreader können wir gut und gerne verzichten! So sitze ich mit meiner Mutter und Hasis Patentante (als Ersatzesser) vor der scharfen gefüllten Paprika. Das Gericht mundet und der Weißwein fließt. Unsere Gespräche werden lockerer. „Und dann hat er mir nach der Waschanlage die Außenspiegel wieder ausgeklappt. Wie ein Gentleman, ich bin es ja nicht mehr gewohnt, dass mir jemand hilft.“, schwärmt meine Mutter. Wir schauen sie eindringlich an und versuchen ihre Mimik zu lesen. „Aber ich hab ihm gleich gesagt: nur Freundschaft, keine Affäre!“ Dann kann ich ja wieder beruhigt nach Hause fahren und ich bin fast froh, dass es Corona gibt und man nur auf Abstand träumt!

Herbstzeitlose

Was fällt euch zu Herbst ein? Heißer Herbst oder Altweibersommer? Ich gebe dieser Geschichte den neutralen Namen „Herbstzeitlose“. Assoziiere ich doch damit die kommenden Jahre diesseits der Lebensmitte, in der man ganz bei sich sein selbstbestimmtes Leben meistert.

Letztes Aufbäumen, unkontrollierbare Gefühlsausbrüche und unvernünftige Gedankengänge gehören der Vergangenheit an, nun richte ich meinen Fokus auf mich. Da ein gesunder Geist nur in einem gesunden Körper wohnen kann, muss dieser in Form gebracht werden. Ich gebe mich hier ganz in die Hände des Inscheniörs, indem ich mich nach dem Sommerurlaub mit geschlossenen Augen auf die Waage begebe. Das ist mehr als ein Seelenstriptease, da ich vier Jahre dieser konsequent aus dem Weg gegangen bin. Der Inscheniör schnurrt wie ein Kätzchen als er meine Daten von Größe, Gewicht, Körperfett, Herzfrequenz und Knochenmasse in seine App einpflegt. So liebevoll habe ich ihn seit der Geburt von der Hasi nicht erlebt. Vielleicht könnte man „Wiegen mit geschlossenen Augen“ in einen Eheratgeber aufnehmen. Jetzt aber schnell runter. Devot blicke ich in die Augen meines Gatten und hauche: „Du darfst mich jetzt immer wiegen. Wenn die 6 am Display erscheint, dann darfst du mir mein Gewicht verraten.“ „Du musst dich jeden Tag wiegen, so kann man einen Mittelwert und eine Verlaufskurve bilden“, so antwortet er mit lüsterner Stimme.

Sirtfooddiät heißt das Zauberwort, mit dem Adele 45 kg abgenommen hat. Ich überschlage grob: 100 g pro Tag weniger und ich bin nach einem Jahr 30 kg leichter. Ich sehe mich schon in naher Zukunft am Strand räkeln mit „Thigh Gap“ und „Bikini Bridge“, fernab von meinem gutsitzenden Charm Elegance Maxi Bikini der Marke Triumph.

Die Lebensmittel der neuen Promi-Super-Diät beziehe ich nicht in unserem 0815 EDEKA Markt, nein, mein Weg führt mich in den „wirsindbunt“ Bioladen. Dort kämpfe ich mich mit dumpfen Kopf, der gerade unter einem bösen Zuckerentzug leidet, durch die Verkaufsregale. Die Gewürze, die auf meiner Einkaufsliste stehen, klingen von ihrer Aussprache her wie eine islamistische Terrorzelle. Das Gemüse, vornehmlich Kohl in den unterschiedlichen Farben, lassen mir den Appetit vergehen. Darin liegt also das Geheimnis von Sirtfood…

So vergehen die Wochen, wo ich mich durch Smoothies trinke, die aussehen wie ein veralgter Gartenteich. Ich darf Rosettenzauber erleben, ausgelöst durch rote Chilischoten. Der Grünkohl lässt mich durch die Küche wabern. Ich halte mich tapfer. Der Inscheniör verfolgt akribisch meinen Gewichtsverlust. Momentan ist die Laune gut, zudem hat er das letzte deluxe e Bike im Internet ergattert. „Wieviel hat es gekostet?“, frage ich neugierig. „So viel wie du in den letzten halben Jahr an Schuhen ausgegeben hast!“, kontert er. Das ist das Blöde, dass er seit Corona im Homeoffice sitzt. Meine ungestörten Shopping Erlebnisse 200 Meter Luftlinie werden dadurch gnadenlos gestört. Das Gute ist: Wir haben ganz viel Strom gespart, denn der Inscheniör kann jetzt immer sofort das Licht hinter mir ausmachen. Und dann kann er mich im Dunkeln wiegen!