http://www.nordbayern.de/region/nn-wanderreporter-mit-dem-harry-lime-thema-nach-grafenberg-1.6513104?offset=2#ancTitle
Gottseidank sind wir auch im Urlaub immer on. 5 Gigabyte haben uns der Inscheniör und ich zusätzlich gekauft, um am Puls nah der Heimat zu sein. Da werden auf Facebook die schönsten Urlaubsbilder gepostet, die die Freunde artig liken und kommentieren müssen. Auf whatsapp kann ich meinen Status aktualisieren und schauen, wie viel Besucher man zu welcher Uhrzeit hatte. Ach und ich habe ja noch meinen Blog. Mein erster Klick heute morgen? Selbstredend auf die Statistik! Hm, nur zwei Besucher aus Deutschland, der eine mit androidooglequicksearch, der andere mit search engine. Was sehe ich da? Ein Besucher aus Holland ist dazugestoßen! Jetzt aber mal Stopp! Es reicht, wenn die Hollis mich im in der Bretagne verfolgen, virtuell bitte nicht auch noch in meinem Blog. Oder ist es Freundin L. , die urlaubt zur Zeit auf einem holländischen Campingplatz?
Upps, ich merke, ich komme vom eigentlichen Thema ab: den Wanderreporter! Dieser wandert durch die fränkischen Landen und postet Tag für Tag Bilderstrecken von seinen Erlebnissen. Gestern am späten Abend schickt mir der Inscheniör einen Link von den Nürnberger Nachrichten zu: mit dem Harry Lime Thema nach Gräfenberg… Weiter ist eine Fotostrecke zu sehen, in der Opa Adolf und sein Kompagnion, der Satts Reinhard, in unserer BayWa Hütte glückselig an Zither und Gitarre sitzen. Mit Musik im Ohr läuft es sich bekanntlich leichter. Reinhard Satt und Adolf Prechtl gaben dem Wanderreporter ein Privatkonzert, so wird das Foto kommentiert. Auf dem nächsten zupft Opa selbstvergessen auf seiner Zither. Die beiden Volksmusiker spielten „the third man theme“, zu deutsch „der dritte Mann“ , so lautet der Text weiter.
Heute früh rufe ich sofort bei Opa Adolf und Oma Luisegunde an. Derweil wir uns beim Erbfeind mit den französischen Speisekarten ärgern müssen, pulsiert in Mittelfranken das wahre Leben. Mensch Opa, was lese ich denn da, bekannt aus Funk und Fernsehen!, so schreie ich ins Telefon (immerhin sind wir 1400 km weit weg), bevor er überhaupt seinen Namen gesagt hat. Ich höre bei Opa Adolf sogar über diese Entfernung, als hätte er gerade einen besonders dicken Fisch verspeist: Ja, der Reporter von der NN hat angerufen, er wollte ein Interview mit mir… erzähl ich zuhause genauer! Der hat Nerven, ich brenne für die detaillierte Schilderung desselben.
Ich verlange umgehend Oma Luisegunde ans Telefon, die singt gewöhnlich wie ein Vögelchen. Bevor sie zum Wesentlichen kommt, muss ich mir anhören, dass der Kater Costa nur hinter ihr her rennt und um Futter bettelt. Das ist in jedem Urlaub dasselbe. Nach Omas guter Pflege wiegt er immer ein Viertel mehr. Vielleicht kann der Inscheniör zukünftig das Gewicht des Katers auch im Ausland mit einer App steuern und überwachen…So jetzt kommt sie zum Wesentlichen: Der war lang da und hat mit uns in der Küche geplaudert, bevor sie hinter in die Hüttn sind. Er hat mich sogar mit Namen erwähnt in der Zeitung und dass ich schon seit 65 Jahren im Kirchenchor singe, ein ellenlanger Artikel ist heute in der Zeitung …a netter Kerl is er aus Oberfranken aus Selb…da hab ich ihm gleich erzählt, dass du aus Coburg kommst und kommt bald heim … es is ja auch Kerwa!
Nee, nee, bin immerhin ein oberfränkisches Citygirl, auch wenn Coburg nur eine Kleinstadt ist. Die Tradition der Kerwa in meiner neuen Heimat ist mir auch nach zehn Jahren suspekt, wenn die Kerwasau (das ist der Besoffenste der letzten Kerwa) wieder zum Leben erweckt wird oder die Kerwa mit einem lebenden Ziegenbock ausgetanzt wird. Deshalb kommen wir auch erst am Montag aus der Bretagne zurück, wenn die Sau sozusagen schon im Delirium ist…
Wir genießen unsere Zeit, haben uns mit Wetter und den französischen Speisekarten gut arrangiert . Gestern haben wir wieder in unserem Fischrestaurant gegessen. Der Inscheniör hat sich extra eine App runtergelaufen, die binnen von einer Minute alles vom Französischen ins Deutsche übersetzt.

Da kommen dann so nette deutsche Übersetzungen raus wie:

Aber der Inscheniör wäre kein Inscheniör, wenn er nicht versuchen würde, Risiken zu minimieren. Für alle Fälle hat er noch eine erstklassige Französischlehrerin an der Hand, die fast rund um die Uhr für Notfälle der französischen Sprache zur Verfügung steht. Sollte diese nicht erreichbar sein, dann essen wir heute Abend halt Schlittschuhflügel mit Kapern! Mal ganz ehrlich, die gibt es zuhause nicht.
Also, Opa Adolf muss ich unbedingt irgendwann livel kennenlernen… Frag ihn mal, ob er die „Alfelder Musikanten“ kennt…
(Übrigens, nächstes Mal fahre ich mit nach Frankreich- mein LK Französisch war gewinnbringend und Speisekarten könnte ich noch gut entziffern…)
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