Willkommen bei den Sch‘ tis …

…war eine recht erfolgreiche französische Komödie, in der ein Postbeamter von der Provence in den Norden versetzt wurde. So fühle ich mich auch gerade. Es regnet, der Wind bläst erbarmungslos bei gefühlten einstelligen Temperaturen, ich verstehe kein Wort und das blöde Meer hat sich auch vom Acker gemacht. Nur seinen fischigen Geruch hat es dagelassen. 1400 km weit weg sind wir vom heimeligen Franken, wo die Temperaturen im komfortablen zweistelligen Bereich liegen.

Der Tag startet zwar windig, aber  unerwartet sonnig in Saint-Malo. Die trutzige Küstenstadt präsentiert stolz ihre Stadtmauer, die zugleich eine Wehranlage war. Die Bewohner agierten zu früheren Kriegszeiten nicht unclever, denn sie fühlten sich weder französisch noch bretonisch und hielten sich aus den Streitigkeiten raus – ein kleiner Zwergenstaat, wie Monaco sozusagen. Wurden in Kriegszeiten die zahlreichen Handelsrouten der Maloner abgeschnitten, so verlegten sie sich kurzerhand auf die Seeräuberei. Mit dieser Strategie waren sie lange erfolgreich. Das Ende nahte im 2. Weltkrieg als die Alliierten es zerstörten, da sich die Deutschen hinter den trutzigen Stadtmauern verschanzten.

Wir lassen uns zuerst von  Sonne und Wind  verwöhnen als wir auf der Stadtmauer einen kleinen Rundgang machen. Ein Regenbogen schmückt das Meer. Ein paar Hartgesottene probieren sich am Baden ohne Neoprenanzug. Doch das Wetter ist eine launige Diva und schickt  Regenschauer  vom Himmel. Eine Kirche bietet Unterschlupf. Die Hasi nervt, da wir ihr aufgrund der langen Reise, welches sie ohne Murren durchstand, ein Geschenk versprochen haben. Erst als sie einen Bleistift mit Anhänger und einen Edelstein in der Hand hält, dürfen ihre Eltern einen Kaffee trinken.

Danach geht es weiter nach Westen. Der Inschniör ist zufrieden, denn die Benzin- und Dieselpreise sind wie in der Heimat, die Preise im Supermarkt etwa 10 % Aufschlag, nur das Essen im Restaurant sind Halsabschneiderpreise. Es regnet immer wieder als wir über die fast leere Autobahn gleiten. Nachmittags erreichen wir unser Ziel in Carantec. Unser Campingplatz liegt an einem Meeresarm in der Nähe von Brest. Und da sitzen wir nun zwischen Wind und Watt… Mal schauen was die Tage so bringen…

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