Mach zu, sind die ersten liebevollen Worte, die der Inscheniör mir heute früh um 7 Uhr in dem hermetisch abgedunkelten Raum zu raunt, in dem sowohl die Hasi als auch die Klimaanlage friedlich vor sich hinschnorcheln. Geschlagene zweieinhalb Stunden später sind wir zum Aufbruch bereit und steigen in die deutsche Luxuskarosserie ein. Nieselregen und französische Chansons begleiten uns. Reine Sabotage, knurrt der Inscheniör bereits wenige hundert Meter später, das haben sie nicht im Griff! Er meint damit die französische Verkehrsführung zur Autobahnauffahrt, die uns kreiseln lässt. Die könnten da von der EU noch lernen , so fährt er fort, derweil eine rauchige Stimme lasziv von Liebe und mehr singt.

Unsere Fahrt auf der A 26 führt nach Amiens. Links und rechts säumen Kartoffelfelder unsren Weg im Schnürrlesregen. Der Inscheniör gibt sich inzwischen launig: Unser Porsche Diesel könnte sich hier austoben! Wir überqueren die Somme und sehen auf der rechten Seite einen Soldatenfriedhof. An der nächsten Ausfahrt bei Marcelcave fahren wir raus. Die Schlacht an der Somme fand vom 1. Juli 1916 bis irgendwann im November des selben Jahres statt. Gewonnen hat hier keiner und auf Menschlichkeit wurde wohl auch kein Wert gelegt: stupides Abschlachten von Deutschen, Franzosen und Engländern. Insgesamt wurden eine Millionen Menschen getötet.

Als nächstes besuchen wir ein fesch aufgemachtes australisches Kriegerdenkmal. Einige Australian Guys haben 1918 die Deutschen in Fouilloy gestoppt. Das alles ist schon 100 Jahre her und der Inscheniör vermisst an dieser Stelle die deutschen Gräber. Für mich gewinnt die Sammlung von Kriegsgräbern in Schulen an Bedeutung.
Auf der A 29 geht es weiter Richtung Le Havre und Caen. Wir sind in der Normandie und sehen endlich das Meer. Ein weiterer geschichtsträchtiger Ort heißt Bayeux. Da hatten die Deutschen im 2. Weltkrieg ihre Verteidigungslinien und Bunker. Die kann man heute noch besichtigen. Der Wind ist stürmisch und peitscht Regenwolken heran, so muss das Wetter am 6. Juni 1944 wohl auch gewesen sein. Wir stehen am Strandabschnitt mit dem Decknamen Sword und sind beeeindruckt von so viel Geschichte.

Abends sind wir endlich an unserem Zielort St. Malo in der Bretagne angelangt. Der Hafenort gibt sich lebhaft mit trutziger Stadtmauer. Und siehe da, schon wieder ein Karusell, das sich dreht… ein Zeichen?
