Bigroom Blitz

Das Thermometer zeigt 32 Grad als ich in Forchheim auf die A73 fahre. Ich bin unterwegs in meine Heimatstadt, wie so oft Dienstag Nachmittag. Natürlich möchte ich in erster Linie meine Mama besuchen, aber ich fahre auch deshalb, weil ich dort noch ins Fitnessstudio gehe. Mein Fitnessguru hat für mich den Stellenwert wie für die breite Masse Detlef D! Soost hat. Was er sagt, ist Gesetz! Ich schwänze nie mein Training, da bin ich zwanghaft. Wenn ich etwas tue, dann zu 100 % und ohne Rücksicht auf Temperaturen, selbst wenn diese über 30 Grad liegen.

Pünktlich um zehn vor sechs parke ich vorm Fitnessstudio ab. Gähnende Leere auf dem Parkplatz! Was für Weicheier! Andrea hinter den Tresen begrüßt mich freudig: du bist die Dritte beim Jumping! Ah, so denke ich, da findet der Kurs ja statt! Beschwingt betrete ich den Kursraum mit folgenden Worten: Ich bin die Dritte! Die zwei Jungs antworten mir desillusioniert: erst ab vier Teilnehmern… So leicht gebe ich nicht auf und wenn ich auf der Trainingsfläche, die Leute an den Haaren in den Kursraum zerren muss. Wir haben Glück, wie aus dem Nichts taucht eine Frau auf, die ich vorher noch nie hier gesehen habe. Dann kann es also losgehen?

Wo bleibt bloß der Fitnessguru? Kurz vor sechs betritt er in Schläppchen den Raum und ist bass erstaunt, dass er dort Freiwillige vorfindet. Ganz um uns besorgt mahnt er: Also bei 34 Grad ist eine high impact Stunde nicht gut für das Herz- Kreislauf-System. Was? Welche Worte entfleuchen da seinem Mund? Ist das der selbe Typ, der mir als Personaltrainer solche workouts zusammenstellt, die einem  Boot Camp gleichen. Seine Programme sind Muskelkater technisch gesehen so ausgefeilt, dass nur noch die Einheit „durch den Schlamm robben“ fehlt. Ich bin ja Lehrerin, habe folglich immer Recht und weiß alles besser: Temperaturen über 30 Grad sind super für Muskeln und Sehnen, da sind die richtig schön weich und dehnfähig, so belehre ich ihn. Die zwei Jungs nicken zustimmend. Nur bei einem Krafttraining, kontert der Fitnessguru, aber ihr habt es ja nicht anders gewollt! und macht die Musik an.

Zuerst schont er uns, doch nach vier Liedern ist er wieder ganz der Alte, hat die Temperaturen vergessen und fährt Scooter auf. Dieser auf jung getrimmte Typ mit den gelb gefärbten Haaren und Truthahnhals wäre wohl, wenn es DSDS nicht gäbe,  vollends in der Versenkung verschwunden. Seine schnellen beats eignen sich aber exzellent zum Hüpfen: twist – two on two – kick- side to side, round, jumping jack und so weiter. Der Puls steigt kontinuierlich an und die Farbe meine Birne. Ich spüre jeden Muskel in meinem Körper – vor allem in den Beinen- und die Temperaturen. Der Fitnessguru treibt jeden einzeln von uns vier persönlich an. Fehlt nur nur noch, dass er sich unter die Trampoline zwängt, um die maximale Kraftanstrengung aus der Maulwurfperspektive herauszukitzeln.  Aber wir haben es ja nicht anders gewollt. Bis kurz vor sieben heizt uns der Trainer ein. Als cool down legt er gemäß der Jahreszeit: es war Sommer auf. Ist das hier der Rausschmeißer oder was? So schnell bringst du mich nicht los. Schließlich sind meine Beine inzwischen Wackelpudding , Bindegewebe und diverse Fettpölsterchen jedoch optimal durchblutet. Gute Voraussetzungen in der nachfolgenden Zumba Stunde lasziv meinen kapitalen Hintern zu Salsa- und Merengeklängen zu wiegen. Das tue ich auch und verlasse um 20 Uhr glücklich und ausgepowert das Studio. Und ja es ist Sommer und ich fühle mich wie 16 oder zumindest wie 31.

 

2 Gedanken zu “Bigroom Blitz

  1. Avatar von Daggi M. Daggi M.

    Liebe Kathrin, eiserne Disziplin, Durchhaltevermögen, schweißtreibende Power und einen super Kreislauf hast du!!! Kompliment… Ich hätte wohl statt des Fitnessstudios lieber ein commodes Eiscafé in der tollen Coburger Innenstadt angesteuert und den warmen Sommerabend dort verbracht… Für das leider reichliche Hüftgold ein riesiger Fehler, aber für mein Herz-Kreislauf-System ein Segen !
    LG Daggi M.

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