Immer dienstags dringen Zither- und Gitarrenklänge an mein Ohr, denn da musiziert mein Schwiegervater, besser bekannt unter Opa Adolf, mit einem Freund. Erst fängt es moderat an bis schlussendlich das ganze Hause von den volkstümlich schmissigen Melodien ausgefüllt wird. Opa Adolf spielt Zither seitdem er sieben Jahre alt ist und das tut er leidendschaftlich. Wenn ich nicht mehr Zither spielen könnte, so vertraute er mir einmal an, dann könnten sie mich gleich in den Sarg legen. In seiner Heimat, irgendwo in der tiefsten Oberpfalz, war er der älteste von drei Geschwistern. Sein Vater, Bauer und geschäftstüchtiger Gastwirt hatte schnell raus, dass zu einer zünftigen Livemusik, die Gaststube ordentlich gefüllt ist und das Bier fließt. Der Vater heizte mit der Quetschn ein und der Sohn unterstützte ihn mit der Zither. Auch wenn das Üben und der Weg nach Schnaittenbach zum Zitherlehrer manchmal lästig war, so war diese Alternative immer noch besser als die anstrengende Feldarbeit.
Nachdem Opa Adolf auf der Landwirtschaftsschule in München Stadtluft geschnuppert hatte, wollte er nicht mehr zurück in die oberpfälzische Provinz. Zu eng schienen ihm die Zukunftspläne, die sein Vater für ihn gedacht hatte, nämlich den Hof und die Wirtschaft zu erben und im Landwirtschaftsblattla eine heiratswillige Bäuerin zu finden. Nur mit einer Persilschachtel machte sich Adolf auf nach Mannheim, um eine Schlosserlehre bei Lanz anzufangen. Traktoren waren ihm schließlich vertraut. Auch zu dieser Zeit kam ihm die Musik zugute, so verdiente er sich mit Zitherspielen und als Rausschmeißer, Kost und Logie in einer zwielichtigen Kneipe. Er ist aber bald sesshaft geworden, als er beim Ausschank auf der Eschenauer Kerwa im Gasthaus seiner Verwandtschaft, einem sauberen Madla begegnete. Dieses war Oma Luisegunde.
Ehrgeiz und Musik sind Opa Adolfs Motor im Leben. Für die Familie blieb wohl nicht viel Zeit. Bis zum Betriebswirt bei Philipps hat er es geschafft, als Gemeinderat war er tätig und Musik hat ihn immer begleitet: in verschiedenen Bands, im Männergesangsverein, bei Festen und in gehobeneneren Restaurants. Manchmal ist er mit seiner Stubnmusi in Bayern 1 zu hören. Da dreht Oma Luisegunde gerne lauter und ruft: Adolf, komm a mal her!
Opas 85. Geburtstag haben wir groß gefeiert beim Krämer, wo er damals bei Kerwa ausgeholfen und Luisegunde kennen gelernt hat. Als highlight hat dann der Eschenauer Männergesangsverein ein besonders Ständchen vorgetragen, nämlich das Eckentallied. Das hat Adolf in den 70ern selbst getextet und komponiert. Als dieses zusätzlich untermalt mit Quetschn den Saal mit seiner Melodie ausfüllt, sehe ich wie Opa Adolfs Augen vor Rührung schwitzen. Wie kleine Rinnsale läuft es seine Backen herunter. Und auch meine Augen beginnen ein bisschen zu schwitzen, weil ich denke wie schön muss es doch sein, wenn in einem eine Leidenschaft bis ins hohe Alter brennt.
Wunderschön geschrieben- rührend, liebe Kathrin… Du magst und schätzt deine Schwiegereltern, das finde ich sehr bemerkenswert… Opa Adolf und Oma Luisegunde sind wahrscheinlich zwei Pfundskerle- schade, dass ich sie nicht kenne…
Weiterhin alles Gute für die Beiden und weiterhin viele, viele schöne Musikklänge in euerem Haus…
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Kleiner Nachtrag-ich finde es bemerkenswert, dass du dich SO gut mit deinen Schwiegereltern verstehst… Sie sind für dich ähnlich wie Eltern… Das ist so schön…
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