Autobahn rauf, Autobahn runter, A 3 Richtung Regensburg, A 6 Richtung Tschechien… Hilfe, wo muss ich hin? Beinahe wünsche ich mir Fahrlehrer und Pensionär Sigi an meine Seite. Ich bin auf dem Weg zu Claras erstem home date, zu Henry, der fast in der oberpfälzischen Pampa wohnt. Seit gestern schreibt sie ihm bereits über WhatsApp. Das ist eigentlich schon einer kleinen Liebeserklärung gleichzusetzen, da Buchstaben und Lesen nicht so ihr Ding sind. Clara mag eher die Zahlen, da gleicht sie ihrem Vater, dem Ingenieur. Ganz wie ihre Mutter ist meine Tochter jedoch nicht unclever. Da Clara weiß, dass Henry nix von Prinzessinnen und Einhorn Smilies hält, schickt sie ihm vorab Adler, Eule, und Spinne mit Netz, selbstredend ganz in grau gehalten.
Schüs Hery Bis muge
Heute muge früh um 7 kuscheln wir zu viert im Bett. Den Ingenieur haben wir schon zur Arbeit geschickt. Sowohl für die zwei Katzen Cindy und Costa als auch für Clara und mich ist die Welt in Ordnung. Wir räkeln uns, das Sonnenlicht fällt auf unsere Bettdecke. Ich kraule Clara zärtlich den Rücken und frage sie: „Na, freust dich auf Henry?“ „Ist er wohl richtig faliebt in dich?“ sinniere ich weiter. Meine Tochter gibt sich selbstbewusst: „Er schaut mich immer zu an und redet mit mir am meisten. Er hat zu mir gessagt, dass ich seine beste Freundin bin.“ Schmunzelnd denke ich: „Mein kleines Mädchen, wenn das dein Schwarm mal in 10 Jahren zu dir sagen sollte, dann trittst du ihn kräftig ans Schienbein und schaust, dass du möglichst schnell Land gewinnst…“ „Ich bin auch sein bester Freund“, fährt Clara weiter fort. In ihrem Alter sind Freundschaften noch unbekümmert.
„Mama? Als du noch ein Kind warst, war da auch jemand mal in dich faliebt?“
„Ja, der hieß Oli. Der hat mich mal angerufen und ins Telefon geplärrt: I love you, you love me. Let us make a Family!“
„Und was hast du dann gemacht, Mama?“
„Ich hab den Hörer aufgelegt“!
Das Anziehen und Waschen geht an diesem Morgen ungewöhnlich schnell. Ich kann meiner Tochter sogar ohne großartiges Gemotze noch eine zehnminütige Leseeinheit abringen. Pünktlich machen wir uns Richtung Oberpfalz auf den Weg. Trotz Irrungen und Wirrungen finde ich den Weg. Als Henry uns die Tür aufmacht, leuchten seine Augen auf. Clara ist sofort ums Eck mit ihm. So muss es sein! Ich inspiziere noch Haus, Umgebung und die Eltern, finde nix Bedenkliches und mache mich wieder auf den Nachhauseweg.
Als ich meine Tochter abhole, hat sie sich versteckt und ich muss sie 10 min suchen. Als ich Clara endlich finde, schaut mich ein bockiges Gesicht an. Sie will unbedingt bei Henry übernachten und ich Spaßbremse hab ihr die Tour vermasselt. Bis ich das Wohlstandstöchterlein im Auto habe, muss ich mich vor Henrys Mama etliche Male fremdschämen.
Ich suche Sarah Connor auf dem USB Stick.. mit all deinen Farben, wie schön du bist ..schubidu…In Ihrem Gesicht ist grade nix schön, zornig und hochrot mit Tränen in den Augen funkelt sie mich an. Wenn Blicke töten könnten. Ich versuche ruhig zu bleiben: „Was habt ihr denn gespielt?“ „Dies und das.“, antwortet meine Tochter kryptisch. „Und was gab es zu essen?“ „Nudeln mit ekliger Soße und Karotten, bäh!“ In mir steigt auch Ärger hoch, sogar ziemlicher. Zwei Stunden war ich als Chauffeusse für die Madame unterwegs. Als ich zuhause ankomme, ploppt eine Whatsapp von Henrys Mama auf :
Clara hat für nächstes Mal schon Gnocchis bestellt 😂
Ich schwör es wird kein nächstes Mal geben. Ich hab auf der Rückfahrt nämlich einen neuen Tauschparkplatz mit Klo und passendem Namen entdeckt…

Supersüß!!! Henry wird vielleicht doch mal dein Schwiegersohn😍…
(Ach, guck doch mal, ob es in der Nähe von Henrys Wohnort ne Einkaufspassage mit schicken Boutiquen gibt… Clara wäre dir dankbar😜… )
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