Spätlese – Lieder, die du gerne hörst, …

…aber du dich nicht traust das zuzugeben!

Ich bin ja ein Kind der 70er und was glaubt ihr, was ich da mit der Muttermilch aufgesogen bekommen habe? Na klar: den deutschen Schlager! Das läuft nach dem Muster der frühkindlichen Prägung in den ersten Monaten deines Lebens, verknüpft sich mit den Synapsen in deinen Hirnwindungen und ist zeitlebens verankert.

Bei meiner ersten bewussten Begegnung und der damit verbundenen Schwärmerei, war ich vier Jahre alt. Wenn mein Vater von der Arbeit heimkam, hatten wir das Spiel entdeckt, dass ich mich auf seinen Fuß setzte. Er tat dann immer so, als würde er das nicht bemerken und seufzte dabei: Mann, was ist denn da so schwer! Darüber freute ich mich sehr und auch über Rex Gildo mit seinem schmissigen „Hossa! Hossa! „

Ein paar Jahre später gehörte in meiner Kindheit die Hitparade mit Dieter Thomas Heck zu den TV Highlights in meinem Leben. Hier musste ich schon früh erfahren, dass das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken war. „Tränen lügen nicht“, „eine neue Liebe, ist wie ein neues Leben“, „dabei liebe ich euch beide“, „ein bisschen Frieden“… Somit waren die wichtigsten Überschriften schon abgehakt: Liebe, Trauer, Beschiss und Krieg!

Dann verschwand der Schlager von der Bildfläche für ca. 15 Jahren, wenn man nicht gerade zu den Vokuhilas gehörte und in Dorfdiscos zu Wolle Petry gröhlte. Das Revival fand Mitte der 90er statt mit Guildo Horn, der alle lieb hatte und dem Eurovision Songcontest. Endlich gab es wieder Schlagerparties und man musste sich nicht schämen. In unserer WG haben wir regelmäßig Karaoke gemacht. Legendär der Auftritt von meiner Freundin K. zu diesem Zeitpunkt schwanger und bis heute alleinerziehend mit „ein Schiff wird kommen“. Auch konnte man die einfachen Liedtexte gut umdichten. Der Vater meines Patenkindes,  der meist schon am Kreisel Süd meiner Heimatstadt auf dem Weg in den Urlaub anhalten musste, besangen die anderen Mitfahrer fröhlich „Auf der Straße nach Wissi Wissi“ zu der Melodie von Mendocino.

Meine Schlager CD von BILD hörte ich nach Bayreuth rauf und runter. Freddy Quinns Heimweh entsprach meiner Seelenlage: “ viele Jahre schwere Fron, harte Arbeit, karger Lohn“ Auch bot sich in manchen einsamen Nächten Roland Kaiser an: „manchmal möchte ich schon mit dir, diesen unerlaubten Weg zu Ende gehen …“

Die Jahre bis zur Geburt Claras hörte ich Schlager und diverse Auswüchse heimlich. Mit Clara konnte ich meiner Leidenschaft auf Kinderfasching wieder frönen. Mensch, so ein schöner Tag. Irgendwann kam auch Helene und selbst hartgesottene Männer konnten ihre weiche Seiten zeigen. Ich werde nie vergessen unseren Urlaub in der Toskana. Der Ingenieur und ich waren auf dem Weg nach Bolgheri, auf dem Rücksitz sein bester Freund und Beichtkamerad mit Gattin. Der Beichtkamerad E. gibt sich gerne mal pickelhart, aber so in der toskanischen Sonne -weingefüllt wie eine Amphore- sangen wir alle im Chor: Ich will immer wieder dieses Fieber spürn! E. sang am lautesten!

Clara und ich lieben zur Zeit Sarah Connor. Wurscht, dass die fünffach Mutti den Text der deutschen Nationalhymne nicht fehlerfrei wiedergeben konnte. „Wie schön du bist“ nudelt bei uns beiden auf dem Weg in ihre Schule rauf und runter. Ihre zwei Klassen- und Fahrgemeinschaftskameraden halten sich bereits die Ohren zu. Ist uns aber voll Banane, wenn wir den Text auswendig mitsingen!

Und jetzt schreibt mir doch, was ist euer schönster Schlager?

Ein Gedanke zu “Spätlese – Lieder, die du gerne hörst, …

  1. Avatar von Daggi M. Daggi M.

    Genial, man findet sich teilweise wieder, so mit dem Schämen und so…
    Mein lustigster Schlager ist das „Knallrote Gummiboot“ (von wem, weiß ich nicht) und meine Tochter Yala und ich fanden Helenes “ Atemlos“ mal total genial…
    Zur Zeit bin ich aber voll auf „Shape of YouTube“ gepolt, das krasse Gegenteil… Ob ich mal wieder eine Schlagerphase bekomme?

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