Der Wind kommt heute morgen pünktlich um 7 Uhr mit den Arbeitern des Coburger Entsorgungsbetriebes. Meine Mutter, ganz Kompaniechefin der Wegwerftruppe steht schon Gewehr bei Fuß, um zu beobachten, ob der ganze Sperrmüll seinen Weg auf die Fahrzeuge findet.
„…der uns weitertreibt…“
Meine Tochter Clara sitzt hinter den geschlossenen Gardinen auf dem Fensterbrett meines alten Kinderzimmers und weint angesichts dieses geschäftigen Treibens, denn sie gehört zur Aufhebetruppe.
„…irgendwo hin, wo keine Erinnerung bleibt.“
Ich komme erst hinzu als die Aktion beendet ist und ich nur noch die Rücklichter des Fahrzeuges sehe. Kleine verschonte Holz- und Papierschnipsel tanzen auf dem Asphalt im Wind.
„An jene Zeit, die uns glücklich sah…“
Meine Mutter ist zufrieden mit dem vollbrachten Werk und damit, dass die Arbeiter des CEBs sie gelobt haben. Ganz nach Vorschrift habe sie Plastik und Holz getrennt!
„…nüchtern und klar zu jedem Opfer bereit.“
Vormittags besuchen wir das Grab meines Vaters. Es ist nur eine schlichte Steinplatte mit seinem Namen und das Geburtstag- und das Sterbejahr. Ich habe drei Steinherzen dabei, Clara eine kleine schwarze Schleichkatze und meine Mutter ein kleines Töpfchen mit einem Frühlingsblümchen. Meine Tochter arrangiert Herzen, Blumentopf und Katze auf dem Grab.
„Meine Seele ist irgendwie hängen geblieben. Mein Körper ist alt und verwohnt. Die Sterne wärmen den Himmel nicht mehr und eiskalt ist der Mond.“
Inzwischen ist es Mittag geworden. Ganz nach Claras Gusto gibt es „verlorene Eier mit Stampf“. Das Mittagessen passt zu meiner Stimmung. Danach brechen wir beide auf nach Hause. Der Wind weht weiterhin stark und die Seitenböen auf der Autobahn lassen meinen Mini wackeln.
„Versuch doch noch einmal mich umzudrehen und dann geh schnell von hier fort.“
Fast vom Winde verweht parke ich am frühen Nachmittag auf unserem Hof ab. Der Kater kommt miauend aus dem Garten auf uns zugelaufen und fordert seine Streicheleinheiten. Ich bin gerade sehr froh einen Abstand von 100 km zu meiner Heimatstadt zu haben.
„Im Garten der Liebe hab ich Träume vergraben, die holt da keiner mehr raus.“
Liebe Kathrin,
Ich habe Tränen in den Augen… Mehr kann ich jetzt nicht schreiben… Es tat mir beim Lesen mein Herz weh, ich glaube, heute ist nicht mein Tag…
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