Geh ich Aldi, kauf ich Brot!

Meine Tochter Clara kam letzten Freitag nach Hause und erzählte mir mit erhobenem Zeigefinger, dass der Adam in ihrer Klasse schon ein Handy hätte. Deshalb möchte sie zu ihrem 7. Geburtstag, neben einem i pad und zwei Ponys, ein i phone haben. Das geht pädagogisch gesehen natürlich überhaupt nicht. Außerdem besucht Clara eine Montessori Schule und die ist echt mittelschichtslastig, geht also zweimal nicht! Dann überlegte ich weiter, was der Mitschüler namens Adam wohl für einer ist …

Und mir fiel einer meiner Schüler namens Adam ein, ein potenzieller Sargnagel, als ich noch in meiner Heimatstadt als Lehrerin tätig war! Adam war ungebremst, täglich voller Tatendrang und immer auf der Balz. Der Lernstoff fand damals nicht oft den Eingang in die Hirnwindungen. Sein Vater war immer sehr bemüht, den Sohnemann auf Spur zu bringen. Ich sehe noch seinen besorgten Blick vor mir, wenn er in unserem kleinen Lehrerzimmer in einem der Ikea Schwingsessel saß und fragte: „Was macht Adam so?“ „Ähm“, diplomatisch nach Worten suchend kamen mir verschiedene Situationen des schulischen Alltags mit Adam in den Sinn.

Adam knutschend und mehr im Relaxraum mit diversen Schulschönheiten und meiner Angst, dass eines Tages ein Schulbaby herauskam und ich wegen Vernachlässigung der Aufsichtspflicht angezeigt werde.

Adam, der nachts im Schullandheim wegen Ruhestörung Gedichte abschreiben und lernen musste, aber das mit Leichtigkeit wegsteckte.Stattdessen war das Lehrpersonal nach fünf Tagen mürbe,  weil jener nach maximal vier Stunden Schlaf bereits früh um sechs wieder munter duschte und so die gesamte Belegschaft aufweckte.

An einem Vormittag wollte ich meiner Klasse und natürlich Adam eine Kurzgeschichte der deutschen Nachkriegszeit präsentieren: Das Brot von Wolfgang Borchert. Fächerübergreifend zu Geschichte versuchte ich didaktisch- methodisch alles um die Stimmung und die Gefühle des Ehepaares in der Küche zu vermitteln. Der Mann,  der Hunger hatte und sich heimlich eine Scheibe Brot abgeschnitten hatte. Die Frau, die die Lüge bemerkte und aus Liebe diese nicht aufdeckte…Ich bot das ganze Programm meines pädagogischen Könnens auf, wollte die Stundenerkenntnis aus meinen Schülern kitzeln. Da endlich eine Wortmeldung! „Adam!“ „Was wolln Sie Frau Mense? Geh ich Aldi, kauf ich Brot!“

Gut, aus Adam ist schlussendlich kein Weltpoet geworden. Er hat aber seinen Schulabschluss geschafft und auch seine Lehre. Inzwischen ist Adam ein sehr ansehnlicher Mann geworden. Letztes Jahr hat er mir nachts  im Suff per Whatsapp eine Sprachnachricht mit folgendem Inhalt geschickt: Ich wollte Ihnen nur noch sagen, dass sie die beste Lehrerin der Welt für mich warn. Hab Sie ganz doll lieb. H.d.g.d.d.l…..

Na, da haben sich meine Mühungen doch voll gelohnt!

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