
Meine Frau ist die Lehrerin und Schriftstellerin, ich bin der Ingenieur und der Praktiker.
In den Kurzgeschichten der Frau Lehrerin komme ich als der Ingenieur nicht immer gut weg, daran habe ich mich gewöhnt.
Ihr letzter Beitrag „Des Mannes liebstes Spielzeug“ hat mich dann dazu inspiriert einen kleinen Gastbeitrag zu verfassen, denn es reduziert sich nicht alles auf die Länge.
Es regnet, ich habe schlimmen Männerschnupfen und es ist mir langweilig, also kann man ja auch mal was schreiben… oder?
Die Frau Lehrerin meinte noch, dass ich doch nicht schreiben kann, da mag sie recht haben. Ich kann ja auch nicht Fußball spielen und bin trotzdem als Jugendlicher fast jeden Tag zur Schulwiese gegangen um dort Fußball zu spielen, es machte mir einfach Spaß. Bei der Tip Top Mannschaftwahl kam ich zusammen mit Owing meistens als Letzter zu einer Mannschaft. Nein, damals brauchte man dafür keinen Psychiater, das machte einen stärker und formte das Rückgrat.
An einem dieser Tage kann ich mich in 3D Farbe und Stereo erinnern. Der kleine Schnickse gab die Mannschaftsaufstellung bekannt „der Ingenieur geht mit mir in den Sturm, das erwartet kein Mensch“, genau so war es und wir siegten haushoch, gefühlte 3-mal habe ich persönlich den Ball über die Torlinie gekickt. Keiner wird sich an diesen Tag erinnern können, für mich war es die gewonnene Fußballweltmeisterschaft.
Nahtlos ging meine Fußball Karriere in meine Grillkarriere über.
Eine männliche Grillkarriere beginnt bei den ersten Klassenfeiern, Geburtstagen, Abenden bei einem Bier, im JUZ, auf dem Brenner nach Italien, am Lagerfeuer… dies diente in erster Linie der Nahrungsaufnahme und der Romantik am Feuer.
Gegrillt wurde auf Alu Einweggrills von der Tanke, auf verzinkten Fußabstreifern, über verrostete Ölfässern samt Heizöl, über Lagerfeuern unbestimmter Brennmaterialien… Der erste Grill der seinem Namen Ehre machte, war ein 30 DM Teil vom Obi, den einzigen Baumarkt in der großen Stadt.
Die Ansprüche stiegen, man wollte auch mal nicht nur Fleisch, sondern auch mal Fisch grillen, war ja exotisch genug, so kam der erste Weber Kugelgrill ins Haus. Auch nur deswegen Weber, weil ich meinen dreistelligen Lottogewinn nachhaltig investieren wollte, mit Erfolg, sieben Jahre hat er mich begleitet bevor er durchgerostet war. Die Frauen brachten dann Grünzeugs und Gemüse auf den Grill, dies forderte den ganzen Griller, der ja die Hauptlast und Verantwortung für einen gelungenen Abend trägt.
Mann wurde bequemer, der Bedarf an unterschiedlichen Grillzonen für Fleisch und Shrimps wurde laut, ggf mal räuchern, also nur so, dass man es könnte. So fand der Weber Q300 Gasgrill zu mir. Ein Winter Einkaufsschnäppchen -3% Liste, in den USA für die Hälfte zu bekommen, aber top schick. Die Anfeindungen der Grillfreunde gewiss, liebte ich auf Anhieb meinen Grill, wohl der erste Gasgrill in ganz Eckental. Das nachgesagte nicht vorhandene Raucharoma des Gasgrills ging mir nie ab, aber dazu später mehr. Die Weber Grillbibel führte mich auf dem rechten Weg. Tipps und Tricks, Fleischkunde, Rollbraten, Truthahne, Fischschwärme, Soßen, linksdrehende Soßen, scharfe Soßen, Spieße, Schäufele mit Kloß, wären möglich gewesen. Ich bin jedoch am ersten vielversprechenden Rezept, natürlich unter Berücksichtigung der optimalen Aufwand / Nutzen Analyse, hängen geblieben – der Burger.
Dieses Weber Rezept wurde dann unter Zuhilfenahme sämtlicher Messgrößen wie Temperatur (scharf anbraten), Auswahl der Zutaten (irisches oder US Rind), Witterung (bei Regen gelingt der beste Burger), Hunger / Durst der Gäste… über Jahre optimiert. Gemäß Weber gab es dann natürlich auch Fisch und alles an Steaks. Wie empfohlen scharf angebraten, was auch immer damit gemeint ist und warum dies einen Einfluss auf den Geschmack haben könnte, das blieb die Weber Bibel mir schuldig.
Wohl war meine Grillkunst ganz brauchbar, da die ersten Vorurteile gegen das Unbekannte sich legten, jedoch nie ganz verstummten.
Der Q300, wie auch ich, kam in die Jahre und eine Neuanschaffung stand bevor. Diese sollte gründlich überdacht und technisch fundiert sein.
Gas oder Kohle? Was heißen soll, jeder soll den Grill benutzen, den er für seine Anwendungen als den besten sieht. Raucharomen stehen für den Kohlegrill, fehlen mir die, was hat denn Weber darüber geschrieben, was denkt man als Ingenieur darüber? Das Raucharoma ist den Verbrennungs- / Vergasungs- Abgasen der Kohle geschuldet. Zumindest in Deutschland sollen die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden, einer meiner früheren Leidenschaften. Auch der Diesel PKW soll demnächst, zumindest in Deutschland, ausgedient haben, ich werde jedoch weiterhin überzeugter Diesel PKW Fan bleiben.
Mir klingt noch der Bibelvers scharfes anbraten in den Ohren, dies soll bei deutlich über 700 Grad erfolgen, Kohle schafft um 500 Grad ein normaler Gasgrill um 300 – 400. Nur gut, dass ein ausgewanderter Deutscher in Kanada die Sizzle Zone serienreif auf den Markt gebracht hat, mit den gewichtigen Markennamen Napoleon.
Diesem ehrwürdigen Napoleon habe ich bei meinem Kumpel, nennen wir Ihn Angus, bei der alljährlichen AC/DC Konvention gegenübergestanden. Das Ende des sich bildeten Regenbogens wies mir den Weg zur Sizzle Zone, nüchtern betrachtet ein Zeichen Gottes. Da an diesem Abend lediglich AC/DC bis zum Abwinken auf dem Programm stand, gab es nur Grillbratwürste, wie früher eben zur Nahrungsaufnahme, somit durfte ich heute nur gucken nicht anfassen. Der stattliche 100 kg Angus und sein nicht minder leichterer Grill-Porsche, sind die optimale Symbiose aus weltmännischer Erfahrung und unbezahlbarer Bauernschläue. Wie beim Angus, steht auch bei mir bereits ein echter Porsche in der Garage, Bauernschläue wurde uns in die Wiege gelegt. 100 kg bringe ich jedoch nicht auf die Waage, was die Wahl zu einem etwas filigranerem outdoor Küchen Grillsystem nahelegt. Grill und Grillmeister sollten doch harmonieren, denke ich.
Bei Weber konnte ich keine Sizzle Zone finden, Der Broil King auch aus Kanada ist der Zwilling vom Napoleon. Über Baumarktqualität spricht man mit 50+ nicht mehr. Unterm Strich habe ich mich dann für den Rösle, zum 140-jährigen Rössle Jubiläum, G4-S entschieden, zumindest engineered in Germany, ein Sondermodel, klar.
First Fire, wie damals ein bewegendes Ereignis, nur ohne Synchronisierung, Gänsehaut pur. Vor Aufregung vergesse ich Bilder für die Nachwelt und Nachruf zu schießen, mein Hirn geht die Garzeiten in Abhängigkeit der Materialstärke und Durchwärmen der Frischdampfleitungen und Ventile durch…, halt die Dampfturbinen sollen ja alle abgeschaltet werden, konzentrier dich, je 2 Minuten bei 800 Grad, dann Kerntemperatur, dann durchgaren auf 150 indirekt….
Es ist vollbracht, hier liegt mein bestes Hamburgerteil mit Röstaroma vom geröstetem Fleisch, welches erst jenseits der 700 Grad direkt an der Fleischoberfläche entsteht. Der Geschmack anfänglich ganz ohne Grillsoßen, nur Fleisch, die Wucht, das nennen ich eine kohlehydratfreie Ernährung!
Selbiges mit dem Rind 4 cm stark und Röstaromen bis in die letzte Pore. Die nächsten sieben Jahre muss natürlich weiter optimiert werden, viele Schichten am Grill, demnächst mit feuerfesten Grillhandschuhen, müssen gefahren werden – der Weg ist das Ziel.
Frau Lehrerin hat nichts zu motzen und schenkt sich genüsslich noch einen roten Tropfen in ihr Glas, dies kommt der höchsten jemals vergebenen Auszeichnung nahe.
Wer hat hier nun was verlängert?














Und jetzt du olle Helicoptermuddi, jetzt mach dir mal ein paar gute Gedanken, insistiere ich bei Pilates zwischen der Katz- und Kuhübung, Hartmut hat seinen Laden bis Freitag voll im Griff, da sind Rettungswesten voll überflüssig!