„Wissen Sie was Kaktus LSD ist?“, so fragt mich meine aufgeweckte Blondine. Ich kann gar nicht so schnell wissend gucken als dass es weiter aus ihr sprudelt. „Das ist 50 mal stärker als normales LSD. Und man muss sich eine Woche lang vorher mit Salat und Wasser darauf vorbereiten. Bei der nature one Mission hat einer drei Wochen darauf durchgetanzt.“ Was ist nature one?“, flüstere ich der deutlich jüngeren Kollegin neben mir zu. Ich erfahre, dass dies ein dreitägiges Technofestival ist. „Aber das ging doch nur drei Tage“, so schlage ich wieder meinen souveränen Lehrerton an, „Was hat der dann die restlichen 2,5 Wochen gemacht?“ Blondie gibt sich nicht so schnell geschlagen: „Na, der ASB feierte mit ihm noch die 2,5 Wochen durch, weil sie ihn nicht rausholen konnten!
Ich beneide denjenigen fast: Tanzen bis zum Abwinken in liebevoll-fürsorglicher Obhut! Das Leben im Januar kann unerträglich sein. Allein durch die täglichen Schlagzeilen der Presse komme ich in Kaktus-Laune: Katholiken explodieren im Gottesdienst – Mann (35) sticht Frau (33) nach Streit im Bus mit Stift ins Auge und die meisten Patienten lügen ihren Arzt an. Wie oft trinken Sie Alkohol, ist eine beliebte Frage beim Anamnese Fragebogen, den man im Wartezimmer ausfüllen muss. Ich kreuze da immer gelegentlich an.
Aber im Januar bin ich voller guter Vorsätze! Er sollte dry sein (also vielleicht maximal mal gelegentlich) und 2019 wird das gesündeste Jahr in meinem Leben. Unterstützt werde ich von Ernährungspapst Dr. Riedle, eine furztrockne Spaßbremse um die 50 mit randloser Brille. Ich wässere gründlich die Chiasamen, der Darm freut sich auf das ungezuckerte Dinkelvollkornporridge mit Birne. Die liebevoll zubereitete Rote-Beete Suppe ist dem Inscheniör zu rot und die Birnen liegen ihm unverdaut im Magen. „Heute vorm Spiegel habe ich von der Seite fast ein Sixpack gehabt wie der Superman aus dem Dschungel“, erzählt er mir betont beiläufig. Frau (49) steinigt Superman (53) am miracle morning mit unverdauten Birnen, so könnte die nächste Schlagzeile morgen heißen.
Wenigstens ist die Hasi zur Zeit sehr fürsorglich, fast empathisch, möchte ich meinen, und macht ihrer dünnhäutigen Mama nur wenig Probleme. Sie geht mit mir sogar zum Einkaufen, damit ich das super food, welches meinen mittelalten Stoffwechsel auf Turbo bringen soll, auch tragen kann. Vor dem Laden haben sich die ortsansässigen Grünen versammelt und werben im Biene Maja Faschingskostüm für die Artenvielfalt. Die grüne Badeente ist umsonst.

Die Hasi ist sehr besorgt: “ Wo verstecken wir denn die Ente vorm Papa? Er wird sauer sein, wenn wir die mitnehmen.“ „Ach, Hasi“, so gebe ich mich diplomatisch, „der Papa ist doch im Grunde seines Herzens ein alter Grüner“. Ich meine das im vollen Ernst. Der Inscheniör hat im ganzen Haus Lichtschranken eingebaut und es geht immer dann das Licht aus, wenn ich mich nicht mehr bewege. Und daraufhin muss ich wild mit den Armen rudern wie eine Windmühle, damit ich nicht mehr im Finstern sitze. Also, wenn das nicht grün ist?
Selbstbewusst stelle ich die Badeente auf das Küchenregal. Von dorten lacht sie mich beim Kochen an und schaut mir milde über die Schulter als ich das Curry- Gemüse- Quinoa zubereite. „Hm!“, gibt der Inscheniör von sich, als er den ersten Bissen zu sich nimmt. „Was, hm?“, ich schaue ihn argwöhnisch an. „Es fehlt die Sahne, damit es etwas flüssiger wird!“, so erwidert er meinem Blick standhaft. Nach geschätzten 180 kcal von 420 gibt er auf. „Ist mir zuviel“ und macht sich auf den Rest seinen Eltern runterzutragen. Oma und Opa gehören noch zur Kriegsgeneration, die essen alles, da wird nix weggeworfen.
Ich atme ruhig ein und aus, als ich die Erbsen in meinem Gemüse- Curry zähle. Ich glaube, ich frage Blondie morgen mal unauffällig aus, wie das ist mit einer Woche Salat und anschließend Kaktus. Das hat auch eindeutig was Grünes oder etwa nicht?









