An einem Sonntag im April


Heute ist es soweit. Fahrlehrer Sigi hat ganze Arbeit geleistet. Meine Mutter kommt heute das erste Mal allein mit dem Auto zu uns gefahren. Schon im Vorfeld habe ich wie ein Mantra auswendig gepredigt : A 73 –  Ausfahrt Baiersdorf, rechts ab, erst Richtung Forchheim, dann rechts Kersbach. Unsere Telefonate die letzte Woche beschränkten sich ausschließlich auf die Wegbeschreibung: rechts rum, links rum, in Kersbach, um Kersbach und um Kersbach herum. Es hatte schon ohrwurmartigen Charakter.

Früh um 9 Uhr will meine Mutter losfahren. Um 9.45 Uhr erhalte ich ihren ersten Anruf. Sie ist irgendwo in Forchheim  gestrandet. Ich versuche telefonisch zu helfen: rechts rum, dann links KERSBACH!!! Ich hoffe das Beste. 10 Minuten später erfolgt  ein weiterer Anruf: Ich bin in Hausen! Gebetsmühlenartig wiederhole ich meine Worte: wenden, dann links K-E-R-S-B-A-C-H!!!! Ich bin in Panik, nicht dass sie aufgibt und der ganze Aufwand umsonst ist! Muss ich die gelben Engel oder die grünen Retter anrufen? Vor meinem geistigen Auge formieren sich Hubschrauber, Spürhunde und die Durchsage auf Bayern Eins: Seit Sonntag, dem 2. April wird die 75 jährige Karin F. aus C. vermisst. Vermutlich irrt sie desorientiert im Raum Forchheim umher… 

Eine halbe Stunde später biegt meine Mutter in unserem Hof. Sie hat es geschafft. Ich bin sau stolz auf sie. Eine wahre Kämpfernatur ist sie. Wir verbringen einen schönen Tag miteinander und ich biete ihr an,  auf dem Nachhauseweg bis zum Nadelöhr Kersbach, Auffahrt Baiersdorf vorzufahren. Soweit alles klar! Meine Mutter packt ihre plakatgroßen Wegbeschreibungen wieder ein und ich erzähle noch ein letztes Mal mein Mantra: Kersbach links, dann wieder links Auffahrt Beiersdorf A 73.

Als ich die Strecke nach Baiersdorf fahre höre ich meinen Lieblingssänger seit fast 30 Jahren: Eine Rennbahn halb im Schlamm versunken, ein alter Hase vom Verlieren betrunken… an einem Sonntag im April. Ich sinniere beim Fahren, lasse die grünen Wiesen, Büsche und die ersten Blüten auf mein Auge und Geist wirken. Wie schnell der Frühling doch das Kommando übernommen hat. Es fängt das Schauern an, ein Aprilregen halt. Ein Wind, der immer neuen Regen brachte. Ein alter Hase, der verlegen lachte und ein Gefühl der Befreiung… Auch bei mir hat der Frühling das Kommando übernommen. Ich bin nicht mehr so traurig, meine Überschriften sind in die Ferne gerückt. Auch meine Mutter hat wieder einen Schritt vorwärts gemacht. 

Huch! Vor lauter Gedanken hätte ich fast die Abbiegung Kersbach links verpasst. Ok! Konzentration: Muttern ist dicht hinter dir, jetzt kann eigentlich nichts mehr schief gehen: 2 km über die Brücke, dann links Richtung A 73.  Ich schaue in den Rückspiegel, setze links den Blinker und sehe mit Entsetzen wie meine Mutter RECHTS abbiegt, diese dusselige Kuh! Sobald ich kann, wende ich und nehme die Verfolgung auf. Doch vergeblich, sie ist mir entschwunden und logischerweise hat sie auch ihr Handy aus. Unverrichteter Dinge fahre ich nach Hause und setze mich wartend vor das Telefon. Gefühlte Stunden später erfolgt der erlösende Anruf. Sie ist etwas kleinlaut, was bei meiner Mutter selten vorkommt, weil sie in die andere Richtung gefahren ist. Ich kann ihr natürlich nicht böse sein, Stolz und Erleichterung überwiegen. Am meisten freue ich mich als sie sagt: Mir hat das Fahren richtig Spaß gemacht. Dann bis zum nächsten Mal, an einem Sonntag im April.



Die Sonne bringt es an den Tag

 

Ich sag ja nicht erst seit heute: Frau zu sein ist schlimmer als Landwirt zu sein. Ständig muss man sein Feld beackern, zupfen und in Form bringen. Besonders nach dem Winter, bringt der erste intensivere Sonnenschein verbunden mit Temperaturen um 15 Grad , das ganze Grauen ungeschönt ans Tageslicht. Da rächt es sich bitterlich, dass du den Winter gerne liegend auf der Couch mit Trash TV wie Bachelor, DSDS, Dschungelcamp und diversen Alkohol- und Schokoeinheiten verbracht hast. Die Haut ist fleckig weiß mit diversen Pigmenten, Beine und Achseln schlecht enthaart. Ob das dritte wesentliche Organ gut gerupft ist, siehst du nicht gleich auf den ersten Blick, weil dein Bauch inzwischen  alpine Formen angenommen hat.

Natürlich weiß jede Frau wie man die ungezähmte Natur zu bekämpfen hat. Regelmäßige Kosmetik- und Friseurbesuche gehören zum Pflichtprogramm. Auch die klamottentechnischen Hilfen wie Minimizer, Underwonder, Formstrumpfhosen etc. sind im Kleiderschrank nicht wegzudenken. Sie sind vielleicht nicht als sexy Dessous zu sehen, aber erfüllen ihren Zweck auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten.

Fast hätte ich es vergessen: Natürlich Sport! Deshalb lasse ich mir von meinen Fitnessguru in regelmäßigen Abständen ein work out zusammenstellen mit immer neuen fiesen Übungen, die meinen mittelalten Körper straffer und muskulöser machen sollen. Heute bekomme ich mein neues Frühlingsprogramm. Heute hat er sich besonders gemeine Übungen einfallen lassen. Hockwendend über einen Baumstamm hüpfend ist eine davon. Manchmal zweifle ich an dem Erfolg, mein Hintern hat immer noch die Ausmaße von Eurasien!

Und natürlich hat jede Frau ihre subjektive Problemzone. Bei Freundin Lore sind es Bauch und Haare. Sie whatsappt mir : Ich hab inzwischen einen Altweiberranzen dranhängen! Ich baue sie umgehend auf: Auf deinem Profilfoto sieht dein Haarschnitt endlich so aus, wie auf den Frisurenbildern, die du seit 20  Jahren ausschneidest!

Und ganz eigentlich ist das doch alles ein borniertes Hirngeficke von uns Frauen und ich stimme an dieser Stelle dem Profilfoto meiner Freundin Daggi M. uneingeschränkt zu: eine richtige Frau ist schlank, hat Kurven, hat Muskeln, ist genauso wie sie sein möchte.

Im Übrigen ist der mittlere Teil fett durchgestrichen, so dass übrig bleibt: Eine richtige Frau ist genauso wie sie sein möchte! Und darauf stoße ich gleich mit meiner Freundin Lore im Hier und Jetzt an und garantiert nicht mit einem grünen Smoothie nach Fitnesstrainerart, sondern mit nem ordentlichen Schoppen Wein!

Chronik eines angekündigten Leidens


Es ist Frühlingsanfang, die von Oma Luisegunde liebevoll ausgesäten Schneeglöckchen haben sich bereits flächendeckend über noch kargen lehmigen Boden ausgebreitet. Die Amseln sitzen schon in den Startlöchern und tschilpen frohgemut den nahenden Frühling herbei. Der Kater hat die erste Maus des Jahres gefangen, die er dankenswerter Weise im Wohnzimmer aussetzt und die sofort Zuflucht unter dem Kamin sucht. Die Idylle wird nur jäh unterbrochen durch das monotone Surren   des Pari-Boys. Vor dem sitzt leidend der Inscheniör und atmet schwer seufzend die Kochsalzlösung ein und aus…

Rückblick: 11 Tage zuvor höre ich früh kurz vor dem Aufstehen unsere Lieblingstochter in ihrem Bett einige Male husten. Ihre Stimme ist  tagsüber heiser und  belegt, was auch nicht sehr verwunderlich ist, da sie gerne und viel spricht. 

Sonntag – vier Tage danach: bei dem Kind ist während der vier Tagen außer ein klitzekleines über den Tag verteiltes Husten nix von einem Infekt zu spüren. Als ihre liebende Mutter sie zu Bett bringt, fängt diese urplötzlich das Husten an. Am nächsten Tag ist die Mutter nur mäßig gut drauf. Gliederschmerzen breiten sich wie ein Schwelbrand in ihr aus, eine Anwendung mit Ibuprofen in Kombination mit zwei Gläsern Rotwein hinterher, verspricht leider nur kurzfristige Linderung. Die nächsten drei Tage verbringt sie leidend auf der Couch mit Hals- und Kopfweh und einem bellenden Husten, der im Kampf mit  ihrem Beckenboden die Oberhand behält.

Freitag: neun  Tage später: Der Inscheniör kommt schon Mittag aus der Firma und lässt sich schwer atmend auf seinen Lieblingssessel plumsen. Seine Lieblingsfrau reicht ihm stillschweigend das Fieberthermometer. Nach viermaligem Messen um einen exakten Mittelwert zu bestimmen, sagt das Thermometer: 37.2 Grad. 

Sonntagabend: das Leiden ist bereits in Whiskey ertränkt: Die Stimmung ist an unserem Kennenlerntag am Nullpunkt angekommen. Ich suche Zuflucht in der whatsapp Kommunikation mit meiner Freundin Lore…

„Stell dir vor, B. und ich haben heute im Stillen (jeder liegt k.o auf dem Sofa mit einem Thermometer unter der Achsel) und Kleinen (wir zwei und Komissar Borowski von der ARD) unser 12jähriges Zusammensein gefeiert… Sie weiß auch keine Lösung, beruft sich aber auf den kommenden Frühling!

Dienstag, Tag zwölf, nach dem das Killervirus bei uns eingezogen ist: die Fieberkurve des Inscheniörs bleibt konstant bei 37,2 Grad im Mittelwert und das Bedauern, dass ab 50 nichts mehr so ist wie zuvor. Der Whiskey ist aus und die erste Maus des Jahres ist inzwischen den Feuertod gestorben. Morgen ist sicher wieder alles gut und falls die Tochter mal wieder einen Virus nach Hause bringt, fahren wir sie sofort nach Fürth auf den Tauschparkplatz, bevor sie uns anstecken kann. 

Auf und ab, rauf und runter


„Auf, ab, Autobahn rauf, Autobahn runter“, erzählt meine Mutter fröhlich in den Telefonhörer, bevor ich noch ein „guten Morgen“ herausbekomme. Sie hat ihre erste Fahrstunde bei Sigi hinter sich gebracht und ihr Erzählbedürfnis ist groß: „Der hat mich die Auffahrten und Ausfahrten hoch und runter gejagt. Ich wusste gar nicht mehr, wo ich war. Man muss auch beschleunigen, wenn man auf eine Autobahn fährt. Ich wäre da mit 30 gezockelt. Und der Jeep ist toll, ganz groß und die Automatikschaltung ist ganz anders als bei meinem Auto.“ 

Es freut mich sehr, dass meine Mutter so positiv klingt. Ich bin gerade zu Besuch in meiner Heimatstadt.  Mich hat  ein mittelböser Virus heimgesucht, wie ein Drittel meiner Schüler auch und ich liege mit Husten und Gliederschmerzen auf der Coach. Es bleibt also viel Zeit zum Plauschen. „Weißt du, wie der Paragraf eins der Straßenverkehrsordnung heißt?“ prahlt sie mit ihrem neuerworbenen Wissen „und beim Überholen immer vorm Blinken über die Schulter gucken!“ 

 Morgens beim Frühstück fängt meine Mutter schon wieder mit dem Thema Fahrschule an: „Heute Nacht habe ich geträumt, dass ich Fahrstunde hätte und ich wäre nicht richtig zurecht gemacht. Meine Haut hat gespannt und ich war nicht geschminkt.“ „Wie sieht Sigi eigentlich aus?“, frage ich daraufhin neugierig. „Er ist dicklich und klein und kriegt bald die zweite Hüftprothese.“ Ok! Abgehakt! „Hat er dich eigentlich mal gelobt?“, bohre ich weiter. „Nö!“ Ok! Doppelt abgehakt! 

Am Donnerstag ist die zweite Fahrstunde anberaumt, diesmal geht es auf die A 73 Richtung meiner neuen Heimat. Ich liege immer noch kränkelnd auf der Coach und lausche wie durch Watte der Stimme meiner Mutter, während sie im Wohnzimmer in verschiedenen Schubfächern kramt: “ Da liegt übrigens das ganze Zeug: Erbschein, KFZ- Brief, Geburtsurkunde, wenn ich ja mal alleine Autobahn fahre …“

Nur 75 Wörter


Henry ist da. Clara ist wie ausgewechselt und betuttelt ihn von vorne bis hinten. Und er lässt sich betutteln. Das gefällt meiner Tochter. Henry redet wirklich nicht viel. Bei mir lässt er sich zu knappen Dreiwortsätzen hinreißen, bei Clara zu maximal 75 Wörtern an diesem Nachmittag. Muss er auch nicht, denn er hat große blaue Augen, blonde halblange Haare und ein schüchternes Lächeln, mit dem er die Frauenwelt in die Knie zwingt- eindeutig ein Ashley Typ!

In der Tonne mit Sonne


„Ich weiß es“ und „Wir sind es!“, fügt meine Tochter noch  hinzu, während sie ihr Druckbuchstabenheft vervollständigt. „Was“, fragt ihr Vater, der Ingenieur, nach. „Na, faliebt!“, antwortet Clara wie selbstverständlich. Morgen am Samstag kommt Henry für ein nachmittägliches Playdate zu uns. Das erste Mal! Clara ist  aufgeregt und fragt mich bezüglich der Liebe ❤️ Löcher in den Bauch.

„Wenn Henry viel von mir erzählt, ist er dann in mich faliebt?“, bohrt sie. Ich bejahe dies und versuche ihr in diesem Zusammenhang das psychologische Phänomen des Erwähnungszwangs zu erklären. Meine Tochter sinniert weiter: „Er hat mich neulich umarmt und die Rose nicht! Außerdem erzählt er mir im Klassenzimmer genauso viel wie in der Pause.“ Das ist wahrscheinlich einer Liebeserklärung gleich zu setzten. Immerhin redet Henry, wie wir wissen, nicht viel. „Bei seinen gemischten Freunden mag er mich als Freundin am liebsten.“, schwärmt Clara weiter. Ich bin fasziniert. Meine siebenjährige Tochter ist in Liebesdingen besser bewandert als ihre 47 jährige Mutter.

Clara schwärmt weiter: „Henry liebt Krimis und ist schon mal in eine Mülltonne gekrochen!“ Siedendheiß fällt mir wieder ein, dass er zudem noch gern die Hände im Klo seiner Oma wäscht. Ich versuche vorurteilsfrei vor mir zu argumentieren: Hat Diogenes nicht auch in einer Tonne gewohnt und Alexander dem Großen die Stirn geboten mit den berühmten überlieferten Worten: “ Geh mir ein Stück aus der Sonne?!“ Und absolut cool sieht Henry auch aus mit seinen halblangen Haaren. 

„Es gibt nur ein Problem!“, seufzt meine Tochter. Ich sehe sie fragend an. „Er will nicht heiraten!“ Das spricht weiterhin für ihn. Ich bin so gespannt auf Henry und kann es bis morgen kaum erwarten …

Was Frauen denken und fühlen

Meine fleißige Kommentatorin in meinem Blog, Daggi M., äußerte ihr Anliegen, endlich Teil 2 von „Männern, was sie denken und fühlen“ zu schreiben. Sie hat wohl bald Geburtstag, da sie mit ihrem Gatten auf Geschenkeschau in Nürnberg war. Dort  wollte sie ihre gefühlten 1000 Geschenkideen ihm transportieren. Wenn man es genau nimmt, sind das dann Geschenke, die sie sich selbst macht. Deshalb schreibe ich heute extra für Daggi M.: Was Frauen denken und fühlen!

Gestern habe ich mir Bridget Jones Baby angeschaut auf unserem neuen TV in Wohnzimmerkinomaßen. Mein Mann, der Ingenieur, hat sich den neulich angeschafft und man kann sich zudem die neusten Filme downloaden. Bridget ist wie ich mittelalt geworden und Mark Darcy auch. Sie ist aber immer noch meine Heldin und Mark Darcy mein Held. Ich habe die Bücher Ende des alten Jahrtausends verschlungen und kann einzelne Passagen auswendig zitieren. Die Filme sind etwas überzogen und geben leider nicht immer den britischen Humor von Helen Fielding wieder.

Bridget ist zweifelsohne meine Ratgeberin in Diät-, Dating- und Liebesdingen und nicht zu vergessen der emotionalen Flachwichserei!

1. „Männer wollen keine Frau, die Beine wie eine Gespensterheuschrecke hat, sondern stattdessen einen Hintern, auf dem man gemütlich einen Krug Bier abstellen kann.“

Ich hab ja, wie schon erwähnt, einen ziemlich kapitalen Hintern, der seit dem Einsetzen der Pubertät sich explosionsartig ausgebreitet hat. Mit 15 Jahren habe ich dann meine erste Brigitte Diät gemacht. Das war schon eine traurige Angelegenheit: 1000 Kalorien am Tag. Da aß man sowas wie 30 g Nudeln und 100 g Tatar in einem halben Teelöffel Öl angebraten. Ich war dauerhungrig und seitdem ist mir klar, dass die größte Geisel der Menschheit die Kalorie ist. Im Laufe der Jahrzehnte habe ich alles an Diäten ausprobiert, was der Markt hergab: Punkte zählen bei den weight watchers, Kohlsuppendiät, Blutgruppendiät, Low Carb …In Summe habe ich sicher einen Zentner ab, aber leider auch zugenommen, wie der Mond im regelmäßigen Rhythmus. Nach 30 Jahre Hadern mit der gemeinen Kalorie versuche ich meinen Frieden zu schließen, schließlich möchte ich kein Gesicht wie eine Ziege haben. Obwohl, so 2-3 Kilos für die neuen Frühlingsklamotten nicht schaden dürften!

2.  Frauen mit Mitte 30 sind zurückgetrieben und ein tickender Eierstock auf zwei Beinen

Das fällt unter die Kategorie „Bushäuschen“ oder „emotionale Flachwichserei“, also die Typen:

  • die ihren Ehering vorm Sex  (wohlgemerkt nicht mit der Ehefrau) abnehmen und sich trotzdem nicht trennen
  • die ihre Ehefrau wegen einer 20 Jahre jüngeren verlassen um mit dieser dann eine Handvoll Kinder zu bekommen
  • die dich heiß machen und im entscheidenden Moment kneifen
  • die schon vor der Hochzeit fremdgehen
  • die die Dating Spielregeln nicht kennen und nicht anrufen

Ich war mit Mitte 30 auch ziemlich zurückgetrieben, frisch getrennt, mein Ex hatte eine 14 Jahre jüngere mit der er sofort ein Kind in die Welt setzte. Das war  nicht schön, ich wusste nicht, was die Zukunft für mich bereit hält. Auch ich bin wie Bridget eine späte Mama. Meine Tochter ist das schönste Geschenk, auch wenn sie oft sehr anstrengend ist. Sie ist ein Teil von mir und wenn ich sie ins Bett bringe, haben wir folgendes Ritual:

Ich: „Ich hab dich über alles lieb!“

Clara: „Ich hab dich noch mehr als lieb. Man kann es einfach nicht sagen.“

Das “ Man kann es einfach nicht sagen“, ist auch unser Codewort für zwischen durch, am Morgen, im Auto, beim Essen usw.

3. das emotionale Gummiband

Dieses besagt, wenn man sich rar macht, also einen auf eisgekühlte Eiskönigin, dann winselt der Traumprinz unterwürfig um deine Liebesbezeugungen. Meine Freundin Lore und ich sind seit Jahren Meister in der Psychoanalyse des männlichen Geschlechts. Alle, die irgendwie und irgendwann  unser Interesse geweckt haben, lagen  schon seelisch nackt und in ihre Bestandteile zerlegt auf unserem Seziertisch. Dialoge, Treffen, Blicke, diverse Andeutungen wurden haarklein unter die Lupe genommen und es wurde immer, wirklich immer ein Grund gefunden für die Reaktionsweise. Die Gründe lagen natürlich stets im männlichen Geschlecht: krankhafte Beziehungsmuster aus der Kindheit resultierend, das biedere Sternzeichen mit ’nem miesen Aszendenten und beziehungsunfähige Schwachmaten. Wann man wen, wie und wann anruft unterlag der psychologischen Kriegsführung und glich einem Strategieentwurf der Supermächte bei einem Weltkrieg. 

4. Ich mag dich so, wie du bist 

Jetzt kommt Mark Darcy endlich ins Spiel. Mark Darcy ist der vollendete Gentleman, zwar ein bisschen staubtrocken aber zupackend und man weiß sicher: er ist der Mann für‘ s Leben. Nicht der überschäumende halbseidene Rhett, der für dich brennende Herzen in den Schnee pinkelt oder der sensible Ashley, der  zwar literarisch bewandert ist, aber sich beim Pinkeln setzt. Bei Mark Darcy ist es das gepflegte Understatement und dann sagt er in der Filmszene zu Bridget folgendes: “ Ich halte sie  wirklich nicht für eine Idiotin. Ich meine, es gibt schon gewisse Anzeichen des Lächerlichen bei Ihnen. Ihre Mutter ist ziemlich interessant und als Rednerin sind sie furchtbar und beklagenswert. Und Sie neigen dazu alles, was Ihnen durch den Kopf geht auszusprechen ohne an die Konsequenzen zu denken. Aber alles in allem mag ich Sie furchtbar gerne. Ehrlich, ich mag Sie so, wie Sie sind!“

Und so bin ich letztendlich versöhnt mit mir und das, was das Leben noch für mich und meine Freundinnen bereit hält.

 

 

Wann kommt der Wind?

Der Wind kommt heute morgen pünktlich um 7 Uhr mit den Arbeitern des Coburger Entsorgungsbetriebes. Meine Mutter, ganz Kompaniechefin der Wegwerftruppe steht schon Gewehr bei Fuß, um zu beobachten, ob der ganze Sperrmüll seinen Weg auf die Fahrzeuge findet.

„…der uns weitertreibt…“

Meine Tochter Clara sitzt hinter den geschlossenen Gardinen auf dem Fensterbrett meines alten Kinderzimmers und weint angesichts dieses geschäftigen Treibens, denn sie gehört zur Aufhebetruppe.

„…irgendwo hin, wo keine Erinnerung bleibt.“

Ich komme erst hinzu als die Aktion beendet ist und ich nur noch die Rücklichter des Fahrzeuges sehe. Kleine verschonte Holz- und Papierschnipsel tanzen auf dem Asphalt im Wind.

„An jene Zeit, die uns glücklich sah…“

Meine Mutter ist zufrieden mit dem vollbrachten Werk und damit, dass die Arbeiter des CEBs sie gelobt haben. Ganz nach Vorschrift habe sie Plastik und Holz getrennt!

„…nüchtern und klar zu jedem Opfer bereit.“

Vormittags besuchen wir das Grab meines Vaters. Es ist nur eine schlichte Steinplatte mit seinem Namen und das Geburtstag- und das Sterbejahr. Ich habe drei Steinherzen dabei, Clara eine kleine schwarze Schleichkatze und meine Mutter ein kleines Töpfchen mit einem Frühlingsblümchen. Meine Tochter arrangiert Herzen, Blumentopf und Katze auf dem Grab.
 

„Meine Seele ist irgendwie hängen geblieben. Mein Körper ist alt und verwohnt. Die Sterne wärmen den Himmel nicht mehr und eiskalt ist der Mond.“ 

Inzwischen ist es Mittag geworden. Ganz nach Claras Gusto gibt es „verlorene Eier mit Stampf“. Das Mittagessen passt zu meiner Stimmung. Danach brechen wir beide auf nach Hause. Der Wind weht weiterhin stark und die Seitenböen auf der Autobahn lassen meinen Mini wackeln.

„Versuch doch noch einmal mich umzudrehen und dann geh schnell von hier fort.“

Fast vom Winde verweht parke ich am frühen Nachmittag auf unserem Hof ab. Der Kater kommt miauend aus dem Garten auf uns zugelaufen und fordert seine Streicheleinheiten. Ich bin gerade sehr froh einen Abstand von 100 km zu meiner Heimatstadt zu haben.

„Im Garten der Liebe hab ich Träume vergraben, die holt da keiner mehr raus.“

Sperrmüll – alles muss raus!

Es sind gerade Faschingsferien und ich bin mal wieder zu Besuch in meiner Heimatstadt. Ich muss meiner Mutter beim Sperrmüll helfen. Im Gegensatz zu Oma Luisegunde gehört die Coburger Oma zur Wegwerfgruppe. In meinem Elternhaus finden sich wenig alte Erinnerungen und jetzt als mein Vater gestorben ist, hat meine Mutter das Bedürfnis zu räumen und wegzuwerfen. Alles muss raus! Als wir die Sachen vom Dachboden und dem Keller rausholen, zieht mein Leben an mir vorbei: Die Wickelkomode fast 48 Jahre alt, das Stockbett aus der Teenagerzeit, der kleine Flurzimmerschrank aus meiner Studentenwohnung… Das weiße Fahrrad ist auch dabei. Da habe  ich oft nachts nach eins als die Straßenlaternen schon aus waren kräftig in die Pedale getreten, um schnell von der Stadt nach Hause zu gelangen. Ich hatte in der Finsternis Angst. Um mich zu beruhigen hatte ich beim Radfahren stets einen Walkman auf dem Kopf mit dem ich vorzugsweise David Bowie hörte und auch mitsang: There’s a starman waiting in the sky!

Für meine Mutter ist das Um- und Ausräumen eine Art Psychotherapie. Außerdem schmiedet sie schon Pläne für die Zukunft:  Reisen und den Führerschein Auffrischungskurs bei Pensionär Sigi. Sie hat letztens sogar gewagt die Stadtautobahn (zweispurig mit Tempolimit 70) zu befahren.

Ich hingegen besuche seit fast zwei Jahren Herrn B. Herr B. ist Heilpraktiker und mehr. Für mich ist er sowas wie Gott, was zum Teil darin liegt, dass er so ausschaut, wie mein Kindheits Ich, sich den lieben Gott vorgestellt hat. Weil ich ja inzwischen mittelalt bin, werden auch die Gedanken komischer, zumindest ist es bei mir so. Auf jeden Fall versucht Herr B. mit mehr oder weniger Erfolg meine Überschriften wegzubekommen. Alles muss raus! Das ist aber nicht so leicht. Heute muss er sich alle meine Geschichten aus meinem Blog anhören. Nach 1,5 h Vorlesen blickt Herr B. zu mir und sagt: „Frau P., das hat therapeutische Qualität. Machen Sie ein Büchlein daraus!“ Na, wenn das keine neue Überschrift und  Zukunftspläne sind?!

Ich rufe nach der Therapiestunde meine Mutter an. Sie hebt mit folgenden Worten ab : „Rat mal, wo ich gerade bin? Ich bin gerade in der Anmeldung bei der Fahrschule und hab die Handynummer von Sigi in der Tasche !“ Wir verabreden uns in der Stadt und ich versuche sie zum Thema Fahrschule ein wenig auszuhorchen. Meine Mutter gibt sich wortkarg: „Also diese Woche hab ich schon gleich gesagt, dass es nix mit der Probestunde wird. Aber ich habe dem Sigi auch meine Handynummer gegeben!“ „Mutti! Du hast dein Handy nie an!“, entgegne ich enerviert. „Dann mach ich es halt mal an“, schnappt sie zurück.

Tief Luft holen und loslassen, let it flow, alles gut! Zuhause und eine Stunde später überlegt meine Mutter laut: “ Da werden die Nachbarn denken: Kaum ist er unter der Erde, da kommt schon der nächste. Aber es steht ja Fahrschule drauf.“ Ganz klar, sie hat eine neue Überschrift im Kopf, die hoffentlich nicht wieder raus muss! Wir werden sehen…

Kostümprämierung

Am Freitag war in meiner Schule Schulfasching. Schon Wochen vorher waren die Lehrer, nicht etwa die Schüler, total aufgeregt wie und ob sie sich überhaupt verkleiden sollten. Tja, so ist der gemeine Franke und die Fastnacht beläuft sich wohl eher auf die „Fränkische Fastnacht“ auf’m Dritten vorm Fernseher. Ich war fein raus, weil ich Freitag erst zur 5. Stunde hab und nach der 4. war Schluss mit Fasching. 4 Stunden muss reichen für die fränkische Seele.

Auf jeden Fall sind die Kostüme, die sich die Leute aussuchen für mich psychologische Charakterstudien. Meine Chefin ging als Krümelmonster, die hübsche blonde langbewimperte Lehramtsanwärterin war ein Wildkätzchen, die ökologisch naturbelassene Kollegin ging als Waldschrat. Und der kurz vor der Pension stehende Kollege, der dem weiblichen Geschlecht immer zugeneigt ist, hatte sich kokett zwei Herzchen auf die Backen malen lassen. Muss man da noch was hinzufügen? Der Schulrat bräuchte eigentlich nie mehr einen Unterrichtsbesuch machen, der müsste nur zum Schulfasching kommen und könnte anhand der Kostüme den idealdienenden Beamten ermitteln!

Ich konnte zwar an diesem Freitag kneifen, aber als Mutter muss man mindestens  durch die ersten sechs Lebensjahre seines Sprösslings jedes Jahr auf Fasching gehen. Zu meinem ersten Event ging ich als Cindy aus Marzahn. Das war aber eher meinen Nachschwangerschaftspfunden geschuldet. Ich muss zugeben, Clara war da zwar schon drei, aber ich war Spätgebärende, da braucht es länger um den Speck von Po, Beinen und Hüfte zu bekommen. Mein Mann ging stilecht zu mir passend als Bert Wollersheim mit Vokuhila Perücke und original Jogging Anzug in lila- türkis aus Ballonseide aus den 90ern. Der stammte von seiner Mutter, die, wie ihr wisst, zur Aufhebetruppe gehört und nix weg wirft.

Clara hatte in den letzen vier Jahren immer eine Art Prinzessinnenkostüm gehabt: Fee- Prinzessin, Meerjungfrau- Prinzessin, Burgfräulein- Prinzessin, 0815 Prinzessin… Die Jungs in ihrer Altersgruppe fand man wiederum geschlechtsspezifisch in Star Wars und Batman Kostümen. Da kann man jetzt sozio- und psychologisch über tradierte Rollenvorstellungen nachdenken. Ich hoffe das wächst sich aus und sie wird irgendwann mal als Pippi gehen und nicht als Annika!

Auf jeden Fall erzielte das Krümelmonster den dritten Platz bei der Kostümprämierung. Den zweiten Platz hab ich vergessen. Aber der erste Platz ging an eine Schülerin, die sich als Oma verkleidet hatte. Das kann man jetzt entweder als fränkischen oder modernen Mehrgenerationen Fasching sehen.