Tür zu!

Diese zwei sehr prägnanten Wörter beschreiben treffend die Kommunikation zwischen meiner Tochter und mir:

Mutti klopft an die Zimmertür und bittet um Einlass mit wahlweise folgenden Fragestellungen:

  1. Was willst du heute Abend essen?
  2. Wann soll ich dich zu … fahren?
  3. Kannst du deine Wäsche zum Waschen zusammensuchen?

Wenn der Mutti die Audienz gewährt wird, liegt die Hasi im Bett, das I Pad (eigentlich Muttis I Pad) auf den Knien und parallel dazu quatscht eine von ihren zahlreichen Besties aus dem Handy. Das nennt man Hausaufgaben machen. Die Mutti wird dann ganz schnell mit einer Handbewegung, als wäre man ein lästiges Insekt, aus dem Zimmer gewunken: Tür zu!!

Ihre Privatsphäre ist ihr seit ca. zwei Jahren heilig. Das durfte ich merken als Oma Karin einmal anmerkte: „Die Hasi ist aber gestern abends noch lange online gewesen bis 23.21 Uhr.“ Schlaues Pubertier, nur ihre Eltis bei WhatsApp Einstellungen unter der Rubrik: „zuletzt online nur Kontakte, außer“ … auszugrenzen! „Total ausgerastet seid ihr damals, völlig unnötig“, so merkt die Hasi noch heute an.

Der Moritz scheint da pflegeleichter zu sein. Dem darf ich auf Insta folgen. Das Konto meiner Tochter ist trotz mehrerer Anfragen von meiner Seite immer noch privat! So bekomme ich zumindest am Rande mit, wie sich die Kennenlernphase weiter entwickelt. Überhaupt wird mir der junge Mann immer sympathischer:

„Ich muss mein Handy abends immer abgeben“, so tönt Moritz nach dem Essen neulich Abend. „ Und daheim chillen im Bett, dafür hab‘ ich keine Zeit. Bei uns auf dem Hof gibt es immer was zu tun“, fährt er fort. „Urlaub? Ja, die Mutti will schon diesen Sommer verreisen, aber der Vati und ich wollen lieber daheim bleiben und am Haus was arbeiten.“

Dem Inscheniör bleibt der Nudelauflauf im Hals stecken. „Wie oft war sie schon in Afrika?“, raunt er mir zu. „8 x, wenn man die Aufenthalte auf den Seychellen und Mauritius mit dazu zählt“, raune ich zurück.

„Wenn wir den jungen Mann dazu bewegen könnten unsere Tochter zu heiraten, hätten wir alle Sorgen im Alter los. Er könnte den Garten umgraben, meine Wälder holzen und den Umbau im Erdgeschoss stemmen .“, so schwärmt der Inscheniör. „Der Solis und ein Besteckkasten Set werden da nicht ausreichen, da musst du schon mehrere Hektar deiner Ländereien locker machen, notfalls noch ein paar Siemensaktien drauflegen“, prophezeie ich beim Abwasch.

Im Kopf des Inscheniörs entsteht eine neue physikalische Formel: Leistung ist Arbeit in einer bestimmten Zeit mal Mindestlohn von 12, 81 €.

„Wenn Moritz das nächste Mal zum Essen kommt, strengst du dich mal an und kochst das raffinierteste Essen.“, so beschließt er. „Und dann lassen wir ihn nicht mehr gehen bis er alt genug ist , um unsere Tochter zu heiraten.“

Tür zu!!!

2 Gedanken zu “Tür zu!

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