Die Hasi ist inzwischen zu einem Pubertier herangereift und ihre sie liebenden, seit 15 Jahren umsorgenden Eltern, spielen nur noch eine untergeordnete Rolle in ihrem Leben.
Diese machen sich derweil im Herbst ihres Lebens Gedanken, wie sich die letzten 20 Lebensjahre komfortabel verbringen lassen.
„Wir ziehen auf jeden Fall ins Erdgeschoss“, so überlegt der Inscheniör, „wenn die Hasi mit ihrem Inscheniörsstudium fertig ist und dann das heimische Anwesen übernimmt.“ Die Hasi ist perplex: „Wie?“, so fragt sie ehrlich erstaunt, „ich dachte, ihr geht zum Sterben nach Afrika.“
Gut, wollen wir jetzt nicht gleich den worst case beschreien, bis auf ein paar kleinere Wehwehchen in Rücken und Knie, sind wir beide noch alltagstauglich.
Und so schieben wir uns beide in der Elterntanzstunde in der Aula in Hasis Schule über das Parkett. Der Inscheniör übernimmt die Führung , schließlich hat er schon vor über 40 Jahren auf dem selbigen getanzt. „ Mir hat geholfen, wenn ich damals mit der großbrüstigen Josefine durchgezählt habe! Eins – zwei- drei und zack!!“ Es könnte mich schlimmer treffen. Die Mutti, die neben mir tanzt, hat mir schon im Vorfeld verraten, dass ihr Mann den Spitznamen „Stahlkappen – Udo“ trägt. Und der Inscheniör wird zunehmend wagemutiger und nach der 10. Drehung flüstert er mir ins Ohr: „ Nenn mich Lambi!“
Letzten Freitag ist der große Tag gekommen. Der Premierenball! Natürlich ist meine Hasi die schönste Debütantin in ihrem nachtblauen Satinkleid, welches sich wie angegossen über ihre schmale Silhouette schmiegt. Ich stehe am Muttizaun und schieße mit Tränen in den Augen Pics für mich, Freunde und Verwandtschaft. Die Mutti neben mir am Zaun ergänzt: „ Sie sieht wunderschön aus, aber die Figur hat sie nicht von dir!“
Um Mitternacht ist das Treiben zu Ende und wir fallen erschöpft ins Bett, schließlich sind Rücken und Knie nicht mehr die Allerjüngsten! Morgen ist auch noch ein Tag und schließlich muss Mutti ja herausfinden, was es mit Hasis Tanzpartner auf sich hat!
„Hasi“, so passe ich meine verschlafene Tochter am nächsten Morgen ab. Die frühe – Vogel- fängt – den Wurm- Uhrzeit ist nicht zwangsläufig günstig um einen Teenager die nötigen Informationen heraus zu pressen. „Wie sieht es aus mit Moritz und dir? Seid ihr ihr immer noch in der Kennenlernphase?“ Diese erstreckt sich bereits seit über vier Wochen. Meine psychologisch geschulten Antennen sind bis zum Anschlag ausgefahren. „Mutti“, so entgegnet sie, „das ist voll unangenehm mit dir darüber zu reden!“
Ich muss nicht lange auf eine Gelegenheit warten. „ Heute kommt mich der Moritz besuchen“, verkündet die Hasi. Bevor ich mir einen Schlachtplan zurecht legen kann, gibt mir meine Tochter unmissverständlich folgende Instruktionen:
- Ich muss bis Schlag 18.30 Uhr Abendessen gekocht haben!
- Danach fahre ich Moritz nach Hause, schließlich hat die Moritz Mutti die Hasi auch heimgefahren.
- Ich stelle keine blöden Fragen und komme nicht unangemeldet in ihr Zimmer!
„Wo ist der Inscheniör überhaupt?“, so fragt sie und späht gen Arbeitszimmer. „Beim Sport“, entgegne ich. Panik macht sich auf ihrem Gesicht breit: „Hoffentlich wackelt er danach nicht wieder nackig im Bad rum!“
Überpünktlich trifft der junge Mann ein und meine Tochter bugsiert ihn schnell in ihr Zimmer. Wumms! Tür zu! Gefühlt nach Stunden schleiche ich mich hoch ins daneben liegende Bad und presse meine Ohren an die Wand. Ich höre eine lebendige Unterhaltung und mein nervöses Augenzucken lässt schlagartig nach.
Punkt halb sieben steht das Abendessen auf dem Tisch. Die Unterhaltung mit dem selbstbewussten jungen Mann gestaltet sich leicht. Was dem Inscheniör sehr gefällt, ist die gemeinsame Liebe zu Wald, Holz und Traktoren. „Mein Solis macht 27, 0 km/h!“, so preist der Inscheniör sein indisches Modell an. „Unser John Deere macht 47,3 km/h“, erwidert Moritz ohne mit der Wimper zu zucken. John Deere sticht indischen Solis um Längen!!!
Brav erledigt die Mutti nach dem Abendessen ihren Chauffeur- Dienst. Das junge Paar in der Kennenlernphase thront auf der Rücksitzbank. Ich liefere brav den jungen Mann zuhause ab und setze zum Wenden an. Was sehe ich da im Rückspiegel? Den John Deere in seiner vollen Größe und ich schätze grob, dass zwei Reifen den Vollpreis des Solis ausmachen.

Ich liebe es! Du schreibst so unglaublich intelligent und humorig ist ist ein Genuss! Bitte öfter mal! Will nicht bis Hadis Hochzeit warten
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