
Mit einer zweiseitigen Liste schicke ich den Inscheniör in die Todeszone Edeka. Endlich lohnt sich der Mundschutz aus Hightech Membran, den wir seit Januar für alle Familienmitglieder vorrätig haben. Der Inscheniör liebt den Nervenkitzel in der Todeszone. Gleichzeitig screent er, welche Lebensmittel noch zu haben sind und welche Regal leergefegt sind. “ Ich hab‘ die letzten drei Gurkengläser ergattert“, freut er sich gestern, die Gläser auf einer Hand balancierend. „Aber wir essen nie Gewürzgurken“, wende ich ein. „Das ist doch egal, Hauptsache sie halten sich lang!“, argumentiert er.
Auf jeden Fall gab es kein Klopapier heute morgen um 8.30 Uhr in der Edeka. In Zeiten von Corona muss man seine Einkäufe terminieren. Wenn man zu früh loszieht, sind die Regale noch nicht aufgefüllt, wenn man zu spät ist, sind sie schon wieder leer. Außerdem schaffen es die hauseigenen LKWs nicht mehr die Edeka Regale zu befüllen, denn die Leute kaufen dreifach ein. Diese Nachricht brachte der Inscheniör mit nach Hause. Draußen hinten im Schlag, wo es nach Beerbach geht, haben vier seiner Sandkastenkumpels eine kleine private Corona Grillparty veranstaltet. In der Mitte stand ein Kasten Bier. Die vier Jungs saßen im zwei Meter Abstand im Kreis voneinander weg. Vier ausgeklappte Zollstöcke halfen dabei, dass alles seine Richtigkeit hatte. Einer von den Jungs war der Held der Runde, denn er arbeitet in einem systemrelevanten Beruf. Er beliefert jede Nacht ab 3 Uhr mit seinem Kleinlaster Edeka mit Waren.
Deshalb kommt der Inscheniör auch mit zwei vollbeladenen Kisten nach Hause. Fast alles auf meiner zweiseitigen Einkaufsliste konnte er abarbeiten. „Klopapier habe ich bei Rossmann geholt“, so frohlockt er. „Aber wir haben bereits einen Jahresvorrat davon, selbst wenn wir die ganze Zeit Dünnschiss hätten“, merke ich an. So schnell gibt sich der Inscheniör nicht geschlagen. Er verlässt die Sicherheitszone von zwei Metern Abstand und säuselt mir ins Ohr: „Hase! Wir haben heute Jahrestag und ich hab dir Klopapier und Mehl mitgebracht!!
An dieser Stelle: Was ist der Unterschied zwischen einem Deutschen und einem Franzosen? Der Deutsche hamstert Mehl und Klopapier, der Franzose Rotwein und Kondome.
Ich bin trotzdem sehr stolz auf meinen Mann. Er hat seit der Corona Krise alles richtig gemacht – mein Markus Söder in den heimischen vier Wänden! Das home office steht auch, seine to do Liste ist drei Seiten lang. Ihm wird nicht langweilig werden in den nächsten Wochen. Mit AIDS-Handschuhen und Desinfektionsspray in der Hand hat er als Wahlleiter am Sonntag noch dafür gesorgt, dass bei der Kommunalwahl alles seine Ordnung hatte. Nur einen kleinen Wehrmutstropfen gab es. Man durfte seinen eigenen Kugelschreiber mitbringen. Deshalb hat es nix genützt, dass der Inscheniör die gemeindeeigenen Kugelschreiber so kurz angebunden hatte, dass der Wähler nicht Grün wählen konnte. Unvorhersehbar und exponentiell wie das Virus vermehrte sich Grün deshalb in unserer Gemeinde. Aber man weiß ja nicht wie es ausgeht. Gerade läuft über meinen „Corona- Liveticker“, dass sich Cem Özdemir auch das Virus eingefangen hat. Ich falte eben meine Hände zur Merkelraute und schreibe mit leicht verkniffenem Mund: Bleiben Sie gesund! Ach und bleiben sie dran, wenn es morgen heißt: die Lehrerin im Zeitalter von Corona!