
Eine Freundin von Herrn W. hat es bereits geträumt. Es rollen unheilvolle Wochen auf uns zu. Und alles Schlimme, was die träumt, geht in Erfüllung. Gott sei Dank kenne ich die Frau nicht und sie kann nicht von mir träumen. Und jetzt ist es soweit: Das Corona Virus hat Deutschland, Bayern und auch Mittelfranken erreicht. Erlangen ist nicht weit weg. „Wollen wir heute wirklich zu IKEA?“, fragt der Inscheniör beim Frühstück ohne die Augen vom Live Ticker zu wenden. Er verfolgt die neuen Krankheitsherde auf einer virtuellen Karte. „Besser nicht“, pflichte ich ihm bei. „Ich kann aber nochmal den Apotheker zu Rate ziehen“. Dieser ist ein alter Freund aus meiner Heimatstadt und mein Guru, insbesondere was seine umfassenden pharmazeutischen Kenntnisse rund um den Magen-Darmtrakt anbelangen.
Nachdem mich der Inscheniör erinnert, dass der Apotheker bereits letzte Woche auf der gemeinsamen Bierwanderung ein Fässchen Desinfektionsmittel verbraucht hat, legen wir den IKEA Besuch ad Acta. Trotzdem muss ich den Inscheniör zum Einkaufen schicken. Ich habe für Samstag zum Straußengulasch eingeladen und Strauß ist in den heimischen Läden nicht mehr zu haben. Im Zeitalter der Vogelgrippe ist das eigentlich fast eine Schierlingsbecher Mahlzeit. „Du schickst mich raus zum Sterben“, jammert er, als er sich auf in die Metro macht.
Nicht mehr jammernd, nein im Gegenteil, mit stolz geschwellter Brust, kehrt er aus dem kontaminierten Großhandelseinkaufsparadies zurück. Neben dem 5 kg Straußenfilet, welches er in zähen Verhandlungen für die Hälfte des Preises erstanden hat, hat er diverse Fischbüchsen ergattert. Er freut sich: „Da können wir zehn Tage daran essen!“ Ich rümpfe innerlich die Nase. Mal ehrlich, so‘ ne Konserve riecht doch beim Öffnen immer so als hätte man sich unten rum nicht ordentlich gewaschen.
Ich sag jetzt besser nix! Der Inscheniör hatte wie immer recht: Desinfektionsgel und Atemschutzmasken sind ausverkauft. Nicht bei uns, seit einigen Wochen haben wir fünf high Membran Masken vorrätig, Sauerstoffzufuhr regulierend. Corona kann kommen! Und Siemens hat inzwischen einen Corona Verdachtsfall Leitfaden entwickelt. Das Organigramm lässt keine Sicherheitslücken offen. Auf Siemens ist Verlass. „Sobald einer hustet, wird das Gelände dicht gemacht“, orakelt der Inscheniör, „wir müssen auf Opa aufpassen! Die Alten sterben bei dem Virus weg wie die Fliegen!“ Opa Adolf ist blühende 87 Jahre alt, sein Herzschrittmacher und die Liebe zur Volksmusik halten ihn lebendig. Auch wenn Oma gerade wegen eines neuen Knies auf Reha weilt, wird er im Schoße seiner Familie gepäppelt und mit Argusaugen verwöhnt. Ich gebe mein Bestes!
#chinesischeHähnchenpfanne
„Ich liebe Gemüse“, sagt der Opa.
#Salbeizucchininudeln
„Zucchini sind meine heimliche Leidenschaft“, sagt der Opa.
#nocheinwinzigesSchlückchen
„Ich hör mich nicht nein sagen“, sagt der Opa!
#scharfeGarnelenpfanne
„Ich liebe es scharf“, sagt der Opa!
#Gemüselasagne
„Wie und wo Gemüselasagne?“, insistiere ich bei hochgezogener Augenbraue. „Morgen Mittag bei der anderen Schwägerin“, antwortet mir der Opa fröhlich. „Schaffst du dann morgen Abend noch mein namibisches Straußengulasch mit Serviettenkloß?“ „Aber sicher,“ gibt er sich überzeugend. „Du mästest den Opa!“, mäkelt der Inscheniör. „Ach woher“, gurre ich, „ im Zeitalter von Corona muss man jeden Tag genießen, als wäre er der letzte.“ Zähneknirschend stimmt er mir zu. Immerhin muss der Opa die Hälfte der geplanten Hackschnitzelheizung berappen und Deutschland hat sich bei den Coronainfizierten auf Platz 9 vorgearbeitet. Es ist keine Zeit zu verlieren.
„Du Opa“, so tue ich geheimnisvoll, „ich habe für morgen Abend neben dem Gulasch noch eine Überraschung für dich?“ Er blinzelt mir freundlich zu. „Du hast ja neulich gesagt, keine über Vierzig!“,auch ich blinzele mit einem verschmitzten Doppelzwinker zurück. „Ich hab für morgen eine Bourlesquetänzerin engagiert, Fräulein Fancy, um die 30! Die gibt es zu dem Gulasch.“ „Wenn ich das überlebe“, antwortet der Opa.