Johannes B. Kerner stellt die finalen Fragen in der ZDF Show namens „Da kommst du nie drauf?“ Es sind 5000 Euro im Jackpot. Das Rateteam lauscht erwartungsvoll der Fragen. Es geht um das Leben von Sissi. Ich erahne bereits die Antwort, bevor die drei Fragen gestellt werden.
Visuell untermalt werden folgende drei Möglichkeiten dargelegt:
a) Hat Sissi Cancan getanzt?
b) Ist Sissi heimlich Pferderennen im Wiener Prater geritten?
c) Hat sich Sissi mit 51 Jahren einen Anker in einer Hamburger Hafenkneipe tätowieren lassen?
Und dank Blondies Referat in Deutsch weiß ich, es ist Antwort C. Und ich hätte mithilfe von Blondie 5000 € gewonnen. Und schlussendlich sollte man eine subjektive Sicht auf Dinge nicht unterschätzen. Blondie checkt das Leben, alles richtig gemacht.
Na und jetzt checkt das Leben Blondie und die anderen. Im Juli haben wir uns im Klassenchat ewige Treue geschworen, im September uns noch einen guten Start ins Berufsleben gewünscht und das war es dann. Heute Nacht hab ich von Ihnen geträumt. Im Traum waren meine Augen tränennass und ich wollte jeden einzelnen umarmen. Als Lehrer ist man irgendwo abhängig von der Zuwendung durch die Schüler. Klingt erbärmlich, aber wenn Blondie auf der Abschlussfeier mit Mikro zum ganzen Publikum bölkt: Frau P. ist die weltbeste Lehrerin!, dann fühl ich mich wie 23, schön, leicht und unbekümmert. Ist das nicht prima, dass es so viele verschiedene Arten von Liebe gibt? Die Liebe zu deinem Partner, deiner Familie, deinen Freunden, deinen Schülern und natürlich zu meinem Kater.
Aber Liebe ist vergänglich, es kommt die nächste Schülergeneration und die magst du dann auch irgendwann. Gerade nage ich noch daran, dass die alten weg sind. Ich hab nix mehr über was ich schreiben kann, Muss sagen, ich bin in einem Kreativitätsloch gelandet und glotze abends mit dem Inscheniör dumpf Netflix Serien. Ich doktore schon seit Tagen an der Geschichte rum. Liegt das jetzt am Alter? Habe ich mir alles von der Seele geschrieben?
Ich versuche positiv zu denken: Ist 50 nicht das neue 30? Um das zu untermauern, habe ich mir für ein Monatsgehalt Kleider und Schuhe gegönnt. Rote Schuhe von Camper passend zu den neuen Kleidern. Die Blase, die ich mir gelaufen habe, musste ich von einem Arzt behandeln lassen. Manchmal muss man Opfer bringen. Und so fühle ich mich fast gut gelaunt, als ich auf meine Grundschulkollegin Frau Pferd treffe. Sie heißt deshalb so, da eine Psychologin ihr bescheinigt hat: Sie sind ein Landtier, das mit den Beinen fest am Boden steht! Somit ist sie prädestiniert für ihren Job.
Hallöle Frau Pferd!, begrüße ich Sie herzlich und klopfe mit meinem grünen Unterrichtsplaner liebevoll ihre Flanken. Wie sind deine neuen Erstklässler?, frage ich. Wie Buchstabensuppe purzelt es aus ihr heraus: Der erste hat schon am zweiten Schultag seinen Ranzen früh im Bus vergessen, bei der nächsten stand der Multivitaminsaft knöchelhoch in der Schultasche. Ich habe gerade noch die Arbeitshefte retten können. Bei der dritten ging der Diabetesalarm an der Bushaltestellestelle los, obwohl ihre Mutter Stein und Bein geschworen hat, dass das nie passieren würde.
Aber weißt du, was das Allerschlimmste war? Mit der Hand am Mund flüstert Frau Pferd in mein Ohr: Heute hat das erste Mal ein Kind zu mir Oma gesagt!!!
Ich beruhige sie mit den weisen Worten von Oma Karin: Du bist solange noch jung und schön, solange du deine Füße zum Waschen ins Waschbecken heben kannst!
