Ich hab was, ich kann es zeigen!

Schreiben Sie mal wieder eine Schulgeschichte!!!, so bittet mich eine Schülerin, die sind immer am lustigsten. Na, dann will das auch tun. Lustige Geschichten sind die besten. Über das Bushäuschen mag ich nie wieder erzählen.

Meinst du, so flüstert meine Kollegin hinter vorgehaltener Hand und legt dabei ihre Stirn in pädagogische Dackelfalten, wir sollten uns absichern und einen Elternbrief verfassen, dass wir unser menschenmögliches getan haben, in der Vorbereitung für die Prüfungen. Ja, das ist eine gute Idee, erwidere ich und wische mir den Angstschweiß von der Stirn, lass uns gleich einen Elternabend abhalten und unsere Hände in Unschuld waschen!!

Seit meinem Leben als Lehrerin bin ich immer mega nervös, wenn der D- Day da ist. Das ist wie Hoffen, Glauben, Bangen und die verzweifelte Suche nach Punkten für die bessere Note. Manche Schüler sind selbst an diesen Tagen mit einer seelischen Robustheit und einer kindlichen Unbekümmertheit ausgestattet. Wie, Sie haben keine Formelsammlung im Sekretariat? Was, ich muss leserlich schreiben? Wann ist der Quali nochmal? Wo kann ich auf’s Klo???

Deshalb wächst in mir auch gerne eine kleine pädagogische Wildsau, wenn der Tag der Ergebnisverkündung da ist. Endlich darf ich meine natürliche Autorität ausspielen. Einzeln lasse ich meine Schüler antanzen und rücke meine Brille extra auf die Nasenspitze, als ich den Ergebniszettel überreiche. Die Reaktionen sind unterschiedlich: von einem pelzigen „Scheiß drauf! Hauptsache, ich hab es geschafft!, bis hin zu schwitzenden Augen: Oh, mein Gott, ich kann es nicht glauben, ich hab es geschafft!! Hm, war schon ein klitzekleines bisschen gemein Blondie aus der ersten Reihe als letzte die frohe Botschaft zu verkünden.

Jetzt muss es aber weitergehen! Der Quali ist abgehakt, der Kurs geht schon in Richtung Abschlussprüfungen für nächstes Jahr. Leerlauf is nicht… situationsbezogen greife ich ein neues Diskussionsthema auf, was Blondie, eine meiner Leistungsträgerinnen, sofort als Überschrift verbalisiert:

Ich hab was, ich kann es zeigen.

Die Vorgeschichte zu dieser Aussage spielte sich während des Mathequalis ab, als Mädchenbrüste dank knapper Bekleidung in die Freiheit drängten. Wahrscheinlich unterstützten sie ihr Frauchen bei den Rechenaufgaben und alle dürfen sich nun Gedanken zur Schuluniform machen.

Alle? Rehauge, der mir eben noch Fleiß geschworen hat, ermahne ich sanft: Duuuu! Jetzt pass mal auf, du willst doch nächstes Jahr einen Schnitt von 1,66 für die FOS. Jimmy, der gerade noch mit seinem Nachbarn in Revierkämpfe verwickelt war, merkt auf und fragt: Wie da muss man 1,66 m sein?

Und so werden wir uns die restlichen drei Wochen noch irgendwie durchs Schuljahr hangeln und ihr könnt gleich dranbleiben, wenn es heißt: Ich und mein Salzteig

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