Kinderburzeltage sind das Event, wenn man ein Kind ist. Ich habe schon Pferdegeburtstage geplant, wo ich 20 pädagogische Spiele in Peto hatte und die wilde Geburtstagsmeute den ganzen Nachmittag mit Pferdeleinen im Kreis durch Küchen- und Wohnzimmertür gerannt sind. Letztes Jahr stand das Drachenzähmen leicht gemacht Motto auf dem Plan. Ich habe dafür extra eine Ohnezahntorte anfertigen lassen im Wert von einem halben Paar Schuhe, die dann kein Kind essen wollte und sie sich lieber auf den Marmorkuchen gestürzt haben für 1/20 des Preises.
Dieses Jahr bin ich schlauer! Ich lasse Oma Karin einfliegen für Kuchenbacken und der Inscheniör darf die Waldralley mit anschließendem Burgergrillen übernehmen. Ich trage die Oberverantwortung und stelle mir schon mal eine Flasche Schampus kalt, um die Nervenbelastung auf ein Minimum zu reduzieren.
Außerdem hab ich Zahnweh und diese Woche hat mein Zahnarzt schon ein neues Mountain- e- Bike an mir verdient. Der Eiter spritzte, ich esse brav Antibiotikum und gurgle mit Strohrum aus Oma Luisegundes Beständen. Das braucht meine Psyche, wenn ich mich ohne Zähne wie ein altes russischen Mütterlein vorstelle auf einem Kartoffelacker irgendwo bei Kiew.
Selbst der Inscheniör hat Mitleid mit mir: Wird schon Liebes und hält den Daumen in WhatsApp empor. So hat er mich in 14 Jahren noch nie genannt. Es muss richtig schlimm um mich stehen. Lore sieht es von der psychologischen Warte: Mach endlich mal deinen Blog zu einem Buch und bitte mit Widmung an mich. Sie hat sich schon ein paar passende Buchtitel für mich überlegt:
– Momente im Leben der modernen Scarlett
– Geschichten aus dem Bushäuschen: vom Warten, Wurzeln schlagen und Zahnweh kriegen
– Interpretieren bis der Arzt kommt
Lore läuft inzwischen zur Hochform auf. Laber ned! Jetzt muss ich ein bisschen streng werden mit Lore. Warum schreibe ich eigentlich? Das hat mich letzte Woche auch Rehauge über 1,60 gefragt. Ich schreibe, weil mich das glücklich macht und ich in den letzten zwei Jahren traurig war. Ich erzähle Geschichten durch die Blume, die nur die verstehen, die die Blume kennen. Rehauge versteht mich: Das ist dann also wie Insta oder Snapchat für Alte. Ich stimme dem zu.
Aber nun werden hier die Zähne zusammen gebissen – auch wenn der Eiter spritzt!!! Kinderburzeltag! Es kann losgehen! Es ist immer die gleiche Abfolge. Wir starten mit Flaschendrehen. Nicht, was ihr jetzt denkt, es werden so die Geschenke ausgepackt. Die Geschenke kaufen die Mütter der Burzeltagsgäste beim Endreß! Deshalb steht auf den Burzeltagseinladungen zum Schluss: P.S. Ich habe ein Geschenkkörbchen beim Endreß. Die Hasi liebt es das Körbchen im Vorfeld mit Schleichpferden, Kruschkram und zwei Alibibüchern zu bestücken. Es bleibt wohl ein offenes Geheimnis von Mutter Natur, dass 9jährige Mädchen 197 Schleichpferde auseinanderhalten können. Mit P. und E. habe ich auch zwei Quotenjungs eingeladen. Aber P. ist krank geworden und E. heult, weil er nicht alleine unter Mädchen sein, aber trotzdem einen Burger abhaben will. Ich löse das Problem, indem ich die ganze Familie einlade. Der Inscheniör wird an seinen Aufgaben wachsen.
Nach der Auspack- und Kuchenschlacht beginnt der erlebnispädagogische Teil. Der Inscheniör bläst mit Helm und Outdoor- Survival-Outfit zum Abmarsch. Hierfür hat er die letzten zwei Tage im Wald verbracht, diesen gerodet, die Schatztruhe versteckt, Fragen in drei Schwierigkeitsgraden in Flaschen auf Bäumen aufgehängt und und und. Nur eine halbe Stunde später stehen Inscheniör und die weiblichen Rekruten wieder vor der Haustüre. Die Schatztruhe war leicht zu finden. Hätte der Inscheniör mal seiner Lehrerin über die pädagogische Schulter gucken müssen.
Und wie an jedem Geburtstag, spielen die Kinder am liebsten ohne elterliches Einmischen. Während der Inscheniör für die Kompanie gefühlte zwei Rinder vergrillt, köpfe ich mit Oma Karin und den Muttis, die abholen, den Champagner. Kindergeburtstage sind einfach klasse resümiere ich für mich als um 21 Uhr der letzte Gast gegangen ist. Mit dem Inscheniör muss ich heute nix mehr sprechen, der schnarcht mit dem Kater um die Wette.
