Love of my Life

Die Liebe meines Lebens heißt Costa, ist männlich, ca. acht bis neun Jahre alt, wiegt fünf Kilo und trägt ein grau getigertes Fell. Für mich könnte es deshalb auch Love him madly heißen.

Costa kam zu uns im Januar 2012 als ich die Hasi damals noch im Kinderwagen durch die Insektensiedlung schob.

Er schien frauchenlos zu sein und wir haben ihn mit nach Hause genommen. Ich dachte, Gott muss ihn mir geschickt haben. Glich er doch 1:1 dem letzten Kater namens Berti, dem die böse Bundesstraße den Garaus sechs Wochen zuvor gemacht hatte. Dieser war ein Streuner gewesen, der mir viel Nerven, unendlich schlaflose Nächte und einen Tierpsychologen gekostet hatte. Die vergangenen Wochen hatte ich in tiefer Trauer verbracht und dem Berti jeden Tag auf seinem Grab unter dem Fliederbusch eine Grabkerze aufgestellt.

Der Name des neuen Katers war schnell gefunden, nach dem B(erti)- Wurf kam der C- Wurf. Costa sollte er heißen, was perfekt auf unsere Katzendame Cindy passt. Da diese sehr pflegeleicht und spröde ist, halt ganz Frau, spielt sie in dieser Geschichte keine Rolle.

Der Findelkater verbrachte die erste Nacht in seinem neuen Heim in meinem Bett, welches er dankenswerter Weise gleich vollspeite. Egal, ein Blick aus seinen halbgeschlossenen Augen und ein zartes Miauen ließen mich zu einem willenlosen Geschöpf und ihn zu meinem ständigen Bettgefährten werden. Er hatte mich in seiner Hand oder besser gesagt: in seiner Pfote! Und bald die ganze Familie…

Damit Costa nicht ein weiteres Opfer der gefährlichen B 2 wird, die am Haus vorbeiführt, musste der Inscheniör für mehrere 100 Euros tagelang unser Grundstück verkabeln und elektronische Halsbänder aus dem fernen Amerika anschaffen. So konnte mein kleiner Schatz nicht mehr entkommen. Ausreiseversuche wurden umgehend mit einem Stromschlag a la 50 shades of grey bestraft.

Der Kater führt ein königliches Leben bei uns. Regelmäßige Streicheleinheiten…

und leckerem Futter inklusive, welches der Inscheniör teilweise auf seiner Grillstation zubereiten muss.

Wären da nicht nur unsere Urlaube, wo er sich sichtlich allein gelassen fühlt und den ganzen Tag jammert und miaut. Für Oma Luisegunde ist das die stressigste Zeit im Jahr, Costa so zu hegen und pflegen, dass kein psychischer Knacks zurückbleibt. Üblicherweise telefoniere ich jeden Tag mit ihm (Oma hält ihm den Hörer hin). Wie geht es denn meinem kleinen Costi, ist er denn schön brav und isst sein Schälchen immer leer?, so gurre ich im höchsten Sopran. Costa antwortet mir dann mit einem langezogenen anklagendem Miau! Bislang haben wir beide die räumliche Trennung auf Zeit gut hingekriegt und nur die Gewichtszunahme von einem Drittel seines Körpergewichtes ließen seine erlittenen seelischen Qualen erahnen.

Soweit so gut! Nach dem Bretagne Urlaub im August hat uns unser Sensibelchen förmlich was geschissen! Zehn Häufchen hat er gut verteilt ins Schlafzimmer, im Ankleidezimmer und im Flur dazwischen gesetzt. Welch große Sehnsucht muss mein kleiner sensibler Ashley wohl gehabt haben? Nachdem der stinkbeleidigte Kater jedoch in derselben Nacht um vier Uhr früh wieder einen Haufen hinters Ehebett setzt, wir wegen des Gestankes im Gästezimmer weiter nächtigen müssen und mir das neu gekaufte Pheromonspray für verhaltensauffällige Katzen über 50 Flocken kostet, bekommt meine Liebe zu ihm die ersten Risse.

Bin ich etwa zu vertrauensselig und blind gewesen?, frage ich mich letzten Samstag zwischen Mitternacht und ein Uhr nachts als der Inscheniör und ich den Ausreißer mit Taschenlampe und Fahrrad in der Insektensiedlung suchen. Der Inscheniör hatte das neue 50 shades of grey Halsband wohl etwas zu locker gestellt, was dem Kater gleich zum Stiften veranlasste. Nach einer Stunde geben wir auf und gehen ins Bett. Du Inscheniör, so flüstere ich ihm zu, ich mache mir solche Sorgen um Costa! Ich auch, so antwortet er mir mit erstickter Stimme. An Schlaf ist nicht zu denken. Inzwischen ist es 3.30 Uhr, es regnet und die Tropfen klopfen erbarmungslos an das Schlafzimmerfenster. Oh mein Gott, an welchem klammen und nassen Ort muss mein Kater wohl ausharren? Vielleicht braucht er Hilfe? Was bin ich nur für eine trainiert unsensible Katzenmama, die gemütlich im Bett liegt?

Ich schwinge meine Füße aus demselbigen, schlüpfe in meine Doris Day Puschen und ziehe über mein altes Lieblingsnachthemd mit der Aufschrift Naschen erlaubt! den neuen stylischen gelben Regenmantel im bretonischen Look. Mit Taschenlampe bewaffnet ziehe ich erneut meine Runden durch die Siedlung. Inzwischen ist meine Stimme heißer vom Costa! Costa! Rufen. Zwischen den Tränen und Regentropfen mischt sich inzwischen Wut über den Ausreißer. Einen letzten Versuch starte ich, indem ich die alte Spielburg von der Hasi hinaufklettere. Umsonst, auch da ist der Kater nicht. Ich gebe das Suchen auf und überlege, wie ich am sichersten wieder hinunterkomme. Ah, die Kinderrutsche! Die hat ja Kindermaße, da bremst mein kapitaler Hintern von selbst!, so überlege ich übernächtigt. Weit gefehlt! Die Rutsche ist nass, mein Körper nimmt volle Fahrt auf und ich lande abrupt im nassen Grass. Aua, das hat wehgetan! Ich habe mir den Bürzel geprellt und bin zudem nass bis auf die Unterhose. Unter Schmerzen quäle ich mich ins Bett. Ich kann kaum liegen, geschweige denn sitzen und an Schlaf ist nicht mehr zu denken. Es ist sechs Uhr morgens als ich Costa mit stolz erhobenem Schwanz und zufriedenem Gesichtsausdruck die Hofeinfahrt hineinstolzieren sehe. Sein Abenteuer scheint gewinnbringender als meines gewesen zu sein. Zufrieden rollt er sich in seinem Sessel ein und schläft. Na warte Bürschchen, so koche ich innerlich, die Thunfischsteaks sind erstmal gestrichen! Und wenn das nix nützt, bring ich dich eigenhändig zum Tauschparkplatz für ungezogene Katzen irgendwo bei Katzwang!! Oder ich mach mir aus dir gleich neue Hauspuschen aus Echtfell!!!

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