Des Mannes liebstes Spielzeug

Also angefangen hat alles vor drei Wochen, Samstag früh im Baumarkt, wo sich der Inscheniör gerne rumtreibt. Dorten hat er den Bobsi, den Mann von einer Montechauffeussen Mama, getroffen. Dieser war im Begriff sich eine Rösle Gasgrill Station zu kaufen, der die ordinäre Einbauküche und die dazugehörige Köchin gerade zu überflüssig werden lässt. Darüber hinaus löste Bobsi tausende von Treuepunkten, gesammelt bei Edeka, ein, und machte diesen polierten Edelstahlgourmettempel zu einem erschwinglichen Erlebnis. Am selben Abend noch, als ich die Hasi da abholte, brutzelten in der milchigen Abendsonne bereits die Bratwürstchen auf dem Grill, die Bobsi liebevoll mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck wendete.

Der Inscheniör ist angefixt und sofort spult er das ganze Programm ab: Preis- , Qualitäts- und Testvergleiche. Innerhalb einer Woche wird er zum diplomierten Grillmeister. Auch mich informiert er umfassend: Der Rolls Royce unter den Grills ist der Napoleon, eine kanadische Marke. Den hat Sandkastenfreund Bohänsel, Sohn des größten Landwirts der Umgebung. Weber hat mafiöse Strukturen und das Zubehör kostet ein Vermögen in Deutschland. Der Inscheniör entscheidet sich für Rösle Videro, Platz 4, die solide Mittelklasse. Bei Ankunft des neuen Gourmettempels stellt der Inscheniör beim Montieren einen neuen Weltrekord auf.

Des Foto stellst jetzt ned in Facebook, so knurrt er, ich will den A. gleich selbst damit überraschen, wenn ich fertig mit Aufbauen bin. Der Siemenskollege A., der auch die gleichen Chinohöschen trägt, hat selbstredend den selben Gourmettempel geordert. Wer schickt also wettbewerbstechnisch das erste Foto worldwide???

Oh, ein neuer Grill?, staune ich, als ich Lauffreundin S. abholen will und vor der Tür ein riesiges Paket wartet. Genesis 2 von Weber, zwitschert sie. Du Inscheniör, so zwitschere ich gleich beim Heimkommen zurück, der M. hat einen neuen Weber Genesis 2! Er kontert umgehend: Meiner hat mehr Features und außerdem hab ich noch ne sizzle Zone …. 

Ist der Kauf einer Edelstahlgrillstation eine Art Schwanzverlängerung im Sommer 2018?, so frage ich mich. Der Inscheniör bereitet sogleich akribisch unser Abendessen vor. Das neu erworbene Zubehör (Treuepunkte bei Edeka) glitzert in der Sommersonne und der eigentliche Akt kommt einer Philosophie gleich und ist eine ganz andere Hausnummer als auf nem Kohlegrill mal ein Steak zu wenden, werde ich belehrt.

Nach 20 minütigem Sizzlen, zehnminütigem Tranchieren und fünfminütiger Fotosession können wir endlich essen. Ich lobe meinen Inscheniör über Gebühr. Bin ich doch ein schlaues Frauchen und weiß, dass die Kosten- Nutzenrechnung immer ganz oben steht. Er wird sich grilltechnisch bis ins kleinste Detail informieren und mich als Köchin überflüssig machen…

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