Was tut man, wenn es auf einer Sonneninsel regnet? Ganz klar, man besucht eine Rum Destille, die einzige auf dieser Insel. Zuerst gibt es eine Führung durch die ehemals feudalen kolonialen Parkanlagen und der jetzigen Brutstätte der Teufelsdroge „Alkohol“. Das besondere Highlight: man darf das Zuckerrohr durch die Touristenpresse schreddern. Brav schießt die Gruppe ein paar Fotos auf ihren Handys. Endlich können wir uns nach einer Stunde Bildung dem Rum Tasting widmen. Unter uns: der Inscheniör und ich mögen lieber einen Grappa, aber als Mitbringsel für die daheimgebliebene Verwandtschaft tut er es allemal.
Nach der Verkostung scheint das Wetter kurzzeitig etwas besser zu sein oder ist es nur die Einbildung in unseren vernebelten Rum Sinne?

In unserem Retortenressort schenken wir uns erstmal ein Gläschen Cidre ein, sozusagen als Neutralisation des eben getrunkenen Fusels. Die Wolken hängen schwer über Mahe und nur die eisernen russischen Pauschalis tummeln sich mit ihren tätowierten Körpern am Pool.
Was tun? Das Wetter lädt zu einer Kanutour ein, so hat der Inscheniör wenigstens keine Sorge wie ein Hummer unter der sengenden afrikanischen Sonne niederzubrennen. Aber Vorsicht ist allemal angesagt: am Kopf trägt er seinen Tilleyhut LFS 50, die halblangen Badehosen sind ein Relikt des letzten Bretagne Urlaubs (Original Tricolore). Der optische Overkill gipfelt in dem Schwimmshirt aus Thailand (für 9 Spareuronen von Amazon Prime in xxs). Ich kann mir nicht verkneifen anzumerken: Na, hat deine Mutter ihren farbenfrohen Ballonseidenjogginganzug anno 1995 mal kurz umgenäht!!
Schnell sind die Schwimmwesten angelegt und das Kanu sticht in den wilden indischen Ozean! Don’t go near by the reef, it‘ s dangerous. Go straight ahead!, so schreit uns der Mann am Verleihstand hinterher. Bereits nach 3 m auf hoher See und geschätzter Tiefe von mind. 1,20 m hyperventiliere ich: Inscheniör, ich hab Angst, lass uns umdrehen!!! Bezahlt ist bezahlt, so knurrt er unsensibel und sticht weiter in die Untiefe. Wie ein paralysiertes Karnickel gebe ich jedwelche Ruderbewegung auf und warte auf das nahende Ende. Meine Tochter, ganz ihr Vater, rammt mir ihre spitzen Ellebogen ins Kreuz bevor sie jubiliert: Papa, gib Speed und schmeiß die Mama raus, dann holen wir uns einen Zweisitzer!!! Et tu, Clare, so antworte ich im Geiste. Da ich ja anpassungsfähig bin, rudere ich bald in Galeerestrafmanier eins links, eins rechts im Takt. Fehlen nur noch die Bongotrommeln, die meinen Ruderrythmus gleichmäßig schlagen lassen. Der Inscheniör übernimmt die Steuerung und biegt nach 1000 m hoher See in die Mangrovensümpfe ein.

Sogleich überfällt mich wieder Panik, vor meinem geistigen Augen tauchen in diesem Salzwasserbiotop Krokodile, Hippos oder zumindest Stechfliegen der gemeinsten Sorte auf… und der Sprühregen lässt auf meiner Sonnenbrille nur Schlieren erkennen. Plötzlich nimmt hinter uns ein Speedboot die Verfolgung auf. Beachte den Typen nicht weiter, so gibt mein Kapitän die Order, der will uns nur was verkaufen!! Das Speedboot hat uns bereits eingeholt und macht eine Vollbremsung vor unserem Kanu und bringt dieses fast zum Kentern. Wir erkennen den Typen vom Bootsverleih, der uns entgegenbölkt: Don’t drive into the Mangrove… you can only go there on a guided tour!!
Hab ich es nicht gleich gesagt: gerade noch mal mit dem Leben davon gekommen! Der Bootsverleih Mensch eskortiert uns in sicherer Reichweite und hat wahrscheinlich die Schnauze voll von Touristen, die machen, was sie wollen. Auf jeden Fall war das genug an Abenteuer. Heute waren wir wieder an unserem einsamen Lieblingsstrand und haben eine Kolonie von Taschenkrebsen gegründet! Genug der Aufregung im Urlaub auf einer Sonneninsel!
Gerade nochmal gut gegangen…Aber: Ihr wart im Indischen Ozean Paddeln… Und auf jeden Fall wart ihr fast in den Mangroven-Sümpfen… Und DAS zählt!!!
Liebe Grüße. Daggi M.
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Übrigens, hoffe, du hast für mich nen kleinen Rum mitgetrunken…
Auf dein Wohl!💋💙
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