Das ist Wap!

so tönt die Hasi schon morgens früh gut gelaunt und schiebt auf dem Weg zur Schule die CD in den Player im Auto. Zu hören ist ein christliches Geheule Jesus ist Hoffnung der Menschen“, welches sie mit  dem Schulchor in der Vorweihnachtswoche aufführt. Im Nachspann erfolgt der lang ersehnte Sprechgesang. Er hört sich nicht ganz so an wie der Wap von den Wappern aus der fernen East- und Westcoast. Ich verschließe meine Ohren. Zu sehr wird mir meine Konfirmandenzeit in den 80ern im Jugendhaus mit holzvertäfelten Wänden, grünen Holzstockbetten, Stockbrot und Etagenduschen vor Augen geführt. Ich schmecke lauwarmen Hagebuttentee ohne Zucker.

Mittags geht es musikalisch schon mehr zur Sache. Schulfreund P., der die lateinischen Fachbegriffe der deutschen Grammatik besser kennt als meine 9. Klässler, versucht vergeblich auf Claras bzw. das alte Handy vom Inscheniör, Rockstein zu schreiben. Weil das, so Clara, ist voll hart, das hört der Henry. Ich tippe Rammstein ein. Sogleich entreißt mir meine Tochter das Handy  und verzieht sich mit P. in ihr Zimmer. Der Schlüssel dreht sich im Schloss und es wummert der Lautsprecher des alten windows phone auf volle Pulle. Wie mag das erst in der Pubertät werden? Es gibt gottseidank nur eine Pubertät. Das haben heute meine lernwilligen Schüler im Duden nachgeschaut: Pubertäten würden die Tauschparkplätze der Republik zum Erliegen bringen!

Aha, es folgt ein Rollenspiel im Anschluss: Clara holt sich die Gerte… ich bin die böse Besitzerin…höre ich sie mit einem Ohr sagen. Welche Rolle muss wohl P. spielen? Jetzt aber erst mal zu Ballett, das hasst die Hasi total und ist voll dumm! Ist mir aber wurscht, ab und zu muss ich mich schließlich auch mal durchsetzen.

Heute abend schleppe ich den Inscheniör zu einer Lesung. Der aufmerksame Leser weiß, wohin es geht. Es liest Sven in Nürnberg aus seinem neuen Buch „Wiener Straße„. Das ist der, der mal gefragt hat, wieviel Erdbeereise man essen muss. Seitdem habe ich unzählige Erdbeereise gegessen und bin inzwischen ein Erdbeereisgeschmacksspezialist geworden. Unter uns, das Durchschnittserdbeereis ist auch nicht mehr das, was es mal war. Der Erdbeergeschmack kommt nicht von der genannten Frucht, sondern von Schimmelpilzen und Holzspäne. Kann man nach googeln. Bin einer Mogelpackungen aufgesessen mit Nachgeschmack im Abgang.

Nichtsdestotrotz freue ich mich auf Sven und einen Ausflug in die 80er als es noch die Mauer in Berlin gab, West und Ost, Punker und Popper, die Grünen cool und die CDU doof waren. Da waren die Grenzen wenigstens klar definiert. Und mein Inscheniör ist gerade kuschelweich im Abgang und ich weiß, er würde den Freitag lieber zuhause bei The Walking Dead vorm riesen TV verbringen. Aber hin und wieder ist halt doch ein bisschen Beziehungsarbeit angesagt.

So, dann hoffe ich mal auf einen gelungenen Abend, so dass ich weiß, wofür ich morgens aufgestanden bin.

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