Crocodile Dundee an der Appiano sulla strada del vino

Der Inscheniör, die Hasi und ich sind schon voll europäisiert in den Sommerferien: erst Frankreich, dann Italien, genauer gesagt  Eppan, Südtirol. Der Inscheniör ist inzwischen mehr als großzügig, denn er ist in einem Alter, wo die Ansparphase vorbei ist und er das Geld wieder dem Wirtschaftskreislauf zuführt.

Mit im Gepäck haben wir Oma Karin und Onkel Heinz aus Australien. Letzterer ist der ältere Bruder meines Vaters, er zählt 86 Lenze, der Rhett Butler, ich hab ihn hier schon mal erwähnt. Schon die Hinfahrt ist spektakulär: Stau über Stau! Nach dem Grenzübergang in Reutte entscheidet sich der Inscheniör für die off Road Variante: das Imst Joch. Wir staunen nicht schlecht: Schnee und Kühe auf der Straße. Mein Patenonkel ist begeistert- sein erster Schnee seit 1975.


Nach neun Stunden mit Schnee, Wind, Kehren und versunkenen Dörfern sind wir endlich da. 


Das Hotel gefällt, beim Abendessen nimmt man schon vom bloßen Anschauen zu und die Betten sind zwar hart, aber machen offensichtlich keinen Rücken. Oma Karin ist auch zufrieden. Zum Frühstück mampft sie munter drei Brötchen rein. Das sind 30 Punkte. Da darf ich heute nix mehr essen , so kommentiert sie danach und legt besorgt ihre Stirn in Dackelfalten. Aber Urlaub ist schließlich Urlaub und ich verrate meine Mutter nicht bei den Weight Watchers. Nicht dass ihr die Goldmitgliedschaft entzogen wird und die vom Mund abgesparten Punkte nix mehr wert sind.

Schon am ersten Tag beim Weinfest in Girlan bekommen wir Besuch von den beiden As. Der eine A. ist ein alter Freund vom Inscheniör. Es ranken sich sagenumwobene Geschichten um A. , dem Beichtkameraden und dem Inscheniör: das legendäre Dreiergespann. Jeder von den dreien hat die martialischen Fotos in seinem Album: A. steht unten, rank und schlank, das hautenge Designerunterhöschen mit Eingriff bis knapp unter die Achselhöhlen gezogen, auf ihn der Beichtkamerad und ganz oben der Inscheniör, natürlich alle schwarzgewändert, schließlich waren es die 80er. Das Bild erinnert mich immer an die Bremer Stadtmusikanten: Esel – Hund – Katze und zum Schluss der Gockelhahn. Ich lasse an dieser Stelle mal den Bezug zu der Tierwelt unkommentiert. A. ist nämlich a Gscheiterle, eloquent und sprachbegabt. Da verzeiht ihm seine Freundin A., die ebenso beredsam ist, dass er die Stocknägel der ganzen Region aufgekauft hat und sie händisch in seinen Rübezahlstock klopft. 

Nach zwei Tage sind wir fast zu einer Patchworkfamilie zusammengewachsen – oder zu einer Großfamilie: Onkel Heinz kennt im Hotel inzwischen jeder! Wir wandern gemeinsam am Mendelpass, überraschen uns in Eislöchern und hecheln  in der sengenden Mittagssonne am Kalterer See! Die Hasi ist zufrieden, solange man sie nicht eine wehleidige Prinzessin nennt, wir ihre Pferdchen sind und ihr Papa an jedem Souveniershop ein Andenken für sie kauft. 

Onkel Heinz haben wir insgeheim schon zum Wanderkönig erkoren. Mit seinen 86 Jahren erklimmert er die Gipfel wie eine Gemse, zwei Bierchen zwischendurch helfen als Treibstoff! Der Höhepunkt unseres Generationenurlaubs findet in einer Weinverkostung in Eppan statt. Wir haben uns einer Busreisegruppe aus dem Hessischen angeschlossen. Oma Karin und Clara sind im Hotel geblieben. Beide trinken keinen Wein. Ich bin ganz froh darüber, dass ich nicht den gestrengen Bilcken meiner Mutter ausgesetzt bin angesichts der diversen Gläschen über den Tag verteilt. Da bin ich plötzlich wieder Kind mit fast 50. Der Kellermeister gibt sich launig bei der Führung: Ein Südtiroler trinkt kein Wasser, sonst wird er stumm! Das Buspublikum – größtenteils bestehend aus Rentnerehepaaren, lustigen Witwen, Zurückgetriebenen in kurzen großkarierten Hosen und uns –  lacht brav. Nachdem der Pflichtteil rum ist, geht es endlich zur Verkostung: fünf Sorten werden kredenzt! Bei jeder Rebe werden die Sprüche des Kellermeisters schlüpfriger: Lagrein in der Blutbahn biste sexy wie ein Truthahn. Palim palim! Etwas weinselig machen wir uns auf den Heimweg. Wo um Himmelswillen ist denn Onkel Heinz abgeblieben? Oha! Er steht umringt von einer gurrenden Witwengruppe – fünf an der Zahl! Sie wollen ihn gar nicht mehr los lassen. A. und der Inscheniör – um Jahrzehnte jünger – sind blass vor Neid als sie tuscheln: Hast du das gesehen nur mit Blicken hat er beim Trinken fünf Babes klargemacht! 

Und wir sind uns alle einig: Onkel Heinz ist der Beste und Crocodile Dundee dagegen nur ein tröger Krokdilstreichler!

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