Hey, so lautet die Botschaft von Andreas Bourani zumindest im übertragenen Sinne, wenn er singt: komm nicht auf Scherben zum Stehn! Ich bin mit meinem Inscheniör, Lore und deren Gatten in meiner Heimatstadt beim Open- Air- Konzert auf dem Schlossplatz. Heute Abend spielt Andreas Bourani. Er hat ganz viele Bushäuschenlieder geschrieben, die die Hasi und ich in meinem Mini hoch- und runter hören. Was ist ein Delirium?, so fragt sie immer, wenn das betreffende Lied kommt. Das ist, wenn du im Bushäuschen sitzt und du nicht weißt, ob der Bus planmäßig fährt oder der Busfahrer streikt! Äh, nein natürlich nicht. Also, Delirium ist, wenn du nicht mehr bei klarem Verstand oder Bewusstsein bist! Die Hasi gibt sich mit meiner Erklärung zufrieden, man muss schließlich nicht alles verstehen, was man singt.
Heute Abend sitzt aber keiner von uns in irgendeinem Häuschen. Es ist ein lauer Sommerabend. Wir haben es uns im Rondell inmitten des Schlossplatzes bequem gemacht bei Bier und Ballaballa. Lore und ich essen die bunten Zuckerschnürre jeder von einem Ende ab. Wer ist wohl schneller in der Mitte angelangt? Als es langsam dunkel wird, fängt es an: Wir sind wieder am Leben. Das Publikum geht sofort mit. Dooferweise hat sich zwei Meter vor uns ein Pärchen, welches haargenau genauso groß ist, positioniert.
Der Inscheniör will sich nicht geschlagen geben. Er nimmt kleine Kieselsteinchen und zielt in Richtung des Pärchens. Hörst du auf, zische ich. Besser wir schicken Lores Mann zu dem Pärchen! Dieser singt mit geschlossenen Augen- vor allem laut. Auch wenn Bourani nur ab und an links und rechts aus der Zuschauermenge auftaucht, der Stimmung tut es keinen Abbruch. Auch der Sänger gibt sich launig: Hallo Coburg! Meldet euch! Wer ist aus Coburg? Ich wedle fröhlich mit dem Arm. Wer ist aus dem Umland? Erfurt? Nürnberg? Der Inscheniör wedelt jetzt. Auch das Riesenpärchen meldet sich. Allmächt!, mein Mann schlägt die Hände über seinem Kopf zusammen angesichts der gleichen lokalen Herkunft.
Ich genieße den Abend, nahe bei meiner Veste in schöner Kulisse mit Ehrenburg und Hofgarten. Und weil ich ja inzwischen wirklich mittelalt bin wie mein Heimatstädtchen sauge ich die leicht schwülstigen Lieder in mich auf …wir sind füreinander gemacht.. wenn wir bei uns bleiben, kommen wir überall hin…alles beim Alten…zwischen leise und laut…ein ewig Suchender sein…was tut dir gut, wo gehörst du hin, weißt du wo deine Wege sind?
Für so nen jungen Kerl hat Bourani schon viel an Lebens- und Liebesweisheit gefunden. So ist das wohl heutzutage, das Karussell dreht sich schneller als früher. Und mit dem Astronauten heb ich ab, nichts hält mich am Boden, die Bushäuschen, Häuser, Ehrenburg, Hofgarten und Veste sind blass und grau, ich seh die Welt von oben und hab Zeit und Raum verloren.
