Reimes II : letzter Urlaubstag

https://m.youtube.com/watch?v=c_0sjMg-yRw


Ich sitze mit dem Inscheniör an unserem letzten Urlaubstag an der Kathededrale in Reims und wir trinken einen kleinen Aperitif. Die Hasi  jagt Tauben auf dem Domplatz, wenigstens für 5 Minuten haben wir Ruhe. Wir resümieren den Urlaub und ich komme zu dem Schluss, dass die Clara einen echten Entwicklungsschub gemacht hat. Der Inscheniör fragt: In welchem Bereich? Ich zucke resigniert mit den Schultern: In Anarchie und Provokation? 

Gegenüber von und sitzt ein deutsches Studentenpärchen. Ich spitze die Ohren, keiner ahnt hier an diesem Ort, dass wir Deutsche sind. Der Inscheniör beobachet genau. Der junge Mann trägt Nickelbrille und ein Kommunistenkäppie, wie der Typ bei Dr. Schiwago (also der erste Mann von Lara, nicht der Doktor). Ein Blick auf die Hände reichen: ASTA, Hände, die noch nie was gearbeitet haben, Philosophiestudent … oder sowas: 150 Seiten hat dieser in zwei Monaten Semesterferien geschafft in französisch zuschreiben, eine von diesen ging ihm aufgrund der literarischen Tiefe sehr nahe. Die Studentin gibt sich problembehaftet und arbeitet ihre Familiengeschichte über die Generationen hinweg auf. Ich möchte ihr am liebsten über zwei Tische den Tipp geben: Lass gut sein, sonst bist du den Typen los, bevor es überhaupt angefangen hat. Der Inscheniör rollt inzwischen die Augen. Ich setze nach:  Bei dir gebe es sicher auch einiges aufzuarbeiten mit deinem Vater. Inzwischen sind nur noch seine Augenäpfel zu sehen: Da muss nix aufgearbeitet werden, kann man eh ned ändern den Status quo!  Ich sinniere vor mich hin: Also mir tut Herr B. gut, der Arme, was er sich immer alles anhören muss.. Die Augäpfel sind immer noch nicht zu sehen als er mehr zu sich als zu mir sagt: Gar nix hast du, nur ein Frauengen. Ich bin mir da beileibe nicht so sicher.

Der Inscheniör ist zufrieden mit seinem belgischen Bier Leffe. Er resümiert: Frankreich ist schön , hat aber keinen Mehrwert. Es ist teuer, aber man kriegt nicht mehr dafür. Und für den Preis erwarte ich auch ein erstklassiges Englisch. Ich fand es auch schön, weil man viel entdecken konnte: angefangen von der deutsch-französischen Geschichte, über den Wind und das Meer bis hin zu den kulinarischen Herausforderungen. Und wenn ich wieder hier in Reims sitze, in dem gleichen Lokal wie vor zwei Wochen mit Blick auf das Karusell, dann freue ich mich auf zu Hause …

… auf meine Familie und meine Katzen und meine Freunde. Und ganz besonders freue ich mich auf die Lore, wenn wir bei einem oder mehreren Gläsern Wein die letzten zwei Wochen mit  unserem Frauengen wie folgt resümieren: Es ist wahrscheinlich wie Diabetes, man lernt damit zu leben! 


Ein Gedanke zu “Reimes II : letzter Urlaubstag

  1. Avatar von Daggi M. Daggi M.

    Wohin wird dein nächster Sommerurlaub gehen? Ich tippe mal auf Italien, einfach nur so… Da ist es mit der Speisekarte einfacher, weniger Wind, größeres Hotelzimmer, weniger Holländer…
    Vielleicht muss Reims‘ Kathedrale noch ein bisschen auf dich warten…

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