Fruits la mer

Der Inscheniör ist gestern bei seiner allmorgendlichen Joggingtour an einem Fischrestaurant vorbei gekommen. Da war wohl auf der Karte zu erkennen, das es das gibt,  was er auch immer am Gardasee zu speisen pflegt: nämlich frittierte Calamaris mit Pommes. Da kann man nicht viel falsch machen. Abends fahren wir ausgehungert zu dem Lokal. Tote Hose! Dafür brummt es in dem anderen Fischrestaurant an der Strandpromenade. Zielstrebig betrete ich dieses. Alles voll! Nach kurzem Warten bekommen wir einen Tisch und die Speisekarte gleich dazu. Puh, ich rutsche unruhig auf meinem Sitz hin und her, die gleicht einem Buch mit sieben Siegeln oder böhmischen Dörfern oder oder …Nehmen wir das fruit la mer als Menü zu zweit?, hilfesuchend schaue ich zum Inscheniör. Der gibt sich jovial: Können wir machen, aber du isst alles, was auf den Teller kommt! Ich lasse meinen Blick zu den umliegenden Tischen schweifen. Argh! Ich muss nicht lange suchen, drei Franzosen neben uns haben einen Waschkorb voll von Meeresgetier mit Greifarmen und Panzern unterschiedlicher Größe, Muscheln, glitschigen schwarzen Schnecken im Gehäuse und Undefinierbares auf ihrem Tisch. Dazu liegt eine Art Operationsbesteck parat, mit dem man durchaus eine siebenstündige Herz OP durchführen könnte. Ich komme schnell von der fruits de la mer ab und google heimlich unter dem Tisch die Überschriften der Speisekarte.

Nach kurzer Zeit habe ich vorsortiert: Ok, poisson steht für Fisch. Es werden folgende Arten angeboten: Lachs (esse ich daheim oft genug), Kabeljau (da muss ich zu sehr an die Nordsee denken, es reicht schließlich, wenn das Wetter hier schon ist, wie die) und noch zwei Arten, was Google nicht findet. Ich entscheide mich schlussendlich für einen Fischspieß und bin voll neidisch auf die Hasi, die sich das Kindermenü Nuggets mit Pommes bestellt hat. Da weiß man, was auf den Tisch kommt.

Der Inscheniör meistert die Klippen des Bestellvorgangs ohne Suchmaschine. Ganz der Gourmet der französischen Cuisine will er sich ein Menü zusammenstellen. Mit Crabe de la Mayonaise soll es los gehen. Er gibt sich weltmännisch: Das erste Mal haben der Günter und ich bei der Konfirmation beim Schaertels Wolfgang im Offiziersheim Krabben mit Mayo gehabt! Bei uns gab es sowas ned zuhause. Das schmeckt immer.  Die junge Kellnerin kommt zum Ordern und wir können danach nicht wirklich sagen, was auf unseren Tisch kommen wird.

Derweil lullern wir eine Flasche guten Sauvignon Blanc genüsslich in uns hinein, die Hasi spielt friedlich auf dem Handy. Ah, die junge Bedienung schiebt sich an unseren Tisch. Sie legt mir eine Art Rouladennadel und Nussknacker an meinen Platz. Dabei redet sie in einer mir leider nicht verständlichen Sprache: Crabe  de la mer? Ich schaue sie mit großen Augen an. Je mehr ich verzweifelter schaue, desto schneller redet das junge Ding. Irgendwann bin ich genervt und schlage mit den Fäusten auf den Tisch: Gebt mir ein Schnitzel!!! Die Bedienung gibt sich geschlagen und legt das Operationsbesteck dem Inscheniör an den Platz.

Dieser zischt mir nicht mehr sehr freundlich zu: Wenn wir jetzt in Asien wären, dann hätten die dich nicht mehr bedient… Bin aber ned in Asien, mir hängt gerade schon Frankreich zum Hals raus! Dafür kriegt mein Mann folgendes kredenzt:


Ich beobachte genau wie er diese dicke Krabbe, die ihn mit trostlosen Augen anstarrt, zerlegt. Das Innere des Panzers ist von schleimiger Konsistenz, die wirft der Inscheniör ganz schnell auf den Abfallteller. Die Beine puhlt er mit der Rouladennadel raus, es ist eine schnelle Angelegenheit bis die Krabbe entsorgt wird.   Mit dem Hauptgang haben wir beide Glück: ganz normaler Fisch mit Gemüse, Reis und raffiniertem Süßkartoffelpüree. Sehr lecker, allerdings sind die Portionen überschaubar. Ich lenke die Hasi ein wenig ab und klaue ihr die Pommes vom Teller, damit sich zumindest ein kleines Sättigungsgefühl einstellt. Morgen werde ich wieder selber kochen, genug der Experimentierfreude westlich des Weißwurstäquators!

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