Plouescat –  My heart will go on

Als ich gestern von Regentropfen, die an mein Fenster klopfen, geweckt werde, ist meine Laune nicht so dolle. Auch von innen rollen die Tropfen die Fenster hinunter. An der Wäsche, die draußen auf der überdachten Veranda am Ständer hängt, bilden sich kleine Rinnsäle. Böser, böser Regen und ganz gaanz böser Wind! Der nächste Schlag wie von einer Feuerqualle kommt bereits von der Eckbank. Da sitzt der Inscheniör und zeigt mir auf dem i pad schnuckelige und geräumige Ferienhäuser in der Region. Die sind natürlich ein Drittel billiger als unser überschaubares Haus mit Animation, Spaßbad und den Holländern. Die nächste Attacke lässt nicht lange auf sich warten. Der Inscheniör dreht die Heizung auf und legt zum Trocknen seine nassen getragenen Laufklamotten darauf! Will der mich jetzt umbringen??

Ich will sein wie das gestreifte Meereswürmchen und mich schnell in den Sand einbuddeln. Was tun, wenn es regnet? Wir haben die gleiche Idee wie ca. 3000 andere Urlauber. Wir besuchen das Ozeanarium in Brest. Es ist wie der Disney Film Findet Dorie: die ganzen Bewohner eines Korallenriffs schauen uns Besucher mit ihren Charakterköpfen irgendwie altersweise aus dem Glasbecken an. Ich transpiriere, mir ist eng und ich werde mit der Menge zu den verschiedenen Fisch- , Korallen-, Krebs- und Schildkrötenattraktionen geschoben. Clara ist begeistert, als sie im Touch Pool Seestern und -igel anfassen  darf… tja, where the fuck is Dorie? Der Film bringt den Unterwasserzoo auf den Punkt.

Weniger Begeisterung zeigt die Hasi beim Besuch des Le Château in Brest. Die Festung dieser Stadt beherbergt ein Marinemuseum. Hinzu werden geschichtliche Aspekte aufgeführt. Clara will lieber in der Stadt einen Spielzeugladen suchen, weil sie ihr Urlaubsgeld in die französische Volkswirtschaft pulvern möchte. Der Inscheniör und ich sind enerviert und spähen von der Festungsmauer Tauschparkplätze aus. Brest schauen wir uns nicht mehr an, da es im 2. Weltkrieg zerstört wurde und recht zweckmäßig wiederaufgebaut wurde. Übrigens waren die Bretonen als Seefahrer und Eroberer von neuen Welten sehr beliebt. Warum? Sie denken nicht an die Zukunft, so schreiben es zumindest die Geschichtsbücher.


Heute morgen werde ich von Sonnenstrahlen wachgekitzelt. Nach wetteronline verspricht der Tag 11 Sonnenstunden. Bloß nix verschreien, das Wetter in der Bretagne ist wie eine launische Diva. Aber heute meint sie es gut mit uns. Der Inscheniör sucht für seine zwei Weibsen die schönsten Strände in der Umgebung – Plouescat- das ist mehr als aufopferungsvoll, nimmt er doch nach einer halben Stunde intensiver Sonneneinstrahlung die Farbe eines Hummers an!  


Der Strand verspricht alles, was einen schönen Urlaubstag ausmacht: türkisblaues Meer, feinster Sand, Felsen zum Klettern und und und … Der Inscheniör und die Hasi erkunden die Kletterfelsen. Ich lege mich in die optimale Sonnenanbeterposition und lasse zwischen meinen Fußzehen den Sand rieseln…nicht lange währt die Stille: da koscht kei FGAGA mache, wir sind ned im Oschte! Argh … was noch weitaus schlimmer sind im Urlaub als die Holländer, das sind die reiselustigen Schwaben aus dem Ländle. Ich erhebe mich und lasse bis mich bis zu den Knien vom Atlantikwasser fluten. Oh Gott, ist das kalt! Egal, die Sonne lacht immer noch vom Himmel. Nach zwei Stunden gehen wir. Im Auto drehe ich den französischen Radiosender lauter. Es läuft Despacito. Der Inscheniör schaut mich an. Bevor ich was sagen kann, antwortet er mir: Ich weiß, du machst Zumba zu diesem Lied! So ist das wohl, wenn man schon lange Zeit beieinander ist, man versteht sich bislang auch ohne Worte!

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