Es waren einmal 18 Wackerle, die lebten lustig und vergnügt in einem dunklen Wald nahe New Church. Sie waren vollgefressen und äußerst vergnügt, da ihre Dompteurin sie regelmäßig mit leckeren süß-sauren Regenwürmern verwöhnte. Doch eines Tages war die Kuschelpädagogik vorbei, als ein besonders vorwitziges Wackerle seinen Kaugummi durch seine zwei gewaltigen Vorderzähne spotzte und dieser genau vor der Dompteurin landete. Da platzte ihr der Geduldsfaden und sie schrie so laut: „Jetzt reicht’s mir“, dass die zwei kleinsten Wackerle Jack and Kev verschreckt ihre selbstgebastelten Filzstiftjets aus der Hand fallen ließen. Sprach’s und verschwand durch die Wand!
Jetzt waren die 18 Wackerle plötzlich allein auf sich gestellt. Es war totenstill, selbst die zwei Hinterbänkler, die seit Beginn des Schuljahres eine intensive deutsch-polnische Freundschaft pflegten, stellten ihre störenden Klopfgeräusche ein. Ein besonders cleveres Wackerle – namens Schlaubi, sprang auf den Tisch und versuchte sich Gehör zu verschaffen: “Ich habe einen Plan, wie wir unsere Herrin wieder zurückgewinnen werden.“ Keiner hörte ihm zu. Eine besonders nett anzuschauende Wackerledame strich sich gelangweilt ihre lockige Mähne aus der Stirn, währenddessen ihre Nachbarin ihre frisch lackierten Fingernägel bewunderte. Schlaubi ließ nicht locker, er zog seine grün gewänderten Beinkleider aus und schwenkte diese wie eine Fahne durch die Luft. Das wirkte! „Also, wir müssen drei Wackerlehaare anzünden und den Ruß in den Wind streuen, dann kommt die Dompteurin zurück!“, so sprach er. Wackerle Fee, der meist mit den zwei Hinterbänklern eine bleibende Verbindung einging, meinte: „Ich weiß noch nen tollen Zauberspruch dazu: ritsche-ratsche- rutsch bring uns wieder die Alte mit der Warze –flutsch. Aber darf ich mal auf’s Töpfchen gehen?“
Die Wackerle raunten beunruhigt. Wer sollte seine Haare opfern? Eine Wackerle Dame – so weiß wie Schnee mit ein paar Sommersprossen warf nervös ihr ebenholzfarbenes Haar zurück. Ihre Nachbarin kicherte findig: „Ich hab’ nen Hund, der ist nicht besonders schlau, den könnten wir rasieren.“ „Vielleicht können wir sieben Blumen pflanzen, ich hab da Beziehungen“, meinte das Wacker Riedle und beschmiss ihre Nachbarin mit Papierkügelchen, damit sie aufwachte. Verschreckt und mit großen Augen schüttelte sich diese sprachlos. „So ein Schwachsinn“, trumpfte ein besonders listiges Wackerle auf. „Was brauchen wir die Alte. Jetzt sind wir frei, müssen keine süß-sauren Regenwürmer mehr fressen, sondern können endlich unsere Frigo-Brause mit Röhrchen durch die Nase ziehen, wie die großen Rapper in den fernen Kontinenten!“ Dabei kratzte er sich selbstbewusst an seinem Iro. Das erweckte nun endlich die Aufmerksamkeit von Schaffott-Wacker! Gelangweilt schob er seine schwarze Kapuze nach hinten, zurrte seinen blonden Scheitel mit der Füllerkappe fester und sprach mit halbgeschlossenen Augen: „Mag schon sein, aber so kriegen wir unser Mahl umsonst, wir sollten die Alte zumindest noch ein Jahr zurückholen, dann sehen wir weiter!“ Die Wackerlegemeinschaft hoppelten inzwischen unruhig hin und her. Eine andere Wackerledame mit einem großen Sinn für Gerechtigkeit und fernöstlichen Federzeichnungen flüsterte: „Wir sollten abstimmen!“ Gesagt-getan! Das Ergebnis wurde auf einer großen roten Tontafel verlesen. 17 zu 1 Stimmen wollten die Herrin zurückholen. Aber wie? Schlaubi ergriff wieder das Wort und ließ seine 48 Zähne aufblitzen: „Wir nehmen den Zauberspruch von Fee, drei Haare von dem vorwitzigen Wackerle und zünden dieses an!“ Von hinten kam der Meister der Fische mit seinem treu ergebenen Gesellen angehopst und meldete sich eifrig zu Wort: „Legen wir noch drei black Mollys obendrauf, dann raucht’ und stinkt es besonders!!!“ Sein Geselle nickte zustimmend.
Gesagt – getan! Der kleine Vorwitzige wurde enthaart, die Fische geopfert und der Zauberspruch aufgesagt. Rabauz-rabumm eine riesige Kugel schwebte plötzlich im Raum. Darin saß die Dompteurin. Links hielt sie entspannt ein Cocktailglas in der Hand, zwei Erdmännchen fächerten ihr Luft zu. Sie nahm die Sonnenbrille ab und sprach: „Wenn ihr glaubt, dass ich in das öde New Church zurückkehre, dann habt ihr euch geirrt. Ich habe hier in der Wüste Namib eine neue Erdmännchenklasse übernommen, die sind für jeden Grashalm dankbar!“ Sprach’s und verschwand wieder durch die Wand!
So blieben die 18 kleinen Wackerle allein zurück, tapfer versuchten sie sich mit den Früchten des Waldes zu ernähren, gaben aber bald auf und krochen zur Untermiete bei einem bösen Zwerg unter, wo zwar die Verpflegung gut war, der ihnen aber von früh bis abends den Marsch bließ. Wenn man des Nächtens durch New Church geht, hört man die Wackerle leise fiepen und den guten alten Zeiten nachweinen! Und wenn sie nicht gestorben sind, dann fiepen sie noch heute.