Pater Ralph de Bricassart war noch schlimmer

https://www.youtube.com/watch?v=j-6J-1V6_Og

als Ashley. Das habe ich heute bei Herrn B. gelernt, so appe ich meiner Freundin Lore, die gerade ca. 800 km südlicher aber gefühlte Lichtjahre von mir weilt.  Das stimmt… und als er das kapiert, nippelt er ab im Rosengarten hihi, so schreibt sie mir Stunden später zurück. 

Ich muss kurz ausholen. Ich bin heute seit längerem mal wieder bei Herrn B. und lese ihm aus meinem Blog vor. Bei meinem Beitrag vom Ashley Syndrom bleiben wir hängen. Ich mag den geistigen Austausch mit ihm, er kann super Vergleiche aus der griechischen Mythologie, aus Wagner Opern und hin und wieder auch aus dem Tierreich zu aktuellen Lebensthemen ziehen. Heute liegt zumindest Eros nicht im Keller und es springt auch kein Bock die Treppe hoch. Also Scarlett, so schaut Herr B. hinter seiner Lesebrille hervor, war eine starke Persönlichkeit, lebenslustig und – praktisch. Sie war die Lilith- eine Amazone und gleichberechtigt. Melanie (die fade gutmütige Cousine, die Ashley heiratet) stellt Eva dar- unterwürfig! Eine Eva hat dem patriarchischen  Adam nicht gereicht, aber Lilith war ihm letztendlich zu selbstständig. Ich schaue Herr B. mit großen Augen an, es gab neben Eva eine Lilith? Allerdings nur im Talmud, in der Bibel wurde Lilith verschwiegen … angeblich wollte sie beim Sex immer oben liegen, das selbstbewusste Luder! Was schließen wir daraus: vereinige Hexe und Heilige in einer Person?!

Aber Scarlett war auch besitzorientiert, resümiert er weiter, das Land hieß Drogheda… Stopp Herr B.: hier sind wir an einer anderen Baustelle! Meine Zeitmaschine rattert 30 Jahre und mehr zurück und bleibt bei meiner ehemaligen Freundin S. hängen, die hysterisch ins Telefon schluchzt: Pateeer Raaalph de Bricassart issst tooot! Na, dämmert es? Dornenvögel! Hab ich erst in der Wiederholung gesehen, bei der Erstausstrahlung musste ich demonstrieren, da blieb kein Platz für Sentimentalitäten. Irgendwie kennt man aber die Story trotzdem: der Pater, der für seine Karriere in der Kirche über Leichen geht. Er möchte gerne Papst werden. Innerlich ist er zerrissen zwischen seiner Liebe zu Meggie und zu Gott. Er kann sich  nie  so recht entscheiden. Wie das Leben so geht , wird die Frau schwanger. Erst als der gemeinsame Sohn mit 27 Jahren stirbt, erfährt der Pater, inzwischen Kardinal, von der Vaterschaft. Er stirbt im Rosengarten von Drogheda als er kapiert : von allen meinen Fehlern, die ich begangen habe, war der größte, dass ich mich nicht entschieden habe für die Liebe…

Da kann man jetzt echt Regenfässer voll heulen, watt’ne arme Sau, ein Leben voll verpasster Chancen und und und. Nein! Ashley war nur ein Weichei, aber Pater Ralph de Bricassart war berechnend! Das ist der Unterschied, der schwerer wiegt. Er hat nur für einen kurzen Moment in seinem Leben das heilige Kreuz abgenommen. 

Ihr müsst jetzt nicht denken, dass ich immer nur über banale Filme mit Herrn B. rede … und ich bin eigentlich auch ganz normal und mache,laut Herrn B., ein gutes Bild… ein bisschen neurotisch darf man ja sein, das weiß man ja seitdem es Woody Allen gibt.
 

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