Opa goes online

 

Als ich vorgestern Mittag nach Hause komme, passen mich Opa Adolf und Oma Luisegunde schon an der Garage ab. Beide sind in Erzähllaune: „Der Satts Reinhard (in Mittelfranken werden die Nachnamen zuerst genannt) hat den Opa am Internet schon gefunden“, so empfängt mich die Oma aufgeregt,“ ein zweiseitiger Artikel mit Bild als der Bürgermeister an seinem 85. Geburtstag da war und sein ganzes Lebenswerk ist dorten zu lesen“. Opa schaut dabei sehr zufrieden drein: „Da waren verschiedene Informationen über mich zu finden im Internet – sogar international.“ Ich nehme stark an, dass sein Musikkollege Satt mit seinem Smartphone gegoogelt hat. Beim Mittagessen ist Adolf auf jeden Fall schwer in Gedanken, als er versonnen sagt: „International – dann geh ich nach Japan!“ Luisegunde spuckt fast ihr Bohnengemüse auf den Teller: „Du bleibst mir schön da!“ In Opas Kopf wächst eine Idee heran: „Ich brauche auch so ein Handy, wo ich das kann…“. Ich muss an dieser Stelle anfügen, dass die beiden ein uraltes Siemens Handy haben, Opa die wichtigsten Telefonnummern händisch auf einen Zettel geschrieben und diesen dann hinten auf das Gerät geklebt hat.

Aber nun gut! Ich frage nach: „Willst du mit dem Handy auch telefonieren?“ „Ach wo,“ so entgegnet es mir. „Einen Computer, wo du auch schreiben kannst?“, hake ich nach. „Brauch ich auch ned!“ Aha, also ein Tablet!  Ein wunderschönes i pad von Apple, interaktiv, großes Display und, und, und. Der Inscheniör muss es richten, vielleicht kann die Hasi Opa Adolf einweisen, sie gerät da nach ihrem Vater. Unverzüglich rufe ich meinen Mann auf der Arbeit an und unterrichte ihn von den Plänen seines Vaters. „Was will der mit‘ nem Tablet. Da soll der Günter (der, der Bruder vom Inscheniör und ebenfalls Inscheniör ist) aus seinen drei alten Computern einen für den Opa zusammenbasteln!“ Ich signalisiere, dass der Opa bereit ist, dafür keine geringe Summe auszugeben. Der Inscheniör gibt klein bei: Ich bin mir sicher, dass er das nach fünfmal weggelegt hat, weil er nix damit anfangen kann. Aber dann kann es ja die Clara nehmen!

Ich glaube, man sollte Oma und Opa nicht unterschätzen. Clara durfte sich den Handspinner von ihrem Taschengeld kaufen, nachdem ich sie eine Woche mit täglichem Vorlesen gequält habe. Oma hat das sofort drauf gehabt, das Teil zum Rotieren zu bringen, während es bei der Hasi eher noch unprofessionellen Charakter hatte. Ich muss jetzt nicht erwähnen, dass der Spinner schon wieder seinen Platz auf dem Friedhof der Kuscheltiere gefunden hat. Sein Leben währte gerade mal 48 Stunden, was zumindest doppelt so lange wie das einer Eintagsfliege ist.

Opa Adolf hat meinem Blog einen enormen traffic (so heißt das) gebracht. Auch auf YouTube sind schon 41 views zu finden. In Facebook reißen die Kommentare nicht ab. Frauen im besten Alter kommentieren: „Ich bin ein Schwarzwaldmädl und liebe Zithermusik“! Aber am besten promotet sich Opa selbst. Als er heute seine Enkelin beim vereinbarten Treffpunkt von der Schule abholt, drückt er den zwei Montechauffeussen Mamas sofort seine zuletzt aufgenommene CD in die Hand. Als ich von der Schule nach Hause komme, steckt mir das Oma Luisegunde natürlich. Sofort witzele ich in unserem Chauffeussen Chat: „Und soll ich euch Autogrammkarten von Opa Adolf besorgen?“ Postwendend erhalte ich Antwort von der einen: „Der ist ja Zucker!“ und von der anderen „Ohjaa, er ist toll !!! Voll charmant, hat uns auch zu seinen wöchentlichen Biergartenauftritten eingeladen (danach folgen unzählige Herzchen Smilies …)“.

Deshalb nun für alle Mädels und all meine Bushäuschen Freundinnen da draußen:

 

 

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