
Ich habe Fischers Füße. Die kommen ursprünglich aus dem Sudetenland, der heutigen Tschechoslowakei. Sie konnten dort nicht bleiben und mussten auf Wanderschaft nach Coburg gehen. Die Füße meines Vaters sind dort geblieben und haben meine Füße entstehen lassen. Die anderen Fischers Füße meines Onkels hat es mit Frau und Sohn in das ferne Australien gezogen.
Aufgrund dieser Entfernung können sich mein Cousin und ich nicht oft sehen. Wir sind uns aber dennoch vertraut. Ein Grund dafür sind unsere Füße: die Fischers Füße. Sie sind von recht kleiner Größe, zeugen aber mit ihren kompakten Wadeln und den breiten Fesseln von Standfestigkeit. Der große Zeh ist dick mit einem breitflächigen Zehennagel. Die Größe des Nagels nimmt bei den weiteren Zehen proportional ab. Für den kleinen Zeh bleibt nicht mehr viel Nagel übrig.
Wenn mein Cousin und ich uns alle zwei Jahre sehen, bin ich überrascht, dass unsere Füße trotz des Älterwerdens noch ähnlich ausschauen. Seine Füße gehen 14000 km südlich ihren Weg und meine in den nördlichen Breitengraden. Auch wenn es die Füße meines Vaters in der irdischen Form nicht mehr gibt, stecken seine Wurzeln in meinen Füßen, die meines Cousins in denen seines Papas. Als Clara auf die Welt kam, habe ich auch zuerst auf ihre Füße geschaut, ob sie zu mir gehört. Und das tat sie, sie hat nämlich auch Fischers Füße. Die Füße meines fast 86 Jahre alten Onkels fliegen dieses Jahr noch einmal die 14000 km nach Deutschland, um seine verwandten Füße zu besuchen. Ich habe mir eine besondere Überraschung für alle Füße ausgedacht. Gemeinsam wollen wir eine Woche im Sommer nach Südtirol wandern gehen, denn das können Füße schließlich am besten.