
Es ist kurz vor den Osterferien und wir fahren gleich zu Beginn für ein paar Tage an den Gardasee. Zuvor muss ich natürlich packen und vor dem Packen waschen. Ich liebe es zu waschen. Wenn ich die Wäsche nach Farben und Schmutzgrad sortiert habe und die Trommel im gleichmäßigen Rhythmus schwingt, räumt mich das innerlich auf. Da bin ich fast ein bisschen zwanghaft. So ich schiebe die dunkle Farbwäsche in die Trommel und drücke auf Start. Das Wasser schießt ein, aber die Trommel dreht sich nicht mehr. Ich schreie sogleich nach meinen Schwiegereltern. Oma Luisegunde und Opa Adolf geben alles um das Siemens Modell wieder flott zu bekommen, doch vergeblich. Ich gerate leicht in Panik. Der Ingenieur, der von einem schweren Arbeitstag nach Hause kommt, muss es sofort richten. Doch auch bei ihm vergebens. Die gute alte Siemens ist dem Herz- äh dem Trommeltod gestorben. Da ich als Lehrerin schon immer gut Arbeiten verteilen konnte, bringe ich meine Wäsche schnurstracks bei den Freundinnen in der näheren Umgebung unter.
Doch wie schnell kriegt man ein neues Modell her, bei einem Ingenieur als Gatten, der bei einem Neukauf seitenweise Testberichte liest und mit Excel Tabelle die Preisunterschiede vergleicht? Ich erörtere das Thema per WhatsApp mit meiner Freundin Lore. Sie frotzelt:
Wirst wahrscheinlich du Schuld sein, dass sie kaputt ist, weil du das Waschen ned kannst.
Ich korrigiere sie, da ich bereits gebrieft wurde: Eine durchschnittliche Waschmaschine hält 12 Jahre! Unsere ist schon 18 Jahre alt, sie hat ihr Soll erfüllt.
Nehme an, er kauft einen geeigneten Ersatz deutscher Wertarbeit, die so komplex ist, dass nur er das Waschen beherrscht.
Ich verneine, denn der Ingenieur wäscht nicht und für das gemeine Fußvolk reicht ein 0815 Modell. Oma muss sich sicher auch prozentual beteiligen, das ist in der Familie P. so. Beispielsweise musste Opa Adolf bei der Inneneinrichtung unserer Gartenhütte sogar 60 % zahlen, da wir das Modell „Amberg“ ausgewählt hatten und mein Schwiegervater aus der Oberpfalz stammt.
Soweit so gut, meine Wäsche ist bei den Freundinnen gut aufgehoben und mein Ingenieur hört sich den ganzen Abend Testberichte der verschiedenen Modell deutscher Wertarbeit am PC an. Ich darf gespannt sein! Am nächsten Vormittag fiept mein Handy. Eine WhatsApp von meinem Mann mit einem Bild von einer Waschmaschine. Darunter steht: Schon eingepackt…natürlich ein Topmodell mit WIFI ..
Ich bin platt als ich das Modell guter deutscher Wertarbeit mit jedem Schnickschnack (man kann sie über eine App programmieren) vor mir stehen sehe. Es war natürlich ein Schnäppchen, B- Ware sozusagen, da die Maschine einen kleiner Kratzer aufweist. Sie hat alle Kriterien erfüllt und ich kann sie auch bedienen. Dann kann es ja bald losgehen in die Sonne zum Gardasee. Der Ingenieur hat auch schon die Musik runtergeladen. Diesmal hatte die Tochter die erste Wahl und wir dürfen uns auf Bibi und Tina 1 – 4 freuen, das reicht mindestens bis zum Brenner.