Chronik eines angekündigten Leidens


Es ist Frühlingsanfang, die von Oma Luisegunde liebevoll ausgesäten Schneeglöckchen haben sich bereits flächendeckend über noch kargen lehmigen Boden ausgebreitet. Die Amseln sitzen schon in den Startlöchern und tschilpen frohgemut den nahenden Frühling herbei. Der Kater hat die erste Maus des Jahres gefangen, die er dankenswerter Weise im Wohnzimmer aussetzt und die sofort Zuflucht unter dem Kamin sucht. Die Idylle wird nur jäh unterbrochen durch das monotone Surren   des Pari-Boys. Vor dem sitzt leidend der Inscheniör und atmet schwer seufzend die Kochsalzlösung ein und aus…

Rückblick: 11 Tage zuvor höre ich früh kurz vor dem Aufstehen unsere Lieblingstochter in ihrem Bett einige Male husten. Ihre Stimme ist  tagsüber heiser und  belegt, was auch nicht sehr verwunderlich ist, da sie gerne und viel spricht. 

Sonntag – vier Tage danach: bei dem Kind ist während der vier Tagen außer ein klitzekleines über den Tag verteiltes Husten nix von einem Infekt zu spüren. Als ihre liebende Mutter sie zu Bett bringt, fängt diese urplötzlich das Husten an. Am nächsten Tag ist die Mutter nur mäßig gut drauf. Gliederschmerzen breiten sich wie ein Schwelbrand in ihr aus, eine Anwendung mit Ibuprofen in Kombination mit zwei Gläsern Rotwein hinterher, verspricht leider nur kurzfristige Linderung. Die nächsten drei Tage verbringt sie leidend auf der Couch mit Hals- und Kopfweh und einem bellenden Husten, der im Kampf mit  ihrem Beckenboden die Oberhand behält.

Freitag: neun  Tage später: Der Inscheniör kommt schon Mittag aus der Firma und lässt sich schwer atmend auf seinen Lieblingssessel plumsen. Seine Lieblingsfrau reicht ihm stillschweigend das Fieberthermometer. Nach viermaligem Messen um einen exakten Mittelwert zu bestimmen, sagt das Thermometer: 37.2 Grad. 

Sonntagabend: das Leiden ist bereits in Whiskey ertränkt: Die Stimmung ist an unserem Kennenlerntag am Nullpunkt angekommen. Ich suche Zuflucht in der whatsapp Kommunikation mit meiner Freundin Lore…

„Stell dir vor, B. und ich haben heute im Stillen (jeder liegt k.o auf dem Sofa mit einem Thermometer unter der Achsel) und Kleinen (wir zwei und Komissar Borowski von der ARD) unser 12jähriges Zusammensein gefeiert… Sie weiß auch keine Lösung, beruft sich aber auf den kommenden Frühling!

Dienstag, Tag zwölf, nach dem das Killervirus bei uns eingezogen ist: die Fieberkurve des Inscheniörs bleibt konstant bei 37,2 Grad im Mittelwert und das Bedauern, dass ab 50 nichts mehr so ist wie zuvor. Der Whiskey ist aus und die erste Maus des Jahres ist inzwischen den Feuertod gestorben. Morgen ist sicher wieder alles gut und falls die Tochter mal wieder einen Virus nach Hause bringt, fahren wir sie sofort nach Fürth auf den Tauschparkplatz, bevor sie uns anstecken kann. 

Ein Gedanke zu “Chronik eines angekündigten Leidens

  1. Avatar von Daggi M. Daggi M.

    Tja, wenn Männer krank sind…!!! Lieber Reißaus nehmen und bei Anwesenheit schön bemitleiden…
    Männer haben doch bei 37,2 Grad Celsius Körpertemperatur Fieber, Frauen erst bei 39,5 Grad Celsius…
    Das ist ein kleines medizinisches Wunder… Ein Wunder der Natur🌼…

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