Am Freitag war in meiner Schule Schulfasching. Schon Wochen vorher waren die Lehrer, nicht etwa die Schüler, total aufgeregt wie und ob sie sich überhaupt verkleiden sollten. Tja, so ist der gemeine Franke und die Fastnacht beläuft sich wohl eher auf die „Fränkische Fastnacht“ auf’m Dritten vorm Fernseher. Ich war fein raus, weil ich Freitag erst zur 5. Stunde hab und nach der 4. war Schluss mit Fasching. 4 Stunden muss reichen für die fränkische Seele.
Auf jeden Fall sind die Kostüme, die sich die Leute aussuchen für mich psychologische Charakterstudien. Meine Chefin ging als Krümelmonster, die hübsche blonde langbewimperte Lehramtsanwärterin war ein Wildkätzchen, die ökologisch naturbelassene Kollegin ging als Waldschrat. Und der kurz vor der Pension stehende Kollege, der dem weiblichen Geschlecht immer zugeneigt ist, hatte sich kokett zwei Herzchen auf die Backen malen lassen. Muss man da noch was hinzufügen? Der Schulrat bräuchte eigentlich nie mehr einen Unterrichtsbesuch machen, der müsste nur zum Schulfasching kommen und könnte anhand der Kostüme den idealdienenden Beamten ermitteln!
Ich konnte zwar an diesem Freitag kneifen, aber als Mutter muss man mindestens durch die ersten sechs Lebensjahre seines Sprösslings jedes Jahr auf Fasching gehen. Zu meinem ersten Event ging ich als Cindy aus Marzahn. Das war aber eher meinen Nachschwangerschaftspfunden geschuldet. Ich muss zugeben, Clara war da zwar schon drei, aber ich war Spätgebärende, da braucht es länger um den Speck von Po, Beinen und Hüfte zu bekommen. Mein Mann ging stilecht zu mir passend als Bert Wollersheim mit Vokuhila Perücke und original Jogging Anzug in lila- türkis aus Ballonseide aus den 90ern. Der stammte von seiner Mutter, die, wie ihr wisst, zur Aufhebetruppe gehört und nix weg wirft.
Clara hatte in den letzen vier Jahren immer eine Art Prinzessinnenkostüm gehabt: Fee- Prinzessin, Meerjungfrau- Prinzessin, Burgfräulein- Prinzessin, 0815 Prinzessin… Die Jungs in ihrer Altersgruppe fand man wiederum geschlechtsspezifisch in Star Wars und Batman Kostümen. Da kann man jetzt sozio- und psychologisch über tradierte Rollenvorstellungen nachdenken. Ich hoffe das wächst sich aus und sie wird irgendwann mal als Pippi gehen und nicht als Annika!
Auf jeden Fall erzielte das Krümelmonster den dritten Platz bei der Kostümprämierung. Den zweiten Platz hab ich vergessen. Aber der erste Platz ging an eine Schülerin, die sich als Oma verkleidet hatte. Das kann man jetzt entweder als fränkischen oder modernen Mehrgenerationen Fasching sehen.

Rotkäppchen, Tanzmariechen, Schneewittchen, Ungarin-in meiner Kindheit hat meine Mutter solche aufwändigen Kostüme für mich genäht. Ich fühle noch immer diese angenehme Weichheit von Samt, den rauhen Tüll und die Glattheit des Stoffes.
Es war immer ein besonderes Ereignis und Erlebnis für uns drei Kinder (meine Brüder gingen meist als Cowboys), wenn wir in das Gasthaus „Zum Hirschen“ im Ort marschierten und dort zusammen mit allen Kindern aus unserem kleinen Ort Fasching feierten. Krapfen, Eis, Bratwurstbrötchen, Limonade… War das ein toller Nachmittag. Uns abends waren wir traurig, wenn es dunkel wurde und der Fasching unwiederbringlich vorbei war.
Fasching bedeutet für mich heute noch Krapfen und Bratwurstbrötchen, Luftschlangen und Limonade.
Komisch, eine Maskenprämierung gab es nie. Die Wirtin war so eine strenge,
unsymphatische Person. Leider. Ich bin mir sicher, dass ich mit meinen Kostümen einen guten Platz belegt hätte…
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Ich weiß genau wie die Ungarin ausschaut 😉, du hättest sicher den ersten Platz gemacht, ich war mal ein Holland Mädchen
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Du kannst ja meine Coschreiberin werden!
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🤔😃
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